# taz.de -- das wird: „Die Buchläden suchen sich aus, wer liest“
> In Hamburg, Bremen und Hannover knubbeln sich vorherbstliche Lesungen und
> Literaturnächte
Interview Benno Schirrmeister
taz: Herr Laloire, warum ballen sich Anfang September die Lesungstermine
so?
Jens Laloire: Das ist so ungewöhnlich nicht: Es ist Ende der Sommerpause,
der reguläre Veranstaltungsbetrieb nimmt Fahrt auf. Wobei es diese Woche
schon sehr viel ist: Am Wochenende gibt es die „Bremen
liest!“-Literaturnacht in den Buchhandlungen, dann am Sonntag auf der
Bühne in den Neustadtwallanlagen die Buchpremiere von Jutta Reichelt und
jetzt am Mittwoch kommt Nora Bossong, das ist schon viel.
taz: Also haben Sie Lokaheldin Nora Bossong den Hamburgern für deren
Buchpreis-Longlist-Abend abspenstig gemacht?
Laloire: Ganz sicher nicht. Die Lesung war lange geplant, auch auf Wunsch
des Verlages, denn am Donnerstag liest sie ja in Hannover. Als wir das
eingetütet hatten, wusste noch niemand, dass ihr „Reichskanzlerplatz“ auf
der Longlist stehen würde.
taz: Und mit der Hamburger Langen Nacht der Literatur am Wochenende kommen
Sie sich auch nicht ins Gehege?
Laloire: Das sind ja sehr unterschiedliche Konzepte. Eine Person hat mir in
der Vergangenheit zwar wirklich schon mal rückgemeldet, dass sie gerne an
beiden Veranstaltungen teilnehmen würde…
taz: … das ist ja dieses Jahr auch problemlos möglich, weil es zwei
unterschiedliche Nächte sind: Haben Sie sich miteinander abgesprochen?
Laloire: Nein. Darüber könnte man in Zukunft vielleicht nachdenken, auch
wenn es vermutlich nur wenige Menschen gibt, die für die Literaturnacht von
Hamburg nach Bremen fahren, oder umgekehrt. Es ist halt eine andere
Ausrichtung, sodass wir auch kaum Gefahr laufen, uns gegenseitig
Autor*innen wegzuschnappen: In Hamburg lesen vor allem auswärtige
Schriftsteller*innen…
taz: Und in Bremen geht‘s um Bücher, die eher eine regionale Ausstrahlung
haben?
Laloire: Auch, aber natürlich nicht nur! Unser Schwerpunkt ist ganz klar,
dass wir der Bremer Szene ein Podium bieten wollen. Die ursprüngliche Idee
war, die hiesigen Buchhandlungen mit den lokalen Autor*innen stärker
zusammenzubringen. Denn wir haben hier einige starke, auch in ihren
jeweiligen Quartieren sehr gut angebundene Buchläden – von denen viele aber
bis vor wenigen Jahren oft wenig mit den Bremer Autor*innen zu tun
hatten. Wir haben die in gewisser Weise im Rahmen von Bremen liest!
zusammengebracht. In den ersten Jahren über eine Ausschreibung, auf die
sich bis zu 90 Autor*innen beworben haben, aus denen die
Buchhändler*innen dann ausgewählt haben. Mittlerweile – Bremen liest!
findet ja bereits zum siebten Mal statt – sind so viele Kontakte
entstanden, dass die meisten Läden nun von sich aus mit den Autor*innen
Lesungen vereinbaren.
taz: Wie wird Bremen liest! denn kuratiert?
Laloire: Die Buchläden suchen sich aus, wer bei ihnen liest. Wir
koordinieren das zusammen mit dem Text- und Verlagskontor Wellenschlag und
verteilen Honorare aus Projektmitteln.
taz: Sie haben zugleich mit „Bremen liest Heidelberg“ eine Lesung
organisiert, die eine Ausnahme vom Konzept bedeutet. Wie kam‘s?
Laloire: Ja, da treten drei Heidelberger Autor*innen auf, und das geht
natürlich darauf zurück, dass Heidelberg, wie jetzt auch Bremen, eine
„Unesco City of Literature“ ist. Das ist ja ein Netzwerk und diesen
Gedanken wollen wir mit der Veranstaltung ausbauen. Eine Woche später
fahren dann drei Bremer*innen nach Heidelberg, um die Partnerschaft auch
in dieser Richtung voranzutreiben.
4 Sep 2024
## AUTOREN
(DIR) Benno Schirrmeister
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