# taz.de -- Verkehrspolitik in Hannover: Parken, parken über alles
       
       > Im Streit um die Parkplätze auf dem Köblinger Markt zeigt sich, wie weit
       > das Niveau der Debatte im Rat gesunken ist.
       
 (IMG) Bild: Der Oberbürgermeister (2. von links) und sein Staffelteam vor dem Hannover Marathon
       
       Man wundert sich ein bisschen, dass die SPD sich noch gar nicht zum
       Hannover-Marathon am vergangenen Wochenende geäußert hat. Haben die
       obersten Schutzpatrone der heiligen Parkplätze denn gar nicht mitbekommen,
       was da gelaufen ist?
       
       [1][296 abgeschleppte Fahrzeuge!] Haufenweise gesperrte Straßen und
       hinterrücks über Nacht aufgestellte Verbotsschilder – nur damit der grüne
       Oberbürgermeister und 25.000 andere Verrückte durch die Stadt traben
       können!
       
       Aber vermutlich waren die Sozis noch damit beschäftigt, beleidigt zu sein,
       weil der ADAC ihnen in den Rücken gefallen ist. Das war ja schon eine
       drollige Diskussion in den letzten zwei Wochen.
       
       Da dachte die inoffizielle Deutschland-Koalition aus SPD, CDU und FDP im
       Rathaus sie könnte dem Innenstadtkonzept des grünen Oberbürgermeisters noch
       einmal so einen richtig schönen Tritt verpassen.
       
       Es ging um [2][den Köblinger Markt.] Für nicht so Ortskundige: Das ist ein
       eigentlich ganz hübscher, großer Platz hinter der Markthalle, gut gelegen
       am Rande der Altstadt, beschattet von riesigen Platanen. Aktuell beschatten
       die allerdings vor allem rund 100 Parkplätze, was den Platz nun nicht
       gerade zu einem angenehmen Ort zum Verweilen macht.
       
       ## Eigene Ideen und Konzepte? Och nö.
       
       Theoretisch hätte hier längst etwas Neues entstehen sollen: Das hässliche
       alte Ordnungsamt sollte abgerissen werden, ein Wohnkomplex mit Geschäften
       und Gastronomie entstehen. Man könnte nun mit Fug und Recht kritisieren,
       dass es hier immer noch nicht voran geht – immerhin redet man da auch schon
       seit gut zehn Jahren drüber, der Bebauungsplan steht, passiert ist nichts.
       
       Dabei würde eine solche Nutzung den Charakter des Platzes ja an sich schon
       ändern. Vorausgesetzt, es gelingt einem an dieser Stelle ausnahmsweise,
       Wohnen und Außengastronomie in Einklang zu bringen – anderswo in der Stadt
       wird Letztere häufig weggeklagt, weil es offenbar viele Menschen gibt, die
       zwar mitten in der Stadt wohnen möchten, sich dann aber daran stören, dass
       die Geräusche macht.
       
       Darüber, wie man den Platz nutzt, müsste dann halt immer noch geredet
       werden. Es gibt bisher nur ein paar vage Entwürfe, vielleicht ein bisschen
       Funsport, ein Spielplatz, ein Wochenmarkt, ein Dies, ein Das.
       
       In der Markthalle findet man aber natürlich auch Händler, die routinemäßig
       schon einmal aufheulen, wenn dabei Parkplätze zur Disposition stehen. Die
       versucht die SPD im Verbund mit diesen anderen Parteien nun ins Feld zu
       führen.
       
       Also nicht etwa, indem man ein eigenes Konzept vorlegt oder Ideen
       entwickelt oder sonst so etwas Verrücktes, sondern indem man einen Antrag
       vorlegt und beschließt, dessen einzige konkrete Forderung lautet: Die
       Verwaltung soll einen Plan vorlegen wie „ein größerer Anteil der
       gegenwärtig vorhandenen Stellflächen für Pkw dauerhaft erhalten werden
       kann“.
       
       ## Nicht mal der ADAC zieht mit
       
       Blöd bloß, wenn [3][selbst der ADAC der H]annoverschen Allgemeinen sagt:
       Och, da wären schon Parkplätze verzichtbar, immerhin gibt es drei
       Parkhäuser in der Nähe, die nie ausgelastet sind, und vielleicht sollte man
       das ja auch eher aus städtebaulicher Perspektive betrachten und die Debatte
       mal sachlich führen.
       
       Bei der [4][Formulierung des Antrages] zuckt natürlich auch gleich der
       innere Deutschlehrer und fragt: Größer als was? So ein Komparativ benötigt
       doch irgendeine Bezugsgröße, aber es liegen ja gar keine konkreten Pläne
       vor.
       
       Größer als was also? Die Antwort müsste ehrlicherweise heißen: Uns doch
       egal, Hauptsache größer als das, was diese Grünen wollen. Die tun dem
       politischen Gegner natürlich auch noch den Gefallen sich ganz furchtbar
       aufzuregen.
       
       Und so bewegt sich das Niveau der politischen Debatte in Hannover auf dem
       Niveau von Loriots Sketch „Herren im Bad“, in dem Müller-Lüdenscheidt und
       Dr. Klöbner um eine Hotelbadewanne streiten. Noch zwei Jahre bis zur
       Kommunalwahl. Puh. Hoffentlich gewinnen da am Ende nicht die ganz
       Humorlosen.
       
       21 Apr 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.hannover.de/Service/Presse-Medien/Landeshauptstadt-Hannover/Aktuelle-Meldungen-und-Veranstaltungen/Hannover-Marathon-296-Fahrzeuge-abgeschleppt
 (DIR) [2] https://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Planen,-Bauen,-Wohnen/Stadtplanung-Stadtentwicklung/Konzepte-Projekte/Hannover-City-20202/Stand-der-Dinge/Bebauung-des-K%C3%B6belinger-Marktes
 (DIR) [3] https://www.haz.de/lokales/hannover/streit-um-koebelinger-markt-automobilclubs-unterstuetzen-onays-plaene-MSLAPAY6ZFENTHAB5FQBS5QYEI.html
 (DIR) [4] https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/DS/0492-2024
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nadine Conti
       
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