# taz.de -- Kleinstparteien und ihre Programme: Die Felsen in der Brandung
       
       > Bei der letzten Bundestagswahl traten Parteien mit teils verblüffend
       > amüsanten Programmen an. Ich habe Lust bekommen, auch eine Partei zu
       > gründen.
       
 (IMG) Bild: Wusste schon 2017 inhaltlich zu überzeugen: Martin Sonneborn, damals Chef von „Die Partei“, bei einem Gerichtstermin in Berlin
       
       Froh bin ich, dass die Bundestagswahl vorbei ist. Wahlkampf ist oft so
       peinlich – das Eigenlob, die Beleidigungen, die Versprechungen – zum
       Fremdschämen. Schade, dass die aus parteitaktischen Gründen geschürten
       Ängste, der Hass und die Schwarzmalerei nicht auch gleich mit vorbei sind.
       
       Aber egal, wie mich das Politiktheater nervt, nicht zu wählen kommt für
       mich nicht infrage, eher gebe ich meine Stimme einer der [1][kuriosen
       „Kleinstparteien“].
       
       Der Wahl-O-Mat überraschte mich dieses Jahr übrigens damit, dass ich mit
       einer von ihnen die größte Übereinstimmung bei den abgefragten Themen
       hatte. Gewählt habe ich sie nicht, aber es hat mich dazu gebracht, mir ein
       paar Wahlprogramme der Kleinen anzuschauen.
       
       Das war sowohl interessant als auch amüsant. Am witzigsten geht es
       natürlich bei [2][„Die Partei“] zu. Es leuchtet mir ein, dass Satiriker
       eine politische Partei gründen, wenn einem Politik ständig wie Satire
       vorkommt. Plakate wie „Der nächste Kanzler ist ein Arschloch“ oder ein
       tatsächlich ausgestrahlten Wahlwerbespot, in dem „Die Partei“ ihren
       Kanzlerkandidaten mit den Worten „Dominic Harapat, ein Fels in der
       Brandung, ein Mann wie ein Baum, ein rauchender, biertrinkender Baum“
       anpreist (der uns außerdem ein guter König sein wird!), haben mir viel
       Freude gemacht.
       
       Fast genauso komisch finde ich die Existenz der „Partei für
       Verjüngungsforschung“. In ihrem Wahlprogramm prangern sie den Skandal an,
       dass pro Sekunde auf der Erde ein Mensch stirbt, nur aufgrund von Alterung!
       Allerdings meinen sie das ganz ernst und fordern, zehn Prozent des
       Bundeshaushalts für die Forschung an der Umkehr des menschlichen
       Alterungsprozesses auszugeben. Seltsam, dass sie nicht die restlichen 90
       Prozent des Haushaltes in [3][Klima-und Umweltschutz] investieren wollen,
       damit wir fürs ewige Leben dann wenigstens einen bewohnbaren Planeten
       haben.
       
       Moralischen Fragen, beispielsweise wer genau denn ewig Leben dürfte, werden
       nicht gestellt. Es wären natürlich die Reichen und Mächtigen. Für
       ineffiziente Menschen wie meinen Sohn wäre bestimmt kein Platz und meine
       Tochter hat schon mit ihren 16 Jahren oft das Gefühl, in dieser Welt nicht
       leben zu wollen.
       
       Immerhin: Probleme mit Kindern gäbe es nicht mehr, in einer Gesellschaft,
       in der keiner stirbt, darf auch keiner geboren werden. Was für ein
       Horrorszenario: nur noch Alte, regiert von unsterblichen Trumps und Putins.
       Weil die Partei bei der Bundestagswahl aber nur 304 Zweitstimmen bekommen
       hat, müssen wir davor glücklicherweise wohl nicht allzu große Angst haben.
       
       ## Genoptimierte Menschen aus Zuchtzentren
       
       Apropos Horrorszenarien: Es gibt auch noch die AIPD, die „Außerirdische
       Invasoren Partei Deutschlands“. Sie versprechen „Freiheit durch
       Unterwerfung“ und „einen Komplettabbau jeglicher Ressourcen bis 2031“. Sie
       positionieren sich auf ihrer Internetseite als einzige Partei auch zum
       Thema Sex sowie Behinderung: „Der menschliche Fortpflanzungsprozess ist
       umständlich, ineffektiv und unschön anzusehen. Darüber hinaus birgt er die
       Gefahr willkürlicher genetischer Mutation. Die AIPD wird diesem peinlichen
       Treiben ein Ende setzen und genoptimierte Menschen in Zuchtzentren
       synthetisch reproduzieren.“ Wählen kann man die Partei leider nicht – sie
       ist nur Kunst.
       
       Eine Partei, die es tatsächlich gibt, ist die „Friesenpartei für skurrile
       Minderheiten, Systemwechsel & gegen neurechte Klima-Leugnung“. Ich mag es,
       dass diese Partei „Die Sonstigen“ heißt.
       
       In der Vor-Google-Zeit habe ich mich immer gefragt, wer denn diese
       Sonstigen eigentlich genau sind. Bei der letzten Bundestagswahl waren sie
       zwar nicht angetreten, aber sie haben mir Lust darauf gemacht, auch eine
       Partei zu gründen, damit ich mir einen Namen für sie ausdenken kann.
       Momentan schwanke ich noch zwischen „Ich habe die allgemeinen
       Geschäftsbedingungen gelesen und erkläre mich damit einverstanden“ oder
       „Ich möchte an der Verlosung des Hauptgewinns teilnehmen“.
       
       30 Mar 2025
       
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