# taz.de -- Krieg in der DR Kongo: Eskalation am See
       
       > Eine neue Eingreiftruppe aus dem südlichen Afrika soll die von Ruanda
       > unterstützten M23-Rebellen bezwingen. Die gehen selbst in die Offensive.
       
 (IMG) Bild: Kampfentschlossen: M23-Rebellen auf einer Straße bei Kibumba nördlich von Goma, Dezember 2023
       
       Kampala taz | Mit einer Großoffensive einer neuen Eingreiftruppe aus dem
       südlichen Afrika geht der Krieg im Osten der Demokratischen Republik Kongo
       in eine neue Runde. Ende vergangener Woche sind rund 300 Soldaten aus
       Tansania in der ostkongolesischen Provinzhauptstadt Goma gelandet. Sie sind
       dort neben Truppen aus Südafrika und Malawi im Rahmen eines [1][Mandats der
       Regionalorganisation SADC (Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft)]
       stationiert und sollen der kongolesischen Armee aktiv unter die Arme
       greifen, gegen die Rebellen der [2][M23 (Bewegung des 23. März)]
       vorzugehen.
       
       Vom internationalen Flughafen in Goma brausten die tansanischen Truppen mit
       Lastwagen am Freitag direkt nach Westen an die Front: in die 24 Kilometer
       entfernte Kleinstadt Sake, wo die Masisi-Berge und damit das Kriegsgebiet
       beginnt. Eile war geboten. Gemeinsam mit kongolesischen Truppen,
       [3][Söldnern aus Osteuropa] und einer von der kongolesischen Regierung
       aufgestellten Koalition lokaler Milizen – [4][Wazalendo (Patrioten)]
       genannt – versuchten sie am Wochenende, Sake vor Angriffen der M23 zu
       verteidigen.
       
       Sake ist von strategischer Bedeutung. Aus der Kleinstadt führen mehrere
       Straßen hinauf in die Masisi-Berge, wo die M23-Rebellen stehen, sowie am
       Westufer des Kivu-Sees entlang gen Süden in die benachbarte Provinz
       Süd-Kivu – für Warenlieferungen und militärischen Nachschub, den die
       kongolesische Regierung über den Flughafen Kavumu von Süd-Kivus
       Provinzhauptstadt Bukavu einfliegt, von großer Bedeutung.
       
       Die Tutsi-Rebellen der M23 unter ihrem Anführer Sultani Makenga versuchen
       diese Straße einzunehmen, um der kongolesischen Armee die Nachschubwege
       abzuschneiden, so bestätigen es M23-Quellen der taz. Ziel sei es, die
       Millionenstadt Goma und das Umland bis nach Sake vollständig einzukesseln,
       sodass Goma nur noch aus der Luft oder über den See erreichbar ist und die
       SADC-Truppen von dort nicht in die Masisi-Berge vordringen können.
       
       Offenbar mit Erfolg: Laut M23-Angaben geriet am Sonntag auf der Straße von
       Süd-Kivu aus kommend ein Konvoi mit Soldaten aus Burundi in einen
       Hinterhalt. „Es ist traurig, dass niemand überlebt hat!“, so
       [5][M23-Militärsprecher Willy Manzi auf X]. Auch burundische Truppen sind
       von der kongolesischen Regierung angeheuert worden, um die Armee gegen die
       M23 zu unterstützen.
       
       ## Ruanda verstärkt Unterstützung der Rebellen
       
       Die M23-Rebellen hatten zuvor selbst harte Schläge einstecken müssen. Eine
       Kampfdrohne der kongolesischen Armee hatte in den Masisi-Bergen ein
       Fahrzeug getroffen, in welchem der M23-Geheimdienstchef, bekannt unter
       seinem Kriegsnamen Castro, sowie der für Militäroperationen verantwortliche
       M23-Offizier Erasto Bahati saßen. Beide wurden getötet – ein schwerer
       Schlag für die Rebellen.
       
       „Wir haben die Botschaft verstanden und werden entsprechend antworten“,
       hatte die M23-Führung daraufhin verkündet und startete ihre neue Offensive.
       Laut UN-Ermittlern hat auch Ruanda erneut Truppen in den Kongo entsandt, um
       der M23 dabei zu helfen. So stehen sich nun Ruanda und Burundi indirekt auf
       kongolesischem Gebiet gegenüber.
       
