# taz.de -- Politischer Aschermittwoch der AfD: Saufen und pöbeln für Deutschland
       
       > Die AfD Bayern feierte am politischen Aschermittwoch einen rechtsextremen
       > Überbietungswettbewerb. Es gab viel mitzuschreiben für den
       > Verfassungsschutz.
       
 (IMG) Bild: Insignien des politischen Aschermittwochs bei der AfD: Bier, Propaganda, Scheitel nach rechts bei EU-Spitzenkandidat Maximilian Krah
       
       Berlin taz | 9:45 Uhr, es ist Mittwoch in Osterhofen, Niederbayern, aber
       die Bierkrüge sind schon halbleer im Festzelt der AfD beim politischen
       Aschermittwoch. Im Chat des Youtube-Livestreams steht die erste strafbare
       SA-Parole, für die gegen Björn Höcke mittlerweile Anklage erhoben ist:
       „Alles für Deutschland!“, schreibt ein User, während eine Kapelle im Stream
       sexistische Blasmusik spielt.
       
       Im Festzelt springt der Funke allem Anschein nach noch nicht richtig über,
       einer der Männer auf der Bühne ruft im breitesten Bairisch: „Klatschen tut
       nicht weh!“ und irgendjemand solle doch die Hände aus den Hosentaschen
       nehmen. Dann fordert er zum „Prosit der Gemütlichkeit“ auf – mit dem Bier
       steigt im Laufe der Veranstaltung auch die Stimmung. Saufen für
       Deutschland, politischer Aschermittwoch, gekommen sind überwiegend ältere,
       weiße Herren – eine tolle Tradition, ist sich auch der Youtube-Chat einig,
       den rund 2.000 Leute verfolgen.
       
       Moderator ist der bayerische Vize-Landesvorsitzende Martin Böhm,
       KFZ-Mechaniker und Versicherungswirt, der nicht nur wegen seiner Frisur wie
       die rechtsextreme Variante von Stromberg wirkt, sondern auch wegen
       schlechter Witze. Er ist nicht allein: Die Landesvorsitzende Brandenburg
       Birgit Bessin begrüßte zum „größten AfD-Geheimtreffen in Deutschland“ und
       grüßte alle „Spitzel im Stream“ – die V-Leute könnten das Spektakel ja
       bequem aus der Badewanne verfolgen.
       
       Der vielfach von Wissenschaft, Medien und auch vom Verfassungsschutz
       belegte Rechtsextremismus, die Recherchen von Correctiv zum Plan der
       millionenfachen Vertreibung deutscher Staatsbürger mit
       Migrationshintergrund, euphemistisch als „Remigration“ bezeichnet, ist hier
       ein Witz, wenn nicht gar eine Auszeichnung. Aber der danach entstandene
       Gegenwind scheint die AfD auch nervös zu machen – immer wieder beziehen
       sich deren Politiker – gekommen sind auch die Landeschefs aus Sachsen,
       sowie der Bundes-Vize Stephan Brandner aus Thüringen – auf die
       Correctiv-Recherche und die anhaltenden Demos gegen Rechts, die mehrere
       Millionen Menschen auf die Straßen brachten.
       
       ## Beleidigungen unter der Gürtellinie
       
       Deutlich wird auch: Der bayerische Landesverband ist fest in völkischer
       Hand. Der politische Aschermittwoch erinnerte mit verrohter Sprache,
       rassistischen und menschenfeindlichen Äußerungen vielfach an die Treffen
       des Höcke-Netzwerks am Kyffhäuser.
       
       Der Verfassungsschutz dürfte jedenfalls einiges für seine Materialsammlung
       notiert haben: Es gab ein völkisches und rassistisches Potpourri von
       zwanghafter Verwendung des N-Worts, bis hin zu vielfachen persönlichen
       Beleidigungen unter der Gürtellinie, die sich insbesondere gegen
       Grünen-Politikerinnen richteten, aber auch den bayerischen
       Ministerpräsidenten Söder nicht verschonten, den der bayerische
       Landesvorsitzende Stephan Protschka dumpf „Arschkriecher“ nannte. Ebenso
       fragte er, ob sie Manfred Weber aus dem EU-Parlament, Zitat, „ins Gehirn
       geschissen“ hätten. Ein Strafverfahren gegen Protschka vom letzten Jahr ist
       noch anhängig, [1][weil er hier Söder als „Södolf“ bezeichnet hatte].
       Politische Kultur rechts unten eben.
       
