# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn die S-Bahn-Türen einfach zugehen
       
       Ein typischer Morgen am S-Bahnhof der idyllischen Vorstadt Reinbek bei
       Hamburg. Schön ruhig. Bis Kinderstimmen hörbar werden, bevor die Kinder
       dazu zu sehen sind. Die wartenden Fahrgäste drehen sich schon um –
       wahrscheinlich hoffen sie darauf, nicht mit ihnen in einem Abteil zu landen
       – da kommt die Schar gerade erst die Treppe hinauf.
       
       Zusammen mit zwei Frauen um die fünfzig, eine mit knallrotem Lippenstift,
       warten sie kurz am zweiten Gleis in stadtauswärtiger Richtung. Ihre Bahn
       rauscht an und hält, es wird kurz wieder leiser auf dem Bahnsteig. Im
       nächsten Augenblick hört man eine der beiden Betreuerinnen: „Scheiße!“ Sie
       drückt mehrfach hektisch auf den Knopf zum Öffnen der Bahntür. Nichts tut
       sich. „Die Kinder sind da drinne!“ Die Bahn fährt los.
       
       Am Bahnsteig bleiben die Betreuerinnen mit nur noch einer Handvoll Kindern
       zurück, die meisten der Kleinen sind nun alleine mit der S-Bahn unterwegs.
       Die Frauen debattieren, was sie machen sollen. „Benutzen Sie die
       SOS-Säule“, kommt trocken als Tipp von einem Fahrgast. Aus der Säule meldet
       sich eine Stimme, die Betreuerin schildert die Situation. „Scheiße!“, ruft
       eines der Kinder dazwischen. Ausnahmsweise darf es das wohl mal. Lilli
       Uhrmacher
       
       25 May 2024
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilli Uhrmacher
       
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