       In Goma brach am Freitag, als die Gerüchte vom erneuten Einmarsch weiterer
       ruandischer Truppen die Runde machten, Panik aus. Die Menschen in Goma
       erinnern sich daran, wie die M23 im Jahr 2012 die Stadt erst umzingelt und
       dann [6][im Handstreich eingenommen] hatten.
       
       ## Proteste und Friedensaufrufe
       
       Ab 17 Uhr abends dürfen nun in Goma keine Motorrad-Taxis und Kleinbusse
       mehr fahren, hat die Militärregierung von Nord-Kivu angeordnet. Das kommt
       in der weitläufigen Millionenstadt fast einer Ausgangssperre gleich.
       Dagegen protestierten am Montagmorgen die Motorrad- und Taxifahrer in Goma.
       
       Während der Krieg jetzt in eine gewaltsame neue Runde geht, bemüht sich die
       katholische Kirche um Vermittlungen in der Region. Der kongolesische
       Erzbischof von Kinshasa, Fridolin Ambongo, kam am Wochenende aus Kinshasa
       angereist und hielt am Sonntag in Goma eine Friedensmesse ab. Auch
       Kirchenvertreter aus Ruanda und Burundi waren angereist.
       
       [7][In seiner Predigt] forderte Erzbischof Ambongo alle Akteure auf allen
       Ebenen auf, „mehr Menschlichkeit zu zeigen“, um dem Krieg ein Ende zu
       setzen. „Auch wenn Ihnen die Forderungen der anderen Seite nicht gefallen,
       achten Sie darauf, ihnen zuzuhören“, sagte er.
       
       29 Jan 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.sadc.int/latest-news/deployment-sadc-mission-democratic-republic-congo
 (DIR) [2] /M23-Rebellenchef-ueber-Kongo/!5893776
 (DIR) [3] /Europaeische-Soeldner-im-Kongo/!5904737
 (DIR) [4] /Milizen-in-der-DR-Kongo/!5977887
 (DIR) [5] https://twitter.com/RealManziWilly/status/1751669982390374499
 (DIR) [6] /Rebellen-erobern-Goma/!5079020
 (DIR) [7] https://twitter.com/radiookapi/status/1751639609614688356
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Ostkongo
 (DIR) Goma
 (DIR) M23-Rebellen
 (DIR) Ruanda
 (DIR) Burundi
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Burundi
 (DIR) Fußball
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Afrobeat
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Belagerte Stadt Goma in Kongo: Eingekesselt und genervt
       
       Seit Monaten ist die Provinzhauptstadt Goma durch den Krieg mit den
       M23-Rebellen vom Rest des Landes abgeschnitten. Spannungen und Elend nehmen
       zu.
       
 (DIR) Kämpfe in der DR Kongo: Auch Flughafen unter Beschuss
       
       Der Krieg im Osten Kongos eskaliert, der Flughafen der Millionenstadt Goma
       wird von Drohnen getroffen. Kongo und Ruanda besprechen Deeskalation.
       
 (DIR) Kämpfe in der DR Kongo: Kollateralschaden Burundi
       
       Im Osten der DR Kongo kämpfen burundische Soldaten gegen die von Ruanda
       unterstützten M23-Rebellen. In Burundi wächst Frust.
       
 (DIR) Halbfinale im Afrika-Cup: Gesten gegen die Gewalt im Land
       
       Die Fußballer der DR Kongo verpassen das Finale beim Afrika-Cup. Ihre
       Botschaft soll noch lange nachhallen.
       
 (DIR) Nach den Wahlen in der DR Kongo: Tshisekedi verspricht „Fortschritt“
       
       Kongos wiedergewählter Präsident wird in Kinshasa feierlich auf seine
       zweite Amtszeit eingeschworen. Er will nun mehr für die Bevölkerung tun.
       
 (DIR) Nach den Wahlen in der DR Kongo: Ein Marsch in den nächsten Krieg
       
       Kongos Regierung rüstet im Osten des Landes massiv auf. Dort sammeln
       zugleich die M23-Rebellen neue Verbündete und rufen zum Sturz der
       Regierung.
       
 (DIR) Wiederwahl von Félix Tshisekedi: Kongo am Scheideweg
       
       Präsident Tshisekedi ist triumphal wiedergewählt, nun will er die DR Kongo
       endlich gut regieren. Aber er steuert sein Land eher Richtung Abgrund.