# taz.de -- Brand in Kopenhagener Börse: Wiedersehen mit der Turmspitze
       
       > Für viele Menschen in Dänemark war der Einsturz des Drachenturms ihr
       > eigener Notre-Dame-Moment. Doch es gibt auch Lichtblicke in der
       > Katastrophe.
       
 (IMG) Bild: Die ikonische Turmspitze der Alten Börse in Kopenhagen
       
       Am Tag danach hält Brian Mikkelsen sie in der Hand: die rußgeschwärzte
       Spitze des legendären Drachenturms. Ein Sicherheitsmann hatte sie in den
       Trümmern gefunden und war damit zu ihm gelaufen. „Ich habe ihm versprochen,
       dass sie wieder nach oben kommt“, erzählt Mikkelsen hörbar gerührt im
       dänischen Rundfunk DR. Der Direktor der Arbeitgeberorganisation Dansk
       Erhverv nutzt damit den Moment, um seine Aussage vom Vortag zu bekräftigen:
       [1][Die historische Börse von Kopenhagen], seit 2007 Sitz der Organisation,
       solle um jeden Preis wieder aufgebaut werden.
       
       Um 7.36 Uhr war am Dienstagmorgen die Feuerwehr alarmiert worden, nach vier
       Minuten war sie vor Ort. Sie konnten nicht verhindern, dass die Menschen in
       Dänemark den Einsturz des Drachenturms mitansehen mussten. „Unser eigener
       Notre-Dame-Moment“, schrieb Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund
       Poulsen auf X, er war nicht der Einzige mit diesem Vergleich. [2][Auf den
       Tag genau fünf Jahre zuvor war der Spitzturm der Kathedrale von Paris] bei
       einem Großbrand in sich zusammengefallen.
       
       Fast 400 Jahre gehörte der Drachenturm zu Kopenhagens Stadtbild, ragte also
       quasi Ewigkeiten über dem Gebäude der alten Börse auf. Vier verflochtene
       Drachenschwänze (!), am spitz zulaufenden Ende gekrönt von gleich drei
       Kronen, je eine für Dänemark, Norwegen und Schweden. Der Blick auf dieses
       eigenwillige Wahrzeichen, bewusst oder so nebenbei, ist eine
       Selbstverständlichkeit für die Menschen in der dänischen Hauptstadt, ein
       Teil der Gewissheit, zu Hause zu sein. Und eine Touristenattraktion, mit
       der die Stadt wirbt. Bis Dienstag war „Børsen“, fertiggestellt 1625, eines
       der ältesten erhaltenen Gebäude Kopenhagens. Seit zwei Jahren wurde es
       restauriert, um zum Jubiläum wie neu zu glänzen.
       
       Die [3][Internetseite zur Börse des Touristenbüros Visit Copenhagen]
       informiert nur knapp: „Diese Seite wird derzeit nicht aktualisiert. Sie
       wird erst verändert, wenn das ganze Ausmaß des Feuers bekannt ist.“
       Darunter herrscht glückliche Vergangenheit: Das Gebäude sei „ein zentraler
       Anblick der Skyline“. Man erfährt: König Christian IV. habe die wachsende
       Bedeutung von Handel und Gewerbe erkannt und dafür dieses „großartige
       Gebäude“ im Stil der Niederländischen Renaissance errichten lassen.
       
       ## Lichtblicke in der Katastrophe
       
       Und der Turm? Um ihn ranke sich eine besondere Legende: Er soll das Gebäude
       vor feindlichen Angriffen und Bränden beschützen. Und tatsächlich sei die
       alte Börse im Laufe der Jahrhunderte mehrfach auf „mysteriöse Weise“ von
       Feuern in der direkten Nachbarschaft verschont geblieben. Bis zum 16. April
       also. Es könne Monate dauern, bis die Ursache des Feuers geklärt sei, sagte
       am Mittwoch ein Polizeisprecher. Klar ist aber, dass die eine Hälfte der
       alten Börse vollkommen ausbrannte, darunter der historische Börsensaal.
       
       „Ein schrecklicher Anblick“, hatte Mikkelsen am Dienstag gesagt. Die
       Mischung aus alten Holzkonstruktionen und einem Kupferdach, unter dem sich
       die Wärme heftig staue, hatten das Löschen verkompliziert. „So ein Brand
       ist unser größter Albtraum“, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr, Frank
       Trier Mikkelsen, TV2 News.
       
       Drei Lichtblicke in der Katastrophe: 1. Es kamen keine Menschen zu Schaden.
       2. Hunderte bedeutende Kunstwerke wurden rechtzeitig herausgeholt – auch
       von Privatpersonen, die auf dem Weg zur Arbeit spontan in den Heldenmodus
       wechselten. 3. Die Turmspitzen-Spitze ist wieder da. Vernarbt, aber
       erkennbar. Den Menschen in Kopenhagen dürfte das am Tag nach dem großen
       Schrecken ein kleiner Trost sein.
       
       17 Apr 2024
       
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