# taz.