# taz.de -- Schiffskollision in der Nordsee: Tanker könnte Schweröl verlieren
       
       > Die Umweltfolgen der Schiffskollision vor Großbritannien sind noch
       > ungewiss. Die größte Gefahr gehe vom Treibstoff der Schiffe aus, sagen
       > Experten.
       
 (IMG) Bild: Nach der Kollision: Wasser fließt durch den beschädigten Rumpf des Öltankschiffs „Stena Immaculate“, 11. März 2025
       
       Berlin taz | Nach dem [1][Tankerunfall an der englischen Nordseeküste] in
       der Nähe der Stadt Hull dauern die Lösch- und Sicherungsarbeiten am
       Dienstag weiter an. Während die Besatzungen beider Schiffe bis auf ein noch
       vermisstes Mitglied unbeschadet evakuiert werden konnten, sind die
       Umweltfolgen der Kollision noch ungewiss.
       
       Am Montagvormittag stieß in der Nähe der Humber-Mündung der Frachter
       „Solong“ mit dem Tanker „Stena Immaculate“ zusammen. Die „Stena Immaculate“
       fährt unter US-amerikanischer Flagge und ankerte in der Nähe ihres
       Zielhafens Immingham. Die unter portugiesischer Flagge fahrende „Solong“
       der deutschen Reederei Ernst Russ war auf der vielbefahrenen Seeroute
       zwischen Nordengland und den Niederlanden auf dem Weg nach Rotterdam. Wie
       es zu dem Unfall kommen konnte, ist bislang unklar.
       
       Umweltschützer:innen fürchten schwerwiegende Folgen für die Natur. Die
       möglichen Konsequenzen für die Umwelt hängen davon ab, welche Substanzen
       nach der Kollision aus den Schiffen austreten konnten oder könnten. Die
       Stena „Immaculate“ hatte tonnenweise Flugzeugtreibstoff für das US-Militär
       an Bord.
       
       Auf dem anderen Schiff befanden sich zahlreiche Container mit
       unterschiedlichen Inhalten. Dass sich darunter 15 Container mit der
       giftigen Substanz Natriumcyanid befanden, wie verschiedene Medien
       berichteten, dementierte die Reederei Ernst Russ. Die Tanks beider Schiffe
       waren darüber hinaus noch mit Schweröl, ihrem eigenen Treibstoff, gefüllt.
       Fest steht, dass zumindest Teile des Flugzeugtreibstoffs des US-Tankers
       ausgelaufen sind. Am Dienstag hat die Küstenwache Luftmessungen
       vorgenommen, um herauszufinden, ob weitere giftige Substanzen ausgetreten
       sind.
       
       ## Das größte Umweltrisiko geht vom Schweröl aus
       
       Experten halten das Austreten des Flugzeugtreibstoffs nicht für bedrohlich.
       „Flugzeugtreibstoff ist ein leichtes Öl, es verdampft schnell“, sagte Mike
       Elliott, Professor für Mündungs- und Küstenwissenschaften an der University
       of Hull, der taz. „[2][Gefährlicher ist das Schweröl], mit dem die beiden
       Schiffe betrieben worden.“ Wenn das austrete und in die Humber-Mündung
       gespült werde, könne es den Lebensraum und die Brutstätten vieler dort
       nistender Vögel zerstören.
       
       Die Küstenwache müsse schnell sicherstellen, dass kein Schweröl austritt,
       so Elliott. Sollte das trotzdem passieren, müsse sie schützende Maßnahmen
       ergreifen. Beispielsweise könne sie möglicherweise ausgetretenes Öl an
       einen Sandstrand umleiten und dort dann abschöpfen. Da sich in der
       Humber-Mündung vier Häfen befinden, sei die Küstenwache gut vorbereitet,
       ist er überzeugt.
       
       11 Mar 2025
       
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