# taz.de -- Geldpolitik bleibt zunächst auf Kurs: EZB senkt Leitzins auf 2,5 Prozent
       
       > Noch sind die Rüstungs- und Infrastrukturpakete in Deutschland und der EU
       > nur geplant. Die Zentralbank verbilligt deshalb die Kreditaufnahme
       > nochmals.
       
 (IMG) Bild: EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht auf einer Pressekonferenz am 6.3.2025
       
       Frankfurt rtr/taz | Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt angesichts der
       [1][langsameren Inflation] und [2][mauen Konjunktur] die Leitzinsen erneut.
       Der EZB-Rat um Notenbankchefin Christine Lagarde beschloss am Donnerstag,
       den am Finanzmarkt maßgeblichen Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,50
       Prozent nach unten zu setzen. Diesen erhalten Geldhäuser, wenn sie bei der
       Notenbank überschüssige Gelder parken. Er ist der Leitzins im Euroraum.
       Seit die Währungshüter Mitte 2024 auf einen Lockerungskurs umgeschwenkt
       waren, ist dies die sechste Zinssenkung.
       
       Zum weiteren Kurs sagten die Währungshüter:innen: „Die Geldpolitik wird
       spürbar weniger restriktiv, da die Zinssenkungen die Aufnahme neuer Kredite
       für Unternehmen und private Haushalte günstiger machen und das
       Kreditwachstum anzieht.“ Offenbar gehen sie davon aus, dass die Zinsen auf
       dem Weg zu einem Niveau sind, das wachstumsneutral wirkt. Nach der
       [3][jüngsten EZB-Studie] ist damit ein Zinssatz zwischen 1,75 und 2,25
       Prozent gemeint.
       
       Die Inflation im Euroraum war im Februar auf 2,4 Prozent gesunken, nachdem
       sie im Januar noch 2,5 Prozent betragen hatte. Das EZB-Ziel einer
       Teuerungsrate von 2,0 Prozent rückt damit näher. Zugleich fehlt der
       Konjunktur bislang immer noch ein Schub. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im
       Währungsraum legte von Oktober bis Dezember verglichen mit dem Quartal
       davor lediglich um 0,1 Prozent zu, nachdem es im Sommerquartal noch um auch
       nicht berauschende 0,4 Prozent zugenommen hatte.
       
       Der Ausblick ist für die EZB von zunehmender Unsicherheit geprägt, unter
       anderem wegen des [4][Hin-und-Her im Handelskonflikt mit den USA]. Dies
       veranlasst Unternehmen dazu, sich mit Investitionen zurückzuhalten.
       
       ## Neuer Rüstungskeynesianismus
       
       Als besonderer Bremsklotz gilt Deutschland, die größte Volkswirtschaft, die
       zuletzt sogar noch langsamer wuchs als der EU-Durchschnitt. Die restriktive
       Fiskalpolitik dort hatte die Wirtschaft wenig unterstützt. Allerdings
       stehen nun aktuell mit der [5][militärischen Aufrüstung in Europa] und dem
       [6][in Deutschland geplanten Finanzpaket, das ebenfalls in die Rüstung
       fließen, aber auch die Infrastruktur verbessern soll], plötzlich hohe
       staatliche Investitionen an. Mit diesen würden nicht nur direkt etwa
       Rüstungs- und Bauindustrie angekurbelt, sondern beispielsweise mit der
       Verbesserung von Transportwegen für Waren, Energie und Personen auch die
       Bedingungen für die Gesamtwirtschaft verbessert.
       
       Die Debatte unter den Währungshütern über den weiteren Kurs dürfte daher in
       den nächsten Monaten kontroverser geführt werden. Notenbank-Direktorin
       Isabel Schnabel hatte unlängst dafür plädiert, über eine Pause oder einen
       Stopp des Zinssenkungskurses nachzudenken.
       
       6 Mar 2025
       
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