# taz.de -- Venus Erotikmesse: Nichts für schwache Nerven
       
       > Auf der Erotikmesse Venus bleibt kein Wunsch unerfüllt: Von peitschenden
       > Dominas über Mumifizierungs- bis hin zu Foltershows ist alles vertreten.
       
 (IMG) Bild: Das Motto der Venus: Frauen bieten an, Männer konsumieren
       
       Berlin taz | Ein wilder Geruchscocktail aus Schweiß, Sperma und Schlagsahne
       durchzieht am Wochenende die Messehallen unter dem Funkturm. Durch die
       schummrig beleuchtete Show-Area der Erotikmesse Venus dröhnen die Bässe.
       Auf einer Bühne besprühen sich halbnackte Frauen mit Schlagsahne, lecken
       sich ab und befriedigen sich. Festgehalten wird die Schlagsahnenparty durch
       die schamlos großen Linsen und Camcorder umherstehender sabbernder
       Männerscharen.
       
       „Geil“ ist alles, was der kaum ansprechbare filmende Opa in der ersten
       Reihe rauskriegt. Aus seiner Tüte quillen Venus-Goodies: Feuerzeuge vom
       Riesenpuff Artemis, Duftbäumchen in Sexarbeiterinnen-Form und viele bunte
       Dildos. Die werden auf der Messe in allen Formen und Farben verkauft: als
       Erdmännchen, Salatkopf, Maiskolben, Gurke oder Dinosaurier. Bis zu einem
       halben Meter groß sind die angsteinjagenden, in Hochgeschwindigkeit
       vibrierenden Sticks. Alles klebt – unklar, ob von Sperma, Männersabber oder
       Bier. Immer wieder drängt sich der süß-beißende Duft von Himbeer, Vanille
       und Hubba-Bubba dazwischen. Diese kopfschmerzbereitenden Duftbäumchen…
       
       Das ist nichts für schwache Nerven, Verschnaufpause: Fehlanzeige. Vor dem
       Eingang zur Kinky Area peitscht derweil eine Domina in schwarzem Lackoutfit
       und Glitzergürtel mit der Aufschrift „Lady Anja“ drei mit Metallketten an
       sie gekettete Männer aus. „Eigentum von Lady Anja“ steht auf den Shirts der
       Männer, die auf allen vieren vor ihr knien und nach jedem Hieb unterwürfig
       „Danke, Lady Anja“ murmeln. Ihre weißen Hinterteile füllen sich derweil mit
       roten Striemen von der Lederpeitsche.
       
       Die Performance gibt nur einen Vorgeschmack auf den Fetischbereich, in dem
       es nicht weniger heiß hergeht: Sklavenerziehung, Folter, Spank-, Bondage-,
       Peitschen- und Mumifizierungsshows stehen hier auf dem Programm.
       
       Neben der Bühne posiert die „Fistschwester“ im schwarzen Lack-Outfit und
       roten Latexhandschuhen bis zu den Schultern. „Fisten ist meine Passion. Ich
       bin eine Art Wunscherfüllerin“, erklärt die 55-jährige Mannheimerin,
       zwischen deren Beinen ein überdimensional großer Plastikpenis baumelt. Ihr
       Arm könne schon mal „bis hier oben verschwinden“, sagt sie und zeigt
       gefährlich hoch auf ihren Oberarm. Sie ist sich sicher: „Wer einmal vom
       süßen Kuchen der Prostatamassage genascht hat, der kommt immer wieder.“
       
       Und ich bin mir sicher: Wer einmal vom süßen Duft der Venus geschnuppert
       hat … der kommt nie wieder.
       
       28 Oct 2024
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilly Schröder
       
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