# taz.de -- Korruption in Singapur: Skandal im Musterland
       
       > In dem südostasiatischen Stadtstaat Singapur steht ein früherer Minister
       > vor Gericht. Er räumt ein, großzügige Geschenke angenommen zu haben.
       
 (IMG) Bild: Der ehemalige Verkehrsminister Singapurs, Subramanian Iswaran, trifft vor dem Obersten Gerichtshof in Singapur ein
       
       Berlin taz | Überraschend hat sich Singapurs früherer Transportminister
       Subramaniam Iswaran am Dienstag zu Beginn des größten Korruptionsprozesses
       im Stadtstaat seit Jahrzehnten für schuldig bekannt. Der 62-jährige
       langjährige Politiker der dominierenden People’s Action Partei (PAP) hatte
       bisher alle Schuld von sich gewiesen.
       
       Iswaran werden in 30 Fällen Korruption und Behinderung der Justiz
       vorgeworfen. Der Vater dreier Kinder hatte seit 2006 hohe verschiedene
       Regierungs- und seit 2011 Ministerposten inne. Die Korruptionsvorwürfe
       haben den so reichen wie effizienten Stadtstaat mit knapp sechs Millionen
       Einwohnern erschüttert.
       
       Der Harvard-Absolvent Iswaran ist dafür bekannt, Singapur erfolgreich als
       Austragungsort von Formel-1-Rennen etabliert zu haben. Oft übergab er
       höchstpersönlich Pokale an siegreiche Fahrer.
       
       Doch wirft ihm jetzt die Staatsanwaltschaft vor, zahlreiche Luxusgeschenke
       wie Tickets für teure Konzerte, Sportevents und Reisen im Wert von
       umgerechnet 280.000 Euro vom Immobilien- und Hoteltycoon Ong Beng Seng
       angenommen zu haben. Dieser besitzt die Rechte am Singapur Grand Prix. Er
       wurde bisher jedoch nicht angeklagt und war auch am Wochenende beim letzten
       Singapur Grand Prix in der Öffentlichkeit zu sehen.
       
       ## Erster Minister unter Korruptionsverdacht seit 1986
       
       Ein weiterer Unternehmer, Lum Kok Seng, soll Iswaran in kleinerem Ausmaß
       bestochen haben und aus dessen Wahlkreis stammen. Iswaran wurde am 11. Juli
       vergangenen Jahres festgenommen und kurz darauf auf Kaution freigelassen.
       Am Tag drauf wurde er von seinem Ministerposten beurlaubt und dann im
       Januar entlassen.
       
       Iswaran ist Singapurs erster Minister seit 1986, der unter
       Korruptionsverdacht steht. Damals entging der verdächtige
       Entwicklungsminister Ermittlungen durch Suizid. Davor war 1975 der
       Umweltminister zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte ein Haus und
       Land als Geschenk angenommen.
       
       Auf die Annahme von Geschenken stehen zwei Jahre Haft, für die Behinderung
       der Justiz sieben Jahre plus Geldstrafe. Bisher fordert die
       Staatsanwaltschaft allerdings für Iswaran nur eine Gefängnisstrafe von
       sechs bis sieben Monaten, sein Anwalt, ein Ex-PAP-Abgeordneter, plädiert
       auf nur acht Wochen.
       
       Im Vergleich dazu gibt es für den Verkauf von 15 Gramm Heroin oder 500
       Gramm Cannabis in Singapur die Todesstrafe. Am 3. Oktober soll das Urteil
       gegen Iswaran verkündet werden.
       
       ## Mit hohen Ministergehältern gegen Korruption
       
       Singapur liegt als korruptionsfreiestes Land Asiens auf dem
       [1][Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International] auf Rang
       fünf von 180 Staaten. Singapurs Minister verdienen Jahresgehälter von
       umgerechnet 750.000 Euro aufwärts, angeblich um sie immun gegenüber
       Versuchungen der Korruption zu machen.
       
       Das Narrativ der Korruptionsfreiheit ist Teil der Staatsideologie und dient
       der Rechtfertigung der seit Singapurs Staatsgründung 1965 autoritär
       regierenden PAP. Bis spätestens November 2025 muss ein neues Parlament
       gewählt werden. Premierminister Lawrence Wong ist erst seit Mai im Amt.
       Iswarans Prozess beschädigt das Image der PAP.
       
       24 Sep 2024
       
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