# taz.de -- Racial Profiling bei Fußballspielen: Fans unter Generalverdacht
       
       > Kurdische Anhänger:innen des FC St. Pauli beklagen, dass sie
       > anlasslos von der Polizei kontrolliert werden. Die Fanhilfe vermutet
       > Racial Profiling.
       
 (IMG) Bild: Wen kontrolliert die Hamburger Polizei wie oft und warum? Beamte und Fans vor dem Volksparkstadion am 21. April 2023
       
       Hamburg taz | An einen Zufall wollen Azad und Abdulhalim* mittlerweile
       nicht mehr glauben. Zu häufig fühlten sie sich in den vergangenen zwei
       Jahren beim Besuch von Fußballspielen des FC St. Pauli [1][von der Polizei
       ohne triftigen Grund kontrolliert.] „Wir sind doch keine Gewalttäter“, sagt
       der 37-jährige Azad mit Blick auf sich und die anderen Mitglieder des
       Fanclubs „Azadi St. Pauli“, in dem vor allem kurdischstämmige
       Hamburger:innen ihren Club unterstützen.
       
       Woran liegt es also? „Äußerlich unterscheiden wir uns nun mal von der
       Mehrheit der Fans“, antwortet Azad. Die [2][„Braun-Weiße Hilfe“], das
       Rechtshilfeprojekt des Clubs, hält das Verhalten der Polizei entsprechend
       für Racial Profiling.
       
       Seit 2019 gibt es den Fanclub, seit zwei Jahren fahren die
       Anhänger:innen gemeinsam zu Auswärtsspielen. Seither häufen sich die
       Kontrollen, für die sie keinen legitimen Anlass sehen. Im Sommer 2022 ging
       es mit den Kontrollen los, am Treffpunkt der St.-Pauli-Fans am
       Hannoveraner Hauptbahnhof. „Wir waren gerade dort angekommen und schon
       wurde ich herausgezogen“, sagt Abdulhalim. Ein halbes Dutzend
       Polizist:innen habe ihn auf den Boden geworfen, dann zu einem Auto
       abgeführt.
       
       „Direkt an der Straße musste ich mich mit verbundenen Händen hinstellen und
       fotografieren lassen“, sagt Abdulhalim. „Das war mir peinlich.“ Er sei mit
       auf die Wache genommen worden, durfte nach einigen Stunden wieder gehen.
       Zunächst sei ihm keine Begründung für die Maßnahme genannt worden. Später
       sei ihm gesagt worden, man verdächtige ihn, einige Monate zuvor eine
       Körperverletzung begangen zu haben. Auf ihn passe die Personenbeschreibung.
       Adulhalim zeigt das Schreiben, das er einige Monate später dazu von der
       Polizei erhielt: Das Verfahren wurde eingestellt.
       
       ## „Kontrollen sorgen für Angst“
       
       [3][Racial Profiling] bezeichnet eine Praxis, bei der die Polizei Personen
       aufgrund von äußeren Merkmalen wie Hautfarbe oder vermuteter
       Religionszugehörigkeit einer bestimmten Personengruppe zuordnet und
       pauschal als verdächtig behandelt. Auch in Braunschweig und beim Hamburger
       SV waren es in den vergangenen Monaten einzig Azadi-St.-Pauli-Mitglieder,
       die am Stadion aus einer Vielzahl von St.-Pauli-Fans von der Polizei
       herausgezogen wurden, bestätigt die Braun-Weiße Hilfe.
       
       In beiden Fällen sei ihnen kein konkreter Anlass genannt worden, sagt Azad.
       Als sich in beiden Situationen sofort die Fanhilfe einschaltete und darauf
       hinwies, dass kein Anlass vorliege, habe die Polizei sie wieder ziehen
       lassen.
       
       „Diese ständigen Kontrollen sorgen mittlerweile für Angst“, sagt
       Abdulhalim, „aber wir wollen uns nicht einschüchtern lassen.“ Sie überlegen
       noch, [4][vor Gericht die Kontrollen als rechtswidrig feststellen zu
       lassen.] Allerdings sind die Chancen auf einen Erfolg gering, weil der
       Nachweis in der Regel kaum zu erbringen ist.
       
       *Namen geändert
       
       10 Apr 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Polizist-ueber-Hamburger-Drogen-Taskforce/!5948395
 (DIR) [2] https://www.braunweissehilfe.de/
 (DIR) [3] /Racial-Profiling/!t5009754
 (DIR) [4] /Racial-Profiling-in-Hamburg/!5971367
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) André Zuschlag
       
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