# taz.de -- Meduza-Auswahl 21. – 27. September: Weitere Mobilisierung rückt näher
       
       > Viele russische Soldaten wurden getötet, Freiwillige kommen kaum nach.
       > Mehr Mobilisierung wird erwartet, analysiert Meduza.
       
 (IMG) Bild: Sie hat es schon erwischt: Russische Soldaten und Wehrpflichtige, die einberufen wurden
       
       Das [1][russisch-]und [2][englischsprachige] Portal Meduza zählt zu den
       wichtigsten unabhängigen russischen Medien. [3][Im Januar 2023 wurde Meduza
       in Russland komplett verboten]. Doch Meduza erhebt weiterhin seine Stimme
       gegen den Krieg – aus dem Exil. Die taz präsentiert seit 1. März unter
       [4][taz.de/meduza] immer mittwochs in einer wöchentlichen Auswahl, worüber
       Meduza aktuell berichtet. Das Projekt wird von der [5][taz Panter Stiftung]
       gefördert. 
       
       In der Woche vom 21. bis 27. September 2023 berichtete Meduza unter anderem
       über folgende Themen: 
       
       ## Eine weitere Mobilisierung scheint unvermeidlich
       
       Der Kreml behauptet, dass Russland seinen Krieg gegen die Ukraine künftig
       mit Freiwilligen führen wird. Laut offiziellen Zahlen sollen bis Ende des
       Jahres 420.000 Kämpfer rekrutiert worden sein, seit Beginn des Jahres
       angeblich bereits 300.000. [6][In diesem Bericht schätzt Meduza] diese
       Zahlen als “stark übertrieben“ (englischer Text) ein. Einige russische
       Soldaten hatten vor September 2022 – als die letzte Teilmobilisierung
       erfolgte – außerdem ihre Verträge gekündigt, denn bis dahin war das noch
       erlaubt.
       
       Erhebliche Verluste erleidet das russische Militär gleichzeitig auf dem
       Schlachtfeld. Nach Angaben des unabhängigen Portals Mediazona hatten die
       russischen Streitkräfte und die Söldnergruppe Wagner bis Ende Mai 2023 rund
       47.000 Tote zu beklagen. Darüber hinaus muss das Verteidigungsministerium
       möglicherweise bald die im Jahr 2022 einberufenen Wehrpflichtigen rotieren.
       
       Meduza analysiert die Zahlen und die aktuelle Lage und kommt zum Schluss,
       dass eine weitere Mobilisierung in Russland nur eine Frage der Zeit ist.
       
       ## Nawalny und die Präsidentschaftswahlen 2024
       
       Der in einer Strafkolonie inhaftierten Oppositionspolitiker Alexej
       Nawalnyhat sich vor kurzem [7][in einem Beitrag] mit den kommenden
       Präsidentschaftswahlen in Russland im März 2024 befasst. [8][Meduza hat ihn
       kurz zusammengefasst] (russischer Text).
       
       Nach Ansicht Nawalnys werden wohl drei Oppositionsparteien antreten,
       darunter auch die FBK. Sie wurde 2011 von Nawalny selbst gegründet.
       “Oppositionskoalitionen sind Zeitverschwendung“, sagte Nawalny in seiner
       Analyse und stellte seinen Plan für die Wahl vor: “Umfragen, Fokusgruppen,
       Recherche, Datenanalyse“.
       
       ## Einer der Architekten von Jelzins Reformen ist gestorben
       
       „Er glaubte, dass die Wirtschaft frei sein sollte und dass Frieden besser
       sei als Krieg“. Mit dieser Beschreibung erinnert Oleg Buklemishev an
       Jewgeni Jasin, ehemaliger Wirtschaftsminister der Russischen Föderation
       unter Boris Jelzin und Gründer der Wirtschaftshochschule Moskau. Jasin ist
       am 25. September im Alter von 89 verstorben. Buklemishev war einer seiner
       Kollegen an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Moskauer
       Staatsuniversität und hat [9][für Meduza einen Nachruf geschrieben]
       (russischer Text).
       
       “Jewgeni Jasin stützte sich auf Werte wie Freundlichkeit, Verständnis,
       Vielfalt und Reichtum dieser Welt sowie auf die Notwendigkeit, Diktate
       abzuschaffen. Er glaubte, dass eine Lösung [für ein gegebenes Problem] die
       Interessen verschiedener Menschen gleichermaßen berücksichtigen muss – und
       dass sie angestrebt werden muss, auch wenn diese Interessen im Widerspruch
       stehen“, schreibt Buklemishev.
       
       ## Bergkarabach, von der globalen Diplomatie verlassen
       
       [10][Meduza veröffentlicht einen Artikel] (englischer Text) über den
       laufenden Konflikt in Bergkarabach und erklärt, warum die globale
       Diplomatie den Angriff Aserbaidschans auf die Region – in der überwiegend
       Armenier lebten und die sich von Aserbaidschan für unabhängig erklärten –
       nicht verhindern konnte. Der Text wurde von einem russischen Reporter
       geschrieben, der sich angesichts der russischen staatlichen Zensur aus
       Sicherheitsgründen dafür entschieden hat, anonym zu bleiben.
       
       Der Autor hat lange über den Konflikt in Bergkarabach berichtet, hat
       Armenien, Aserbaidschan und Bergkarabach bereist und mit Einwohnern sowie
       Beamte und Diplomaten auf beiden Seiten des Konflikts gesprochen.
       
       Unter anderem ist in dem Meduza-Beitrag zu lesen: “Während Aserbaidschan
       die freie Wahl internationaler Vermittler hat, ist dies in Armenien nicht
       der Fall“. Aserbaidschan ist zum Gaslieferanten der EU geworden und hat
       dadurch an Bedeutung gewonnen.
       
       Der belarussische Nobelpreisträger Ales Bialiatski benutzt den Begriff
       „Aserbaidschanisierung“, um die Tendenz der NATO-Länder zu beschreiben, den
       Blick von systemischen Menschenrechtsverletzungen abzuwenden, wenn es ihren
       Interessen entspricht.
       
       27 Sep 2023
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [6] https://meduza.io/en/feature/2023/09/21/another-round-of-mobilization-in-russia-appears-inevitable-the-only-question-is-when
 (DIR) [7] https://navalny.com/p/6658/
 (DIR) [8] https://meduza.io/paragraph/2023/09/25/idite-k-chertovoy-materi-so-svoimi-koalitsiyami-kofe-breyk-s-bulochkami-v-kompanii-bezdelnikov-nam-ne-nuzhen
 (DIR) [9] https://meduza.io/feature/2023/09/25/on-veril-chto-ekonomika-dolzhna-byt-svobodnoy-i-chto-mir-luchshe-voyny
 (DIR) [10] https://meduza.io/en/feature/2023/09/21/karabakh-abandoned
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gemma Teres Arilla
 (DIR) Tigran Petrosyan
       
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