# taz.de -- Pistorius in Bosnien und Herzegowina: Absage an Abspaltungsfantasien
       
       > Der Verteidigungsminister betont das Engagement Deutschlands. Zum
       > Präsidenten der serbischen Teilrepublik findet er deutliche Worte.
       
 (IMG) Bild: Verteidigungsminister Boris Pistorius setzt weiter auf Eufor-Truppen
       
       Sarajevo taz | Im Haus der Armee, dem Dom Armija in Sarajevo, war schon
       alles angerichtet, als der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius
       am Dienstag dort zu einem Treffen mit seinem Amtskollegen Zukan Helez
       erschien. Neben dem Tross der deutschen Presse waren auch die wichtigsten
       Medien aus Bosnien und Herzegowina erschienen. Mit Spannung erwartete man
       klärende Worte zur Position Deutschlands in der weltpolitischen Gemengelage
       auf dem Balkan.
       
       Die Hoffnungen auf Deutschland sind in der bosnisch-herzegowinischen
       Hauptstadt Sarajevo hoch – und wurden immerhin nicht völlig enttäuscht.
       Verteidigungsminister Pistorius betonte: Das Engagement Deutschlands in
       Bosnien und Herzegowina wolle er kontinuierlich fortsetzen. Man wolle
       verhindern, dass Russland „einen weiteren Krisenherd, einen weiteren
       möglicherweise zu destabilisierenden Raum missbrauche, um seinen Einfluss
       zu erweitern, in der Annahme oder in der Hoffnung“, den Westen so
       destabilisieren zu können, sagte Pistorius.
       
       Der SPD-Politiker erteilte der [1][Abspaltungsrhetorik] von Milorad Dodik,
       Präsident des serbischen Teilstaats (Republika Srpska) des Bundesstaats
       Bosnien-Herzegowina, eine deutliche Absage: Man könne nicht auf zwei
       Hochzeiten tanzen, sagte er. Damit spielte Pistorius auf die Drohungen des
       serbisch-bosnischen Dodik an, er werde die serbische Entität aus dem
       Gesamtstaat Bosnien und Herzegowina herauslösen.
       
       Dodik steht derweil seit Montag in Sarajevo vor Gericht, wegen seines
       Widerstands gegen den [2][Hohen Repräsentanten Christian Schmidt]. Das Amt
       des Hohen Repräsentanten mit seinen weitreichenden Befugnissen – unter
       anderem das Aufheben von Gesetzen und Entlassen gewählter Vertreter – gibt
       es seit dem Ende des Bosnien-Krieges im Jahr 1995. Dodik habe [3][seine
       Entscheidungen missachtet]. Ein „rein politischer Prozess“ sei das, so
       Dodik. Bis zu fünf Jahre Haft drohen dem 64-Jährigen, der als kremlnah
       gilt.
       
       ## Ist auf die Eufor unter ungarischem Kommando Verlass?
       
       Der gesamte westliche Balkan sei für die Sicherheit und die Stabilität in
       Europa von großer Bedeutung, sagte Pristorius. Sein Amtskollege Helez
       erklärte, Bosnien und Herzegowina werde eine Abspaltung – wie sie etwa
       Dodik gefallen würde – nie akzeptieren, warnte aber vor der weiteren
       Destabilisierung des Landes.
       
       Die bisherige Sicherheitskonstruktion – die Sicherheit des Landes in den
       Händen der Militärmission Eufor (European Union Force) zu legen – ist in
       Bosnien und anderen Ländern allerdings umstritten. Denn das Kommando der
       Eufor übernahm im Sommer Ungarn. Angesichts der prorussischen Haltung des
       ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán sei damit der Bock zum Gärtner
       gemacht, so die Kritik. Die ungarischen Truppen könnten – so
       [4][befürchten] bosnische Analytiker – in einem Konfliktfall die Seiten
       wechseln.
       
       Das wollen die Militärs beider Länder aber nicht glauben. Auf Nachfrage der
       taz wollten weder Helez noch Pristorius eine klare Stellungnahme zu der
       Forderung, Nato-Truppen in Bosnien zu stationieren, abgeben. Für Helez ist
       das zwar durchaus denkbar, doch Pistorius deutete an: Nur in letzter
       Konsequenz solle die Nato die Stabilität des Landes garantieren müssen.
       
       Mitarbeit: Lisa Schneider 
       
       Hinweis: Im Text stand, dass die Vereinten Nationen den Hohen
       Repräsentanten ernennen. Das ist nicht korrekt, er wird vom Peace
       Implementation Council ernannt. Wir haben die Passage entfernt.
       
       7 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] https://orf.at/stories/3332964/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Erich Rathfelder
       
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