# taz.de -- Präsidentenwahlen in Ägypten: Al-Sisi steht vor dritter Amtszeit
       
       > In Ägypten hat am Sonntag die dreitägige Präsidentschaftswahl begonnen.
       > Die Gegenkandidaten vom Staatschef al-Sisi werden kaum Chancen
       > eingeräumt.
       
 (IMG) Bild: Plakate des ägyptischen Präsidenten und Präsidentschaftsḱandidaten al-Sisi in Nordsinai
       
       Kairo AFP | In Ägypten hat am Sonntag die dreitägige Wahl eines neuen
       Präsidenten begonnen. Die Bestätigung von Staatschef Abdel Fattah al-Sisi
       für eine dritte Amtszeit gilt als sicher. Seinen drei Gegenkandidaten
       werden kaum Chancen eingeräumt. Der ehemalige Armeechef, der 2013 den
       demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mursi von den islamistischen
       Muslimbrüdern abgesetzt hatte, wurde [1][bei Wahlen 2014] und [2][2018] mit
       jeweils 96 Prozent im Amt bestätigt.
       
       Die Wahl findet bis Dienstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt.
       Insgesamt sind rund 67 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme
       abzugeben. Das Wahlergebnis wird am 18. Dezember bekanntgegeben.
       
       Bereits vor Öffnung der Wahllokale am Sonntagmorgen standen dutzende Wähler
       vor einem Wahllokal in einer Schule im Zentrum von Kairo an, viele von
       ihnen Frauen. Vor dem Wahllokal hingen Plakate mit der Aufforderung „Geht
       raus und macht mit“. Eine 50-jährige Wählerin, die ihren Namen nicht nennen
       wollte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei „wichtig, sich zu
       beteiligen“. „Aber man muss realistisch sein: Man weiß, dass Sisi gewinnen
       wird, weil die Leute die anderen Kandidaten nicht kennen.“
       
       ## Drei Gegenkandidaten für al-Sisi
       
       Al-Sisis Herausforderer sind der Chef der linksgerichteten
       Sozialdemokratischen Partei, Farid Sahran, der Kandidat der
       national-liberalen Wafd-Partei, Abdel-Sanad Jamama, und Hasem Omar von der
       Republikanischen Volkspartei.
       
       Zu den bestimmenden Themen während des Wahlkampfs sowohl in den Medien als
       auch in der Öffentlichkeit gehörte die humanitäre Lage im benachbarten
       Gazastreifen. Die Folgen des [3][Krieges zwischen Israel und der
       radikalislamischen Hamas] sind aus Sicht der Wählerin noch wichtiger als
       „die hohen Lebenshaltungskosten“. „Wir brauchen jemanden, der in der Lage
       ist, mit dem umzugehen, was an der Grenze zu Gaza passiert“, sagte die
       50-Jährige.
       
       Ägypten grenzt an Irsael und den Gazastreifen an und spielt seit
       Jahrzehnten eine wichtige Vermittlerrolle im Nahostkonflikt. Zusammen mit
       Katar und den USA ist Ägypten nun auch ein wichtiger Vermittler im
       Gaza-Krieg, der durch den brutalen Angriff der Hamas auf Israel ausgelöst
       wurde. Über den Grenzübergang Rafah an der Grenze zu Ägypten gelangen zudem
       humanitäre Hilfsgüter für die notleidenden Zivilisten in den Gazastreifen.
       
       ## Harte Repression gegen die Opposition im Land
       
       Seit dem Amtsantritt von al-Sisi geht die ägyptische Führung mit aller
       Härte gegen die Opposition vor, darunter auch gegen zwei prominente
       Oppositionspolitiker, die versucht hatten zu kandidieren. Einer von beiden
       sitzt im Gefängnis, der andere wartet auf seinen Prozess. Unter dem Vorwand
       der Terrorismusbekämpfung wurden tausende Islamisten, Aktivisten und
       Blogger inhaftiert.
       
       Al-Sisi hat aber auch viele Anhänger, die ihm zutrauen, die Stabilität im
       Land wiederherzustellen, auch in der Wirtschaft. Ägypten mit seinen fast
       106 Millionen Einwohnern ächzt unter [4][einer schweren Wirtschaftskrise
       und hoher Inflation].
       
       Der Journalist und Aktivist Chaled Dawud kritisierte eine „erstickende
       Atmosphäre“ in Ägypten. „Wir machen uns nichts vor, die Wahl wird… weder
       glaubwürdig noch fair sein“, schrieb er auf Facebook. Er selbst wolle „eine
       klare Botschaft an das Regime senden“, dass „wir einen Wandel wollen“ und
       daher für den Sozialdemokraten Sahran stimmen.
       
       10 Dec 2023
       
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