# taz.de -- Alpiner Paraski-Weltcup: Abfahren, bis sie oben sind
       
       > Am Feldberg wird ein Weltcup ausgetragen. Er soll dafür sorgen, dass
       > Paraski größere Wertschätzung erhält. Wenn’s nicht klappt: Am Sport lag’s
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Schnee, Ski, Spitzenposition: Anna-Lena Forster kurz bevor sie den Feldberg hinabfährt
       
       Justus Wolf war nach dem historischen ersten Paraski-Alpin-Weltcup in
       Deutschland einfach erleichtert und happy: „Es ist gigantisch, dass wir
       alle drei Renntage durchbekommen, auch wenn am letzten Tag auf der immer
       weicher werdenden Piste am Feldberg herausfordernd wurde“, sagte der
       Bundestrainer und Mitorganisator: „Unser erster Weltcup in Deutschland ist
       auch bei den anderen Nationen durchweg gut angekommen, und in den Medien
       waren wir endlich präsent.“
       
       Auch die sportliche Bilanz des deutschen Teams passte zum positiven
       Gesamtfazit im Schwarzwald, wo vor 25 Jahren der letzte Alpin-Weltcup der
       Nichtbehinderten stattgefunden hatte. Die viermalige
       Paralympics-Siegerin [1][Anna-Lena Forster] feierte im Monoski alle
       drei möglichen Siege. In der stehenden Klasse jubelte Anna-Maria Rieder
       dreimal über Platz zwei hinter der überragenden Schwedin Ebba Aarsjö. „Ich
       habe gezeigt, dass ich ganz gut Skifahren kann“, sagte Rieder mit einem
       Grinsen. Davon überzeugten sich erstmals bei einem Weltcup in Deutschland
       auch die Spitzenfunktionäre des Deutschen [2][Behindertensportverbands]
       (DBS) – und die Lieblingsmenschen der deutschen Protagonistinnen.
       
       „Das war echt etwas Besonderes. Familie, Freunde und Bekannte sind da, das
       ist einfach eine ganz andere Stimmung und Euphorie. Und eine ganz andere
       Wertschätzung für uns Sportlerinnen und Sportler daheim“, schwärmte
       Anna-Lena Forster. Die 29-Jährige ist nicht nur wegen ihrer vier
       [3][Paralympics]-Goldmedaillen und neun WM-Titel die Vorzeigefigur des
       deutschen Behindertensports. Bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres belegte
       sie in Konkurrenz zu den nichtbehinderten Olympiastars einen glänzenden
       siebten Platz.
       
       Trotzdem finden die Highlights ihrer rasanten Sportart abseits der
       Paralympics – dort schauen im TV regelmäßig über 2 Millionen Deutsche zu –
       bislang überhaupt keine Beachtung in der Öffentlichkeit. „Wir verschwinden
       einfach in der Versenkung“, sagt Wolf drastisch. Der Chefcoach wollte sich
       mit diesem Zustand jedoch nicht abfinden und hatte nun großen persönlichen
       Anteil daran, dass es erstmals einen „Weltcup dahoam“ gab.
       
       ## Alle Sachen karrt der Trainer an
       
       Vom Hotelmanagement über Sponsorenbeschaffung bis zu Streckenverantwortung
       – Justus Wolf hatte (fast) überall seine Finger im Spiel. Natürlich karrte
       der Coach auch das nötige Pistenmaterial von Stangen bis zu Absperrungen
       vom Tegernsee an den Feldberg. Den Dank für außergewöhnliches Engagement
       gab er nach der erfolgreichen Premiere aber lieber weiter: „Ohne die
       tatkräftige Unterstützung der Feldbergbahnen und der Hilfe des Skiverbands
       Schwarzwald im Ehrenamt wäre all das nie möglich gewesen.“
       
       Anna-Lena Forster nennt die Premiere in Deutschland
       „großereigniswürdig“ und „toporganisiert bis zur Videoleinwand im Ziel.
       Für alle Probleme – auch für die in den Bergen schwierige Barrierefreiheit
       – wurde eine Lösung gefunden. Deutschland kann definitiv in der Spitze der
       Weltcups weltweit mithalten.“ Zumal die Rennen auch im ZDF-Livestream zu
       erleben waren.
       
       Eine Bewegtbild-Übertragung ist für die Organisatoren von Weltcups oder
       sogar Para-Großereignissen wie der WM keine vom Internationalen Skiverband
       FIS vorgegebene Pflichtaufgabe. „Es hängt deshalb immer davon ab, wie viel
       Energie, Leidenschaft und Sponsoren hinter einer Veranstaltung stecken“,
       sagt Anna-Lena Forster. „Dann entsteht ein cooles Event, und das ist der
       Anfang, so wie hier am Feldberg. Dann kommen das Fernsehen, die Zuschauer
       und irgendwann hoffentlich noch mehr Sponsoren.“ Forster übt offen Kritik:
       „Ich habe auch den Eindruck, dass der Ski-Weltverband FIS noch mehr tun
       könnte.“
       
       Der deutsche Topstar fordert, dass mehr Para-Skirennen im Rahmen von
       Europacups oder Weltcups der Nichtbehinderten stattfinden sollten. Das
       garantiert eine größere Öffentlichkeit und ganz nebenbei auch eine
       TV-Übertragung. Wie diese Inklusion funktionieren kann, zeigen die
       Nordischen Ski-Weltmeisterschaften im norwegischen Trondheim, die Ende
       Februar beginnen. Dort finden erstmals auch zwei
       Para-Langlaufski-Entscheidungen statt. „Das ist eine super Idee, die auch
       bei uns funktionieren könnte. Wir fahren im Prinzip auf den gleichen Hängen
       wie die Alpin-Skifahrer, unsere Pisten sind nur entschärft und nicht so
       eisig“, so Forster: „Es wäre vieles machbar, wenn es gewollt wäre.“
       
       Beim deutschen Paraski-Alpin-Weltcup am Feldberg ist das nun so. „Der Tenor
       ist schon, dass man es wiederholen sollte“, sagt Justus Wolf: „Schließlich
       sind die Strukturen einmal da, und das bleibt für die nächsten Jahre.“
       
       24 Jan 2025
       
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