# taz.de -- Haftbedingungen für politische Gefangene Israels: Fatal für die friedliche Koexistenz
       
       > Der Bericht über die Zustände in israelischen Haftanstalten zeichnet ein
       > düsteres Bild. Das ist ein herber Rückschlag für die moderaten Stimmen.
       
 (IMG) Bild: Endlich frei. Nach dem Austausch mit israelischen Geiseln werden aus der Haft entlassene Palästinenser in Ramallah empfangen
       
       Inhaftierte frieren in den Zellen, weil man ihnen die Decken und
       Winterkleidung weggenommen hat, Stockschläge, Urinieren auf Häftlinge. Der
       Bericht, den [1][Physicians for Human Rights Israel] vorige Woche über die
       Haftbedingungen von Palästinenser*innen in israelischen Gefängnissen
       nach dem 7. Oktober veröffentlicht hat, liest sich schlicht grausig.
       
       Die dokumentierten Vorgänge und das Leid der Häftlinge sind ein Schlag in
       die Magengrube all jener, die die Hoffnung auf ein friedliches
       Zusammenleben im Nahen Osten noch nicht aufgegeben haben. Einmal mehr wird
       deutlich, wie die jetzige Regierung systematisch das Land ruiniert. Wie sie
       demokratische Grundregeln an den Palästinenser*innen – und nicht nur
       dort – zerschellen lässt.
       
       Die Verschärfung der Haftbedingungen für Palästinenser*innen ist
       eines der Steckenpferde des rechtsextremen und wegen Volksverhetzung
       mehrmals verurteilten Ministers für Nationale Sicherheit, [2][Itamar
       Ben-Gvir]. In Israel geht die Aufmerksamkeit für den Bericht gegen null. In
       der israelischen Gesellschaft ist unter den aktuellen Gegebenheiten kein
       Platz für das Leid der Palästinenser*innen. Viele Israelis fühlen sich – zu
       Recht – alleingelassen mit dem furchtbaren Massaker des 7. Oktobers, viele
       sind (re)traumatisiert.
       
       Empathie für die gegnerische Seite ist derzeit schwer zu finden. Gerade
       weil das so ist, gilt es nun, diejenigen Teile der israelischen
       Zivilbevölkerung zu unterstützen, die allen Widrigkeiten zum Trotz dafür
       kämpfen, dass vom Mittelmeer bis zum Jordan die Menschlichkeit aller gilt –
       die der Israelis wie die der Palästinenser*innen. Das Land ist schon von
       einem furchtbaren Abgrund gestürzt – verantwortlich dafür ist die
       [3][furchtbarste Regierung in der Geschichte Israels].
       
       Sie heizt nun antidemokratisches und genozidales Denken nur noch weiter an.
       Wer das Land davor bewahren will, dass es immer weiter ins Unheil sinkt,
       muss die egalitären Stimmen, die noch zu finden sind, mit aller Kraft
       stärken. Nur so kann das Land, das wir irgendwie mal gekannt haben,
       gerettet werden.
       
       26 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.phr.org.il/en/prisoners-violations-report-2024/?pr=10129
 (DIR) [2] /Anfuehrer-der-Liste-Religioeser-Zionismus/!5889003
 (DIR) [3] /Proteste-gegen-Netanjahu/!5968224
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Judith Poppe
       
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