# taz.de -- Vor den Wahlen in Senegal: Oppositionskandidaten freigelassen
       
       > 10 Tage vor der Wahl in Senegal werden die beiden wichtigsten
       > Oppositionspolitiker aus der Haft entlassen. Jetzt wollen sie auch
       > gewinnen.
       
 (IMG) Bild: Unterstützer:innen von Oppositionspolitiker Ousmane Sonko feiern dessen Freilassung in Dakar in der Nacht zum 15. März
       
       Cotonou taz | Der Autokorso ist lang, das Hupkonzert laut, und aus mehreren
       Fahrzeugen wehen Flaggen. In der Nacht zu Freitag haben auf den Straßen von
       Senegals Hauptstadt Dakar Anhänger:innen von [1][Ousmane Sonko] und
       Bassirou Diomaye Faye deren Freilassung aus dem Gefängnis gefeiert. Die
       große Party wirkt so, als habe letzterer bereits die
       [2][Präsidentschaftswahl, die am 24. März stattfindet], gewonnen. Auf
       manchen Plakaten wird der 43-Jährige schon zum fünften Präsidenten der
       Republik erklärt.
       
       Beide Oppositionskandidaten sind Senegals bekannteste Inhaftierte gewesen.
       Sonko ist wegen „Verführung der Jugend“ vergangenes Jahr zu einer
       Gefängnisstrafe verurteilt worden und war [3][nicht als Kandidat
       zugelassen]. Der Prozess von Diomaye Faye stand jedoch noch aus, was seine
       Kandidatur wiederum möglich machte.
       
       Überraschend war, dass sich Sonko so deutlich hinter ihn stellte. In der
       Nacht zu Freitag haben sie erneut gezeigt, dass es ihnen durchaus gelingen
       kann, Menschen zu mobilisieren. Ob alle Anhänger:innen tatsächlich in
       gut einer Woche auch ihre Stimme abgeben, wird sich allerdings erst zeigen.
       
       Möglich gemacht hat die Freilassung das neue [4][Amnestiegesetz], das das
       Parlament vergangene Woche verabschiedet hat. Schon direkt danach hatte es
       Spekulationen gegeben, ob beide aus dem Gefängnis kommen. Offiziell heißt
       es, dass es der Versöhnung dienen soll.
       
       ## „Kandidat für den Systemwechsel“
       
       In Senegal ist es in der zweiten Amtszeit von [5][Macky Sall] – er hätte
       nur mithilfe einer Verfassungsänderung erneut kandidieren können – immer
       mehr zu Einschränkungen von Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit
       gekommen. Bei Protesten im Februar gegen die [6][Verschiebung der Wahl],
       die ursprünglich am 25. Februar hätte stattfinden sollen, starben vier
       Menschen. Das Land gilt als zunehmend tief gespalten.
       
       Es gibt allerdings auch Kritik: Möglicherweise verhindert das Gesetz die
       Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen, die ab 2021 bei politischen
       Protesten begangen wurden. Mehr als 40 Menschen kamen seitdem ums Leben.
       Vor allem bei Demonstrationen gegen den Sonko-Prozess wurden zahlreiche
       Personen verhaftet, ohne dass es anschließend zu Prozessen kam.
       
       Bassirou Diomaye Faye gilt als „Kandidat für den Systemwechsel“. Er gehörte
       der von Sonko gegründeten Partei Pastef an, die vergangenes Jahr verboten
       wurde. Das Lager hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gegen Salls
       Regierung positioniert und Kritik an einer einstigen Kolonialmacht
       Frankreich, aber auch an Wirtschaftsabkommen mit Europa geäußert.
       Stattdessen gibt es eine Rückbesinnung auf den Panafrikanismus.
       
       Die Freilassung wird in Senegal von einigen Beobachter:innen auch als
       ein Eingeständnis von Sall gewertet, dass die Regierungskoalition die Wahl
       nicht mehr gewinnen kann. Weder dem bisherigen Premierminister Amadou Ba,
       noch den übrigen 17 Kandidat:innen ist es in der vergangenen Woche
       gelungen, so viele Menschen zu mobilisieren. Erreicht im ersten Wahlgang
       niemand die absolute Mehrheit, gibt es eine Stichwahl.
       
       15 Mar 2024
       
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 (DIR) Katrin Gänsler
       
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