       Als Gastgeber Böhm verkündet, dass der zeitgleich geplante Aschermittwoch
       der [2][Grünen wegen Bauernblockaden abgesagt] werden musste, ruft er unter
       großem Jubel: „Die Polizei musste Pfefferspray gegen die Landwirte
       einsetzen – Respekt vor diesen Bauern! So klingt Politik von unten. Wir
       stehen hinter den Landwirten!“ Seine Ansage und die Meldung werden mit
       Johlen aufgenommen. In Biberach, wo die Grünen-Veranstaltung stattfinden
       sollte, wurde auch bei einem Fahrzeug offenbar eine Scheibe eingeworfen,
       als die Polizei versuchte, die Blockade zu räumen.
       
       ## Deutschtümelei und Antifeminismus
       
       Noch weniger witzig war danach der Auftritt des [3][EU-Spitzenkandidaten
       Maximilian Krah], der eine lupenrein völkische Rede hielt, in der auch
       NS-Verharmlosung, Transfeindlichkeit und Antifeminismus nicht fehlen
       durften. Er verunglimpfte transsexuelle Politiker*innen und betrieb
       Geschichtsrevisionismus. Man sei „ein Volk in einer Linie mit den
       Vorfahren“, sagte Krah – und zwischen den Zeilen konnte man auch sehr gut
       hören, wer nicht dazu gehören soll: „Wir haben das selbe Brauchtum, uns
       schmeckt das selbe Bier, wir sind sozialisiert über die selben Märchen und
       unsere Vorfahren haben gemeinsam gelitten, gekämpft und sind verführt
       worden“, sagte Krah – „sie stecken heute in uns und schauen auf uns und
       freuen sich, dass es heute weiter geht.“
       
       Natürlich wurde er auch nicht müde, seine bekanntesten Tiktok-Botschaften
       zu wiederholen: „Unsere Vorfahren waren keine Verbrecher“ und „echte Männer
       sind rechts“. Als solcher wollte er auch eine „echte Frau“, ergänzte er am
       Mittwoch. Für diejenigen, die im Saal nach dem vierten Bier immer noch
       nicht die sexistische Botschaft verstanden hatten, wurde Krah noch
       deutlicher: „Feministinnen sind grässlich und hässlich“, rief er und
       grinste. Danach wies er noch daraufhin, welche gesellschaftliche Funktion
       Frauen seiner Ansicht in erste Linie zu erfüllen hätten: „Liebe Frauen,
       bleibt Frauen – zur Weiblichkeit gehört auch Mutterschaft dazu.“
       
       Und während der thüringische Bundes-Vize Stephan Brandner allen ernstes
       „alle weißen Frauen“ ausdrücklich gegrüßt hatte, bezeichnete sich die
       bayerische Landesvorsitzende Katrin Ebner-Steiner nach viel unwürdigem
       rassistischem Gepolter auch noch als „Artenschützerin“: „Für den alten
       weißen Mann – ein Hoch auf unsrer Männer! Prost!“, rief sie im Dirndl.
       
       Am Ende – mittlerweile ist es bereits früher Nachmittag – singen die weißen
       Männer und Frauen im Festzelt auf ihrer nationalistisch-völkischen
       Wohfühloase zusammen bierselig das Bayernlied und die Nationalhymne. Einen
       angemessenen Ton traf in Osterhofen an diesem Mittwoch allerdings niemand.
       
       14 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.br.de/nachrichten/bayern/afd-chef-protschka-legt-einspruch-gegen-strafbefehl-ein,U1o27kF
 (DIR) [2] https://www.sueddeutsche.de/politik/biberach-proteste-gruene-aschermittwoch-absage-1.6359264
 (DIR) [3] /AfD-Parteitag-in-Magdeburg/!5946568
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
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