# taz.de -- Verkauf beschlagnahmter Movie2k-Bitcoins: Geht Sachsen an die Krypto-Börse?
       
       > Im Januar sicherte die Polizei Sachsen ein enormes Bitcoin-Vermögen, das
       > nun noch mehr wert ist. Offenbar haben Behörden mit dem Verkauf begonnen.
       
 (IMG) Bild: Viel wert: Fast 50.000 Bitcoins wurden bei Betreibern der ehemaligen illegalen Streaming-Plattform Movie2k beschlagnahmt
       
       BERLIN taz | Sachsen könnte bald zu einigem neuen Reichtum kommen: Die
       deutschen Behörden haben offenbar begonnen, die Bitcoins zu verkaufen, die
       im Januar in Zusammenhang mit der [1][illegalen Streaming-Plattform
       Movie2k] beschlagnahmt wurden. Das [2][teilt das
       On-Chain-Analyseunternehmen Arkham Intelligence mit].
       
       Es geht um enorme Summen. Knapp 50.000 Bitcoins hatte die Polizei Sachsen
       sichergestellt, die „umfangreichste Sicherung von Bitcoins durch
       Strafverfolgungsbehörden“. Das Krypto-Vermögen ist seither sogar noch
       deutlich im Wert gestiegen. Wurde ein Bitcoin am 15. Januar 2024 noch für
       39.075 Euro gehandelt, stieg der Bitcoin-Preis in den vergangenen Monaten
       und steht gerade bei über 57.000 Euro. Würde Sachsen alle Bitcoins auf
       einmal verkaufen, würden also auf einmal rund 2,9 Milliarden Euro in die
       Länderkasse fließen.
       
       Ob und wann die Veräußerung der Werte begonnen hat, ist gar nicht so
       einfach zu sagen – bestimmte Informationen über solche Krypto-Transaktionen
       sind aber öffentlich. Aus denen leitet Arkham Intelligence ab, dass der
       Verkauf der Movie2k-Bitcoins begonnen hat. Das Unternehmen verfolgt nach
       eigenen Angaben das Ziel, die sogenannte Blockchain zu deanonymisieren,
       Geldwäsche aufzudecken und die Krypto-Finanzströme von Institutionen
       öffentlich einsehbar zu machen.
       
       Eine Blockchain ist ein digitales und dezentrales Register, das
       Informationen über Krypto-Transaktionen wie mit Bitcoins speichert. Diese
       werden in solchen Blöcken gesammelt und auf der Blockchain gespeichert.
       Jeder Block enthält eine Liste von Transaktionen und weitere Informationen,
       wie den Betrag der verschickten Bitcoins, die Adresse der digitalen
       Geldbörse („Wallet“) des Empfängers, die Uhrzeit sowie Datum. All diese
       Daten sind öffentlich zugänglich – nicht aber die Identitäten hinter den
       Wallets.
       
       ## „Nie zuvor mussten Behörden einen so großen Betrag veräußern“
       
       Nachdem die Polizei Sachsen im Januar die Sicherung von fast 50.000
       Bitcoins mitteilte, durchsuchte Arkham Intelligence die Blockchain – und
       konnte so die Transaktionen der Betreiber der illegalen Streaming-Plattform
       movie2k an die Behörden nachvollziehen und visualisieren. Jetzt wiederum
       haben die deutschen Behörden laut den Analyst*innen mit dem Verkauf
       begonnen. Auf mindestens drei Kryptobörsen wurden in den letzten Tagen
       Bitcoins übertragen.
       
       Dass der Erlös Sachsen als Spielort der Beschlagnahmung zugutekäme,
       bestätigt das Bundeskriminalamt auf Anfrage: „Grundsätzlich ist für die
       sichergestellten Bitcoin und deren Verkauf bzw. Umwandlung in Euro die
       jeweilig zuständige Staatsanwaltschaft verantwortlich. Die Erlöse
       sichergestellter Werte fließen dem jeweiligen Länderfiskus zu.“ Die
       Generalstaatsanwaltschaft wollte keine Auskunft geben. Auf Rückfragen zu
       der Auswahl der Handelsbörsen, auf die die Bitcoins transferiert wurden,
       hielten sich die Dresdner Staatsanwält*innen ebenfalls bedeckt.
       
       „Natürlich wird die Generalstaatsanwaltschaft nicht den Gesamtbetrag auf
       eine Börse legen“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Jonas Gross, der zu
       digitalen Währungen promoviert hat. „Möglicherweise möchten sie
       feststellen, welche Börse sich für dieses Vorhaben am besten eignet. Nie
       zuvor mussten Behörden einen so großen Betrag veräußern.“ Nach dem
       [3][Skandal um die Kryptobörse FTX] im Jahr 2022 ist nachvollziehbar, dass
       eine Bundesbehörde nicht direkt einem Unternehmen in einem jungen
       Finanzsektor traut.
       
       In den vergangen Tagen hat die Generalstaatsanwaltschaft laut Arkham
       Intelligence hunderte Bitcoins an Kryptobörsen verschickt. Am
       Dienstagmittag waren demnach aber noch rund 47.000 im Besitz der
       sächsischen Justiz.
       
       26 Jun 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Streaming-Plattform-Movie2k/!5065959
 (DIR) [2] https://x.com/ArkhamIntel/status/1803808325391335619
 (DIR) [3] /Urteil-im-Fall-Bankman-Fried/!6001176
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaudia Lagozinski
       
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