# taz.de -- Olympischer Gigantismus: Die zerstörerische Kraft von Olympia
       
       > Entgegen aller Versprechungen soll für die Spiele in Brisbane nun doch
       > eine neue Arena gebaut werden. Proteste dagegen formieren sich bereits.
       
 (IMG) Bild: Nolympia: Demonstration gegen einen Stadionneubau in Brisbane
       
       Es wird wieder geklotzt für Olympia. Dabei hatte sich Thomas Bach, [1][der
       scheidende Präsident des Internationalen Olympischen Komitees], vor einer
       Woche noch kräftig dafür auf die Schulter geklopft, dass er mit den Spielen
       von Paris im vergangenen Jahr ein neues olympisches Zeitalter eingeläutet
       habe.
       
       Da gab es keine bombastischen Neubauten, jede Menge temporäre Tribünen und
       viele bewährte Arenen, die mit den fünf Ringen geschmückt worden waren. In
       Los Angeles 2028 soll es nicht viel anders sein. Genau eine Woche nach dem
       IOC-Kongress von Griechenland wurden nun die Pläne der Gastgeber der
       Olympischen Sommerspiele 2032 im australischen Brisbane vorgestellt.
       
       Für umgerechnet über 2 Milliarden Euro soll ein riesiges Stadion für die
       Leichtathletikwettbewerbe gebaut werden. Nicht weit davon entfernt soll ein
       gigantisches Schwimmstadion entstehen. „Wir sind nicht Paris, wir sind
       nicht LA. Das hier wird besser sein und wir machen es auf Queensland-Art“,
       meinte David Crisafulli, der Premier des australischen Bundesstaats
       Queensland, dazu. Und so ist eigentlich nichts mehr übrig von der Idee, mit
       der sich Brisbane als funktionierende Sportstadt für die Spiele beworben
       hatte.
       
       Nichts übrig ist auch vom Wahlversprechen Crisafullis, kein neues Stadion
       errichten zu lassen. Das im Ausrichtervertrag mit dem IOC festgeschriebene
       Versprechen, für Sportstätten keine größeren Eingriffe in die Natur
       vorzunehmen, war ebenfalls nichts wert. Denn das Stadion soll im Victoria
       Park errichtet werden, der einzigen größeren Grünanlage der 2,3 Millionen
       Einwohner zählenden Stadt im Nordosten Australiens.
       
       ## Gebrochene Versprechen
       
       Das IOC hatte sich 2014 neue Regeln verordnet, [2][die Agenda 2020], nach
       der sich Olympische Spiele einer Stadt anzupassen haben, sodass sich die
       Stadt nicht völlig verändern muss für das Megaevent. In Brisbane scheint
       genau das zu passieren. Ohne Rücksicht auf alles, was versprochen war, wird
       nun eine Supersportarena für 63.000 Fans aus dem Boden gestampft.
       
       Dies geschieht auch ohne Rücksicht auf die Anliegen der First Nations, in
       deren Sprache der Victoria Park Barrambin heißt. [3][Aktivisten, die gegen
       den Stadionneubau mobilisieren], machen darauf aufmerksam, dass Barrambin,
       zu Deutsch „windiger Ort“, für die First Nations eine wichtige Kultstätte
       war und ist. Bevor die Kolonialherren aus Europa gekommen sind, war dort
       ein Treffpunkt für indigene Gruppen, die durch die Region gezogen sind. Die
       Aktivisten erinnern auch an Massaker, die von Siedlern aus Europa an dieser
       Stelle an Indigenen verübt worden sind.
       
       Wieder einmal also zeigt sich die zerstörerische Kraft von Olympia. Im
       Drang, im erlesenen Kreis der Ausrichterstädte nur ja nicht abzustinken,
       fallen beinahe alle Grenzen. Auch die Organisatoren der viel gerühmten
       Spiele von Paris waren gnadenlos, als es um die [4][Vertreibung von
       Menschen] aus den Gebäuden ging, die dem olympischen Dorf in Saint Denis
       weichen mussten. Derartige Geschichten von der rücksichtslosen
       Implementierung Olympias in Ausrichterstädten gibt es zuhauf in der
       Historie der Spiele. Brisbane wird dazu ein neues Kapitel schreiben. Das
       steht schon fest, bevor der erste Baum im Victoria Park gefällt worden ist.
       
       Und Umweltschützer werden gewiss vergeblich darauf hoffen, das IOC möge
       doch auf die Einhaltung der Verträge pochen und dafür sorgen, dass der
       Raubau an der Grünanlage eingestellt wird. Für die Olympier zählt am Ende
       einzig und allein, dass alles rechtzeitig fertig wird für die perfekte
       Inszenierung des Sports unter den Ringen. Und die Agenda 2020? Das ist ein
       gut gemeintes Papier, das man ausdrucken und abheften kann. Dran halten
       muss man sich wohl nicht.
       
       30 Mar 2025
       
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