# taz.de -- Russische Fußballer im Test gegen Kuba: Stummer Trainer
       
       > Nach dem 8:0 des russischen Fußballnationalteams gegen Kuba gibt es nur
       > wenig zu erzählen. Dafür entspinnt sich doch glatt eine Hymnendiskussion.
       
 (IMG) Bild: Schon wieder drin: die russischen Nationalspieler bejubeln eines ihrer acht Tore gegen Kuba
       
       Es muss ein schrecklicher Tag gewesen sein in Wolgograd. Der Reporter der
       Fachpostille Sowetski Sport schildert den Montag in der südrussischen
       Millionenstadt in den finstersten Farben. Der Nebel sei so dicht gewesen,
       dass es ein Rätsel sei, wie sich die Autofahrer in den noch dazu schlecht
       beleuchteten Straßen zurechtgefunden hätten.
       
       Die Menschen in der Stadt, in der im Winter der Frost besonders brutal und
       im Sommer die Hitze unerträglich sei, hätten es eh nicht leicht,
       [1][schreibt Andrej Tupikow]. Das mache sie hart. Auch von den riesigen
       Pfützen, die sich nach tagelangen Regenfällen gebildet hatten, haben sich
       die Menschen nicht abschrecken lassen und sind trotz alledem zu Tausenden
       ins WM-Stadion von 2018 gepilgert, um sich das Spiel der russischen
       Fußballnationalmannschaft gegen Kuba anzuschauen.
       
       In der Karibik war der russische Fußballverband, der von den
       Qualifikationsspielen zur EM im kommenden Jahr wegen des russischen
       Angriffskriegs gegen die Ukraine ausgeschlossen ist, [2][bei der Suche nach
       einem Gegner] für die im internationalen Fußballkalender festgeschriebene
       Länderspielfenster also fündig geworden. Wer den kubanischen Verband im
       Ranking der Fifa finden möchte, sollte die Auflistung von hinten her
       durchschauen. Auf Platz 169 steht Kuba da. Das 8:0 der Russen am
       Montagabend darf demnach getrost als standesgemäß bezeichnet werden. Über
       das einseitige Spiel gibt es nicht viel zu erzählen.
       
       Und so ist es kein Wunder, dass die Erinnerung an das 8:0 der UdSSR gegen
       Kuba beim olympischen Fußballturnier 1980 in der Rückschau in etlichen
       Medien fast ebenso viel Raum einnimmt wie die sportliche Nachbetrachtung
       des Spiels. „Tradition ist wichtig“ [3][witzelte der Sport-Express auf
       seinem Telegram-Kanal] zu einem Bild, das die beiden 8:0-Erfolge
       miteinander in Verbindung brachte.
       
       ## Hostessen in Weltkriegsuniform
       
       Bezüge zur Sowjetzeit werden in Wolgograd traditionell gerne gezogen. So
       begrüßte die Stadt, die im Zweiten Weltkrieg unter dem Namen Stalingrad
       globalen Ruhm erlangt hat, das kubanische Team, indem es Hostessen in
       Weltkriegsuniformen der Roten Armee steckte, in denen diese dann den Gästen
       zur Begrüßung Kuchen reichten.
       
       Und weil es über das Spiel nicht viel zu sagen gab, außer dass es der
       zweithöchste Sieg einer russischen Auswahl nach einem 9:0 im Jahre 2019
       gegen San Marino war, entspann sich eine ganz andere Debatte.
       Nationaltrainer Waleri Karpin hatte wieder mal die Hymne nicht mitgesungen.
       Warum er nicht mitsingen würde, wurde er auf der Pressekonferenz nach dem
       Spiel gefragt. „Keine Ahnung“, meinte Karpin darauf. Ob er denn den Text
       kenne. „Klar, jeder kennt den Text. Der eine singt mit, der andere nicht.“
       Aber die Hymne sei doch ein nationales Symbol und er ein Vorbild. Wenn es
       über den Fußball nicht viel zu sagen gibt, dann entspinnt sich wenigstens
       eine Hymnendiskussion. In Deutschland kennt man das ja auch.
       
       Natürlich hat sich schnell auch ein Politiker gefunden, der zum
       Sängerstreit seinen Senf hinzugegeben hat. Der Duma-Abgeordnete Dmitri
       Switschtschew verteidigte Karpin gegen den Vorwurf, ein vaterlandsloser
       Geselle zu sein. „Er ist ein verantwortungsvoller Mensch und das Spiel war
       schwer. Wir haben alle gesehen, dass es nicht einfach war.“ Wie
       Swischtschew zu dieser Einschätzung kommt, bleibt wohl ein Rätsel.
       Vielleicht liegt es daran, dass der Präsident des russischen
       Curling-Verbands von Fußball einfach keine Ahnung hat.
       
       Aber selbst dann hätte er schon wissen können, welche Amateure da aus Kuba
       angereist waren. Die jedenfalls gingen nach ihrer Ankunft erst einmal in
       ein Einkaufszentrum, um sich Fußballschuhe mit Stollen zu kaufen. Solche
       waren in Kuba nicht aufzutreiben. Und in Wolgograd nach den ergiebigen
       Regengüssen der vergangenen Tage mit Noppenschuhen zu spielen, wäre gewiss
       keine gute Idee gewesen. Das Wetter. Siehe oben.
       
       22 Nov 2023
       
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