# taz.de -- Spaniens Staatschef im Nahkampf: Ein König mit Cojones
       
       > König Felipe war lange Zeit wenig populär. Nun hat er bei der
       > Flutkatastrophe einen Mut gezeigt, der Spaniens verantwortlichen
       > PolitikerInnen fehlt.
       
 (IMG) Bild: Mit seiner starken Haltung hat sich der spanische König den Respekt verschafft, der ihm bisher fehlte
       
       Es sind bereits jetzt, 24 Stunden danach, Bilder für die Geschichte.
       Spaniens König Felipe VI. stellte sich den wütenden Menschen in Paiporta,
       einer der am schlimmsten [1][von der Überschwemmungskatastrophe]
       betroffenen Gemeinden in der Mittelmeerregion Valencia. „Mörder“, rief die
       Menge, unter die sich auch rechtsextreme Jugendliche aus dem Umfeld der
       Vox-Partei gemischt hatten, als Felipe in Begleitung des sozialistischen
       Ministerpräsidenten Pedro Sánchez und des Regionalpräsidenten Carlos Mazón
       durch den Ort ging. Es flog Schlamm und es flogen Steine.
       
       Auch dann, als die Sicherheitsdienste Sánchez wegbrachten, nachdem dieser
       einen Schlag mit einer Stange auf den Rücken bekommen hatte und eines der
       Begleitfahrzeuge zerstört wurde, [2][hielten Felipe und auch seine Frau
       Letizia dem Unmut stand]. Sie trösteten die Katastrophenopfer. Der König
       sprach von Demokratie, von Hilfskräften und deren Schwierigkeiten, der
       Größe des betroffenen Gebietes, was zum Eindruck führen konnte, die Armee
       und die Feuerwehren seien gar nicht vor Ort gewesen, weil sie ein paar
       Kilometer weiter Zufahrtswege räumten.
       
       Kurzum, er machte das, was vor allem der valencianische Regionalpräsident
       Mazón hätte tun müssen – und das, obwohl Felipe wiederholt von Schlamm
       getroffen und einer der Leibwächter von Königin Letizia am Kopf verletzt
       wurde. „Felipe hat ein Paar cojones“ (Eier), urteilte so mancher vor Ort
       und im restlichen Land vor dem Fernseher.
       
       Rechts- wie Linksaußen – Vox und Podemos – sowie die linksalternative
       Regionalpartei Compromis sahen im Königsbesuch „eine Provokation“. Wäre der
       König nicht angereist, hätten ihm dies sicher die gleichen Kräfte aufs Brot
       geschmiert. Felipe VI. machte intuitiv alles richtig. Mit seiner Haltung
       hat sich der spanische König nun den Respekt verschafft, der im bisher
       fehlte, und das nicht nur unter Monarchie-Anhänger, sondern auch unter
       Republikanern. Er trat an diesem bemerkenswerten Tag endgültig aus dem
       Schatten seinen korrupten Vaters Juan Carlos. Felipe VI. ist heute um
       einiges mehr der Staatschef aller Spanier, als er es vor dem Besuch in
       Paiporta war.
       
       4 Nov 2024
       
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