# taz.de -- Mit Mandarinen jonglieren: Erfolgreich wie die FDP
       
       > Man kann mit Christian Lindner auch mal Mitleid haben, findet unser
       > Autor. Schließlich macht er doch alles richtig in seinem Nebenjob.
       
 (IMG) Bild: Wenn man nicht alles selber macht. Christian Lindner sieht sich umgeben von Flaschen
       
       Als wir noch mit der Generation Z zusammenlebten, überlebten wir nur mit
       fiesen Tricks. Zum Beispiel: Wenn das Geschrei alles übertönt und nichts
       mehr geht, plötzlich mit Mandarinen zu jonglieren: paradoxe Intervention.
       
       Deshalb verstehe ich auch Christian Lindner so gut. Der FDP-Chef, im
       Nebenjob als Bundesfinanzminister tätig, beschwert sich, seine Partei
       „leidet im besonderen Maße darunter, dass wir einer sehr unbeliebten
       Koalition angehören.“ Da kann man schon mal Mitleid haben.
       
       Dabei macht die FDP doch alles richtig: Lindner legt einen Haushalt vor und
       spart bei rotgrünen Gaga-Themen wie [1][Kindergrundsicherung], Naturschutz,
       grüner Umbau. Er zieht die finanzielle [2][Schuldenbremse] fest und geht
       dafür ganz liberal bei den ökologischen Schulden ins Risiko. Er schützt den
       ehrlich ererbten Reichtum der „Leistungsträger“ vor der Habgier der
       „Transfer-Empfänger“.
       
       Und an seiner Seite sind Leuchttürme des Erfolgs: Der Justizminister bringt
       Flexibilität in die EU, indem er das verabredete [3][Lieferkettengesetz
       plötzlich wieder kassiert]. Die Bildungsministerin finanziert Visionen von
       Kernfusion, die uns bestimmt in 70 Jahren die Energierevolution bringen.
       
       Der Verkehrsminister kämpft heldenhaft gegen die sozialistische
       Gleichmacherei, wonach alle Ressorts zum Klimaschutz beitragen sollen. Er
       hat aus der langweiligen Deutschen Bahn einen Abenteuer-Erlebnispark
       geformt. Und als Digitalminister alle überzeugt, dass man für ein gutes
       Leben nicht überall Internet braucht.
       
       ## Rundherum nur Flaschen
       
       Um die Liberalen herum: Nur Flaschen. Sozis, die die Faulen mit Mindestlohn
       und Grundsicherung verwöhnen. Ein grüner Wirtschaftsminister, der es
       einfach nicht kann: Der Deutschland so schnell vom russischen Gas
       weggeführt hat, dass die Menschen in ihren Wohnungen erfrieren und die
       Wirtschaft zusammenbricht. Der überall Windräder und Solarparks bauen lässt
       und dabei nicht mal den Rotmilan ausrottet. Der die Industrie mit
       Milliarden in diesem komischen „grünen Umbau“ zu sauberem und sicheren
       Wohlstand lockt. Der ideologisch verblendet immer noch darauf beharrt,
       seine Politik zu erklären und Kompromisse zu suchen.
       
       Völlig verständlich, dass die Liberalen sich nostalgisch die Zeiten
       zurückwünschen, als sie mit der Union so erfolgreich die Regierung führten
       – und die Grundlagen ihrer selbst eingefädelten Herausforderungen legten:
       Deckelung der Erneuerbaren, kein Netzausbau für Strom oder Daten, Ruin der
       Bahn, wachsende soziale Ungerechtigkeit.
       
       Bestimmt hilft hier ebenfalls der bewährte Trick aus dem Kinderzimmer:
       Augen schließen, Ohren zuhalten und ganz laut schreien: „Ihr seid ja alle
       doof!“
       
       23 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kindergrundsicherung/!t5564697
 (DIR) [2] /Plaene-des-Finanzministers/!5980611
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Pötter
       
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