# taz.de -- Prämenstruelle Wut und Eskalation: Absage an die Scham
       
       > Nachdem unsere Autorin wegen eines abgesagten Wellnessurlaubs aus der
       > Fassung geriet, schämte sie sich für ihr Handeln. Heute macht sie reinen
       > Tisch.
       
 (IMG) Bild: Die Wogen haben sich geglättet – die Scham bleibt
       
       Jahresende. Ein guter Zeitpunkt, die schlimmsten prämenstruellen
       Zusammenbrüche des Jahres Revue passieren zu lassen. Mein Tiefpunkt 2023
       war definitiv die Fast-Anzeige eines Wellness-Hotels. Davon zu schreiben,
       kostet mich Überwindung. Ich schäme mich nämlich.
       
       Meist verstecke ich diese [1][Scham] gekonnt hinter Humor, den ich wie ein
       Schutzschild vor mir hertrage. Scham ist eigentlich Angst. Angst davor
       abgewertet zu oder gar verstoßen zu werden, weil „die Wahrheit“ ans Licht
       kommt. Es gibt nicht vieles im Leben, für das ich mich schäme. Für meine
       riesigen Emotionen allerdings – denen PM(D)S als Brennglas dient -, für die
       schäme ich mich häufig.
       
       Das gesamte Ausmaß meiner [2][Wut] zum Beispiel, ist derart schambehaftet,
       dass eine Offenlegung einem Liebesgeständnis gleichzusetzen ist. Sicher
       fühle ich mich bei den Menschen, die sagen „wir nehmen sie, wir behalten
       sie, wir lieben sie auch mit dieser Wut“. Nun soll die PMS-Ultras Kolumne
       aber auch der Entlastung dienen und deshalb habe ich all meinen Mut
       zusammengenommen und der Scham kurzzeitig eine Absage erteilt.
       
       ## Scham ist Angst
       
       Meine Freundin U. und ich hatten uns seit Monaten auf ein
       Wellness-Wochenende an der Nordsee gefreut. Pool, Sauna, maritim gestaltete
       Zimmer. Ich wollte gerade aufstehen, um mich reisefertig zu machen, als auf
       meinem Handy eine WhatsApp mit [3][„Scheiße ich hab Corona“] aufploppte.
       Fuck. Musste ich wohl alleine fahren. Erstmal weinen.
       
       Der ideale Nährboden für einen Nervenzusammenbruch findet sich an einem
       Freitagnachmittag im Regionalexpress HH-Altona – Sylt. Wird sich dann noch
       einen Tag später die Gebärmutterschleimhaut ablösen, ist alles verloren.
       
       Kurz nach dem Einstieg forderte der Zugführer die Fahrgäste auf wieder
       auszusteigen. Irgendwas mit Rangierunfall in Itzehoe. Wann und ob ein Zug
       gen Nordsee fahren würde? Ungewiss. Erstmal weinen.
       
       ## Völlige Eskalation
       
       Mein Unterleib krampfte, es war kalt, es regnete, ich war allein, das
       Gepäck war schwer, die Vorfreude dahin. Ich entschied mich zurück nach
       Hause zu gehen, um das Wochenende selbstmitleidig im eigenen Bett zu
       verbringen. Auf Kulanz hoffend kontaktierte ich noch auf dem Heimweg das
       Hotel.
       
       Schlechte Nachrichten: sollten unsere Zimmer nicht anderweitig vermietet
       werden können, so müssten wir uns – bei allem Verständnis für unsere Lage –
       den normalen Stornobedingungen beugen. Diese Information brachte das Fass
       zum Überlaufen und binnen Minuten eskalierte ich vollkommen.
       
       Ich verlinkte das Hotel in meiner [4][Instagram]-Story. Natürlich als
       Druckmittel. Dafür schäme ich mich am allermeisten. Als das nicht half,
       schrieb ich dem Hotel mehrere Nachrichten mit dem Hinweis, gute Werbung sei
       das ja nun nicht gerade. Das Hotel antwortete mir, meine Nachrichten, die
       sie als Erpressung verstünden (leider verständlich), nun ihrem Anwalt
       vorzulegen.
       
       ## Anzeige statt Wellness
       
       Statt eines Wellness-Wochenendes eine Anzeige? Erstmal weinen. Verzweifelt
       schluchzend rief ich im Hotel an und flehte mich nicht anzuzeigen. Anzeigen
       wolle mich niemand, die Weiterleitung an den Anwalt diene lediglich der
       eigenen Absicherung. Auf diese Erleichterung folgte die große Scham.
       
       Ich löschte die Stories, schrieb dem Hotel mehrere
       Entschuldigungsnachrichten und schwor mir nie wieder über diesen Ausfall zu
       sprechen. Bis heute.
       
       Am Mittag des nächsten Tages kam meine Periode.
       
       27 Dec 2023
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sarah Lorenz
       
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