# taz.de -- Juristischer Machtkampf in Pakistan: Immer neue Klagen gegen Imran Khan
       
       > Die Regierung in Pakistan leitet ein Hochverratsverfahren gegen den
       > beliebten Ex-Premier ein – und will jetzt auch noch seine Partei
       > verbieten.
       
 (IMG) Bild: Soll wegen Hochverrats angeklagt werden: Ex-Premier Imran Khan
       
       Mumbai taz | Das juristische Tauziehen um den pakistanischen
       Ex-Premierminister Imran Khan geht trotz einiger Erfolge für ihn weiter.
       Erst kürzlich hatte das Oberste Gericht seiner Partei PTI zusätzliche
       Parlamentssitze zugesprochen, womit die Regierungskoalition ihre
       [1][Zweidrittelmehrheit] verlor. Khan und seine Frau wurde zudem in einem
       Gerichtsverfahren freigesprochen. Demnach urteilte ein Gericht in
       Islamabad, dass Khans Ehe mit seiner dritten Frau Bushra Bibi legal sei,
       weil sie die Wartezeit nach einer vorherigen Scheidung eingehalten habe.
       
       Doch danach blieb der 71-Jährige wegen vieler weiterer Gerichtsfälle
       [2][inhaftiert]. Auch legte die Regierung von Khans Rivalen [3][Shehbaz
       Sharif] von der Muslim Liga (PML-N) nach. So verkündete am Montag
       Informationsminister [4][Atta Tarar auf der Plattform X], dass Khans
       Gerechtigkeitspartei (PTI) „aufgrund seiner antinationalen Aktivitäten zu
       verbieten“ sei, um Anarchie in Pakistan zu beenden.
       
       Zudem soll Khan jetzt wegen Hochverrats angeklagt werden. Wolle Pakistan
       sich vorwärts bewegen, könne dies nicht gleichzeitig mit der Existenz von
       Khans PTI geschehen, sagte Tarar. Es gäbe glaubwürdige Beweise für ein
       Verbot, das von der Verfassung gedeckt werde, erklärte der seit März
       amtierende Minister.
       
       Der Ex-Cricket-Star Khan war im April 2022 durch ein Misstrauensvotum vom
       Parlament abgesetzt worden. Seit August 2023 ist er inhaftiert, aber weiter
       sehr beliebt. Für seine Anhänger:innen sind die Klagen gegen den
       Populisten politisch motiviert und äußerst fadenscheinig. Der
       Verbotsversuch gegen die PTI diene allein dem Zweck zu verhindern, dass sie
       die größte Fraktion in der Nationalversammlung stelle.
       
       ## „Unabhängige“ Abgeordnete dürfen sich zur PTI bekennen
       
       Denn nach der Parlamentswahl im Februar dieses Jahres zeigte sich, dass die
       größte Gruppe gewählter Abgeordneter Unabhängige waren. Sie stehen der PTI
       sehr nahe, denn als PTI-Mitglieder durften sie nicht kandidieren. 92 der
       266 Abgeordneten waren demnach PTI-nahe „Unabhängige“.
       
       Nun zählte das Gericht sogar 114 Abgeordnete zum PTI-Lager. Das von der
       Regierung angestrebte PTI-Verbot solle Khans Partei einschüchtern, hieß es.
       „Dies ist ein unverhohlenes Zeichen von purer Panik“, erklärte
       [5][PTI-Sprecher Sayed Zulfikar Bukhari].
       
       Die Regierung kenne nur das Mittel der Unterdrückung, statt sich um die
       wirklichen Probleme des Landes zu kümmern wie steigende Inflation,
       wirtschaftlicher Kollaps und das Leid einfacher Menschen, so Bukhari.
       
       Die Entscheidung, die PTI zu verbieten, „ist verzweifelt und destruktiv“,
       kommentierte die Gastforscherin Madiha Afzal am US-Thinktank Brookings. Sie
       bezweifelte die Zulässigkeit einer Verbotsklage. Was von der Demokratie
       noch übrig geblieben sei, wollten die Verantwortlichen jetzt mit dem Hammer
       zerschlagen, sagte sie.
       
       Auch die lokale Nichtregierungsorganisation Human Rights Commission of
       Pakistan (HRCP) nannte ein PTI-Verbot verfassungswidrig.
       
       ## U-Haft für Khan wegen Unruhen 2023
       
       Für Khan beginnt bereits ein neuer Prozess: Ein Antiterrorgericht in
       Lahore ordnete seine Untersuchungshaft im Zusammenhang mit Unruhen vom 9.
       Mai 2023 an. Damals war Khan aufgrund von Korruptionsvorwürfen vor dem
       Obersten Gerichtshof in Islamabad von Paramilitärs verhaftet worden.
       
       Daraufhin brachen landesweite Proteste seiner Anhänger aus, für die er nun
       verantwortlich gemacht wird. An den Parlamentswahlen hatte er schon nicht
       teilnehmen dürfen. Nach der Wahl im Februar kam es erneut zu Protesten
       Tausender PTI-Anhänger gegen mutmaßliche Manipulationen bei der
       Stimmabgabe.
       
       Unterdessen erlebt Pakistan wieder vermehrt Angriffe
       islamistisch-militanter Gruppen. In der nordwestlichen Unruheprovinz Khyber
       Pakhtunkhwa gab es am Montag 18 Tote bei einem Terroranschlag auf einen
       Militärkomplex.
       
       16 Jul 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.dawn.com/news/1845532
 (DIR) [2] https://www.dawn.com/news/1845567
 (DIR) [3] /Regierungsbildung-in-Islamabad/!5989357
 (DIR) [4] https://x.com/TararAttaullah/status/1812885844761485457
 (DIR) [5] https://x.com/PTIOfficialCA/status/1813039349501731049
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
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