# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Putin wird jetzt noch öfter putin
       
       > Eine Kommission hat entschieden, dass Begriffe wie „Russland“ und „Putin“
       > mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben werden können.
       
 (IMG) Bild: Klein gemacht: Russlands Machthaber Putin
       
       Luzk taz | Ab jetzt dürfen in der Ukraine Bezeichnungen wie „Russland“ mit
       einem kleinen Anfangsbuchstaben geschrieben werden. So lautet eine
       Entscheidung der Nationalen Kommission der Ukraine für [1][die Standards
       der Amtssprache]. Normalerweise kümmert sich die Kommission um die
       Durchführung von Sprachprüfungen für Beamte sowie für diejenigen, die die
       ukrainische Staatsbürgerschaft erwerben möchten.
       
       Diesmal ging es um etwas anderes. Beamte des Bildungsministeriums hatten
       sich an die Kommission mit der Frage gewandt, ob der Name eines Staates,
       der grundlos die Ukraine angegriffen hat, mit einem kleinen oder großen
       Anfangsbuchstaben geschrieben werden sollte. Seit dem Beginn des russischen
       Angriffskrieges verwendet ein großer Teil ukrainischer Politiker sowie
       staatlicher Behörden und Medien kleine Anfangsbuchstaben, wenn sie
       „Russland“ oder Namen russischer Politiker schreiben – eine Form der
       Abwertung.
       
       Dies führte oft zu einer gewissen Verwirrung, weil beispielsweise in einem
       Text, in dem historische Parallelen zwischen dem Putin- und Hitlerregime
       gezogen wurden, die Namen der Diktatoren jeweils mit einem kleinen und
       einem großen Anfangsbuchstaben geschrieben wurden.
       
       In der jüngsten Entscheidung der Kommission heißt es: „Die Schreibweise der
       Namen 'Russische Föderation’, 'Russland’, 'Moskau’, 'Die Staatsduma der
       Russischen Föderation’ kann in nicht offiziellen Texten mit kleinem
       Anfangsbuchstaben geschrieben werden. Dies ist keine Abweichung von den
       Normen der ukrainischen Rechtschreibung.“
       
       ## Keine neue Regel
       
       Das heißt, die Ukrainer dürfen in inoffiziellen Texten die
       Kleinbuchstabenvariante benutzen, jedoch hat die Kommission das nicht als
       neue Sprachregel festgelegt. In offiziellen Dokumenten werden Namen wie
       Russland weiterhin großgeschrieben.
       
       Der ukrainische Minister für Bildung und Wissenschaft, Oksen Lisowoj,
       sagte, er werde Kinder unterstützen, die den Namen des Besatzerstaates mit
       kleinen Anfangsbuchstaben im Geografieunterricht schrieben.
       
       Als Grundlage ihrer Entscheidung berücksichtigte die Kommission „die
       Position der Mitglieder der Akademie der Wissenschaften und „den
       heldenhaften Kampf des ukrainischen Volkes für die Unabhängigkeit des
       ukrainischen Staates“.
       
       Auch der in der Ukraine bekannte Sprachwissenschaftler Alexander Awramenko
       unterstützte die Befürworter der Kleinbuchstabenregel. Wenn Verachtung
       ausgedrückt werden solle, werde so geschrieben. Er ist fest überzeugt, dass
       die Ukrainer noch Jahrzehnte lang die Wörter Russland, Moskau, Kreml und
       Putin mit kleinem Anfangsbuchstaben schreiben werden. „Zu viel Blut der
       Ukrainer klebt an den Händen der Russen.“
       
       Aus dem Russischen: Gemma Terés Arilla
       
       17 Oct 2023
       
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