# taz.de -- Befreiung von israelischen Geiseln: Freigekämpft nach 128 Tagen
       
       > Das israelische Militär befreit zwei Männer aus den Händen der Hamas.
       > Angehörige fordern weiter eine Verhandlungslösung.
       
 (IMG) Bild: Fernando Simon Marman, eine der zwei befreiten israelischen Geiseln, trifft mit seinen Angehörigen zusammen
       
       JERUSALEM taz | Fernando Marman und Louis Har wirken erschöpft und
       erleichtert, als sie nach 128 Tagen in Hamas-Geiselhaft ihre Familie in die
       Arme schließen. Die Bilder der bei einer Spezialoperation im südlichen
       Gazastreifen befreiten 60 und 70 Jahre alten Männer im Kreis ihrer
       Angehörigen laufen am Montag auf allen Fernsehkanälen. [1][Erstmals seit
       rund zweieinhalb Monaten] kehren Geiseln lebend aus der Gewalt der
       Terrorgruppe in Gaza zurück. Angehörige der Befreiten fordern trotz der
       erfolgreichen Aktion weiter eine Verhandlungslösung.
       
       Um 1.49 Uhr morgens drangen laut der israelischen Armee Kämpfer der
       Jamam-Eliteeinheit der Grenzpolizei in ein „ziviles Gebäude in einer
       zivilen Nachbarschaft“ in Rafah ein. Die Geiseln wurden „unter schweren
       Feuergefechten an mehreren Orten mit zahlreichen Terroristen“ befreit,
       sagte Armeesprecher Daniel Hagari. Der Einsatz fand demnach auf Grundlage
       von Geheimdienstinformationen und mit Unterstützung durch Luftangriffe
       statt. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei Dutzende Palästinenser
       getötet, darunter Frauen und Kinder. Ein Journalist der Nachrichtenagentur
       AP bestätigte das Eintreffen mehrerer Leichen im
       Abu-Jussef-al-Nadschar-Krankenhaus.
       
       [2][Verteidigungsminister Joaw Gallant lobte den Einsatz auf der
       Onlineplattform X] und sprach von „einer beeindruckenden Rettungsaktion“.
       Marman und Har wurden in das Scheba-Krankenhaus nahe Tel Aviv gebracht.
       Laut ersten Untersuchungen seien beide in „gutem und stabilem“ Zustand.
       
       Regierungschef Benjamin Netanjahu sieht sich durch den Einsatz in seiner
       kompromisslosen Fortsetzung des Krieges bestätigt. Am Morgen gratulierte er
       den Einsatzkräften und bekräftigte: „Nur die Aufrechterhaltung des
       militärischen Drucks bis zum vollständigen Sieg wird zur Freilassung aller
       unserer Geiseln führen.“
       
       ## Weiter Rufe nach Diplomatie
       
       Der frühere Leiter der Jamam-Einheit, Generalmajor der Reserve David Tsur,
       forderte trotz der erfolgreichen Befreiung, weiterhin auf eine
       diplomatische Lösung zu setzen. „Wenn wir eine militärische Möglichkeit
       sehen, müssen wir sie ergreifen, doch wir müssen auch jede Chance nutzen,
       die Verhandlungen voranzubringen“, sagte Tsur. „Es darf kein Entweder-oder
       geben.“ Jede militärische Aktion gefährde das Leben der Geiseln wie auch
       das der Einsatzkräfte.
       
       [3][Die Hamas hatte vergangene Woche mit weitreichenden Forderungen auf
       einen von den USA vermittelten Vorschlag reagiert]. Unter anderem will die
       Gruppe eine 135-tägige Feuerpause, an die sich ein dauerhafter
       Waffenstillstand und ein Abzug der israelischen Soldaten aus dem
       Gazastreifen anschließt. Israels Regierungschef hatte diesen Vorschlag
       abgelehnt. Tsur nennt die Forderungen „nicht nachvollziehbar“.
       
       Louis Hars Schwiegersohn, Idan Bejerano, bedankte sich am Morgen für die
       Rettung: „Aber die Arbeit ist noch nicht vorbei“, sagte er nahe dem
       Krankenhaus zu Journalisten. Israels Anführer müssten ein Abkommen
       erzielen. „Wir werden nicht aufhören, bis alle Geiseln frei sind“, sagte
       der 36-Jährige. In Gaza befinden sich noch immer etwa 130 Entführte,
       mindestens ein Fünftel von ihnen sind nach Angaben der Armee nicht mehr am
       Leben.
       
       Indes nimmt weiter die Sorge vor einer israelischen Offensive in Rafah zu,
       wo rund 1,5 Millionen Menschen unter katastrophalen Bedingungen ausharren.
       Trotz deutlicher Warnungen vieler Hilfsorgansationen und Verbündeter,
       darunter auch Deutschland und die USA, setzte die israelische Armee ihre
       Luftangriffe auf die Stadt Rafah nach eigenen Angaben am Montag fort.
       
       ## Telefonat Biden-Netanjahu
       
       Am Sonntagabend sprachen US-Präsident Joe Biden und Netanjahu erstmals seit
       mehr als drei Wochen am Telefon miteinander. Dabei tauschten sie sich laut
       einem hochrangigen US-Vertreter vor allem über die Möglichkeit eines
       Abkommens über die Freilassung der Geiseln und eine Feuerpause aus. Demnach
       gebe es einen Rahmen für ein Abkommen, bei zahlreichen Punkten herrsche
       jedoch weiter Uneinigkeit. Die Vereinigten Staaten drohen, eine Offensive
       nach Rafah nicht zu unterstützen, solange Israel keinen umsetzbaren Plan
       für den Schutz und die Versorgung der Zivilbevölkerung habe.
       
       Am Dienstag soll der Chef des US-Geheimdienstes CIA, William J. Burns, zu
       Verhandlungen mit ägyptischen und katarischen Vermittlern über eine
       Kampfpause und einen Gefangenenaustausch nach Kairo reisen. An den
       Gesprächen sollen auch israelische Vertreter teilnehmen.
       
       12 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Freigelassene-Hamas-Geiseln/!5970302
 (DIR) [2] https://twitter.com/yoavgallant/status/1756870739053941077
 (DIR) [3] /Konflikt-zwischen-Israel-und-Hamas/!5987612
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Wellisch
       
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