# taz.de -- Argentiniens Gewerkschaften am 1. Mai: Vereint gegen den Libertären
       
       > Argentiniens zerstrittene Gewerkschaften demonstrieren am 1. Mai
       > Einigkeit, um Arbeitsrechte zu verteidigen. Zuvor konnten sie einen
       > Erfolg verbuchen.
       
 (IMG) Bild: Buenos Aires: In Argentinien verbuchen Gewerkschaften teilweise Erfolge im Arbeitskampf
       
       Buenos Aires taz | „Das Vaterland ist unverkäuflich. Heraus auf die
       Straßen, um das Leben zu verändern. – La Patria no se vende. En la calle
       para cambiar la vida.“ Unter diesen Losungen hatte der argentinische
       Gewerkschaftsdachverband CGT zur Kundgebung am 1. Mai aufgerufen. Doch
       statt einer massiven Mobilisierung fand [1][eine Kundgebung am Monument]
       ‚Canto al Trabajo‘ (Ode an die Arbeit), nicht weit vom Sitz der
       Gewerkschaftszentrale statt. Schließlich sollten die [2][Kräfte für den
       bevorstehenden Generalstreik] am 9. Mai aufgeteilt werden.
       
       Ob Zufall oder Absicht, die massige, historische Skulpturengruppe des
       Bildhauers Rogelio de Yrurtia verstrahlt dort eine äußerst aktuelle
       Symbolik: Vierzehn Bronzefiguren ziehen an einem Strang einen riesigen
       Stein. Denn, wenn der libertäre argentinische Präsident Javier Milei eines
       erreicht hat, dann, dass sich die teils heillos zerstrittenen
       Einzelgewerkschaften zusammengerauft und ihre dritte Losung für den 1. Mai
       umgesetzt haben: „(Arbeits-)Rechte werden verteidigt – Los derechos se
       defienden“.
       
       Am Vortag des 1. Mai wurde deutlich, dass die Verteidigung der
       Arbeitsrechte gegen die [3][libertäre und neoliberale Politik des
       Präsidenten] Früchte trägt. Zwar stimmte das Abgeordnetenhaus einem
       Mega-Gesetzespaket der Regierung zu, das in seiner ersten Fassung bei der
       ersten Abstimmung Anfang Februar noch durchgefallen war. Aber in dem jetzt
       angenommen Gesetzespaket sind die ursprünglich 60 Artikel, die eine
       weitreichende Arbeitsrechtsreform eingeleitet hätten, auf nur noch 16
       Artikel reduziert.
       
       ## Streik nach 45 Tage im Präsidentenamt
       
       Gestrichen sind die Einschränkung des Streikrechts sowie die
       Kriminalisierung von Versammlungen am Arbeitsplatz, heißt es von
       Gewerkschaftsseite. Erhalten bleibt der sogenannte Solidarbeitrag, den
       Nicht-Gewerkschaftsmitglieder an die Gewerkschaft zahlen müssen, und der in
       den jeweils ausgehandelten Tarifverträgen festgelegt wird. Deren Streichung
       hätte einen empfindlichen Schlag für die Gewerkschaftskassen bedeutet.
       Dagegen konnten die Gewerkschaften eine Verlängerung der Probezeit auf bis
       zu zwölf Monate bei Neueinstellungen nicht verhindern. Eine mögliche Folge:
       Festanstellungen könnten durch schnelleren Personalwechsel umgangen werden.
       Aber es ist möglich, dass dies im Senat rückgängig gemacht wird, ohne
       dessen noch ausstehende Zustimmung ohnehin nichts in Kraft treten wird.
       
       Schon zuvor konnte die CGT einen Erfolg verbuchen. Milei war gerade 45 Tage
       im Präsidentenamt, als die Gewerkschaften am 24. Januar [4][ihren ersten
       Generalstreik durchführten]. Der richtete sich gegen ein umfangreiches
       Dekret des Präsidenten, das unter anderen das Streikrecht und die
       Gewerkschaftsfreiheit einschränken sollte. Mittels einer einstweiligen
       Verfügung erreichten sie, dass dieser Teil des Dekrets außer Kraft gesetzt
       ist, bis der Oberste Gerichtshof deren Verfassungsmäßigkeit überprüft hat.
       Dennoch sind die Gewerkschaften in Hab-Acht-Stellung. Dass es sich bei
       alldem um einen Abwehrkampf mit einzelnen Erfolgen handelt, wissen auch
       sie.
       
       So konnten sie bisher der Entlassungswelle nichts entgegensetzen, die im
       öffentlichen Dienst bisher rund 15.000 Beschäftigte erfasste. Und sie
       konnten nichts gegen die sinkenden Reallöhne erreichen, da die Regierung
       Branchentarifverträge mit mehr als zwölf Prozent Lohnerhöhungen nicht
       akzeptiert. Deshalb haben die Gewerkschaften für den 9. Mai den zweiten
       Generalstreik angekündigt.
       
       1 May 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.argentina.gob.ar/pais/patrimonio/yrurtia
 (DIR) [2] /Aufruf-zum-Generalstreik-in-Argentinien/!6004183
 (DIR) [3] /Mileis-Reformpaket/!6008041
 (DIR) [4] /Proteststreik-in-Argentinien/!5988011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jürgen Vogt
       
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