# taz.de -- Fußballmeisterschaft für Bayern München: Am Tropf des Männerfußballs
       
       > Hinter einer erfolgreichen Frauen-Fußballmannschaft steht immer ein
       > starker Männer-Fußballverein. Auch bei Bayern München. Eigentlich schade.
       
 (IMG) Bild: Bayern Münchens Spielerinnen um Glódís Viggósdóttir (M) jubeln nach der Partie in Leverkusen
       
       Bayern München gewinnt in Leverkusen und wird Deutscher Fußballmeister.
       Irgendein Depp, den man Weltgeist oder vielleicht doch eher Vollidiot
       nennen sollte, hat uns Sportjournalisten diese rhetorische Figur auf den
       Elfmeterpunkt gelegt: eine Analogie des Erfolgs der Spielerinnen des FC
       Bayern München mit der Stolpersaison der Männer dieses Clubs. Doch dies
       bedeutet doch vor allem eins: Man nähme den Sport der Frauen nicht als
       eigenständiges Phänomen ernst.
       
       Seit zwölf Jahren hat kein anderer Club als der FC Bayern oder der VfL
       Wolfsburg die Meisterschaft gefeiert. Der letzte Verein war 2012
       [1][Turbine Potsdam], ein reiner Frauenclub, der letztes Jahr in die Zweite
       Liga abgestiegen ist. Bayern und der VfL sind die Kraftzentren der
       Bundesliga. Außer der SGS Essen sind nur noch Teams dabei, die unter dem
       Dach eines Männerprofiklubs kicken.
       
       Der aktuell Drittplatzierte fusionierte 2020 als 1. FFC Frankfurt mit dem
       lokal ansässigen Big Player und wurde Teil der Eintracht Frankfurt Fußball
       AG. Nur so lässt sich aktuell [2][Frauenprofifußball auf Topniveau]
       betreiben. Das gilt auch international: Der FC Chelsea, FC Barcelona,
       Olympique Lyon – alle sind an Männerfußballkonzerne angedockt; in England
       schreibt das die Premier League sogar vor.
       
       Das ist gut und schlecht zugleich. Gut, weil die Spielerinnen endlich mit
       professioneller Infrastruktur mit guten Rasenplätzen, Entmüdungsbecken oder
       Saunen trainieren. Schlecht aber ist es, weil in ökonomischen Krisenzeiten
       des Männerfußballs die Mittel für die Frauen schneller gekürzt oder
       gestrichen werden. Die jüngsten Zuschauerrekorde verdankten die
       Fußballerinnen dem gnädig gewährten Umstand, dass sie manchmal in den
       großen Stadien kickten, den heiligen Männerrasen betreten durften.
       
       [3][Gratulieren wir den Spielerinnen des FC Bayern] zum Meistertitel. Und
       pflegen wir zugleich die nicht allzu realistische Hoffnung, dass der
       Fußball der Frauen zu einer größeren Eigenständigkeit findet, die
       Aufmerksamkeit und Geld auch dann generiert, wenn mal keine doofe Analogie
       auf dem Elfmeterpunkt liegt.
       
       5 May 2024
       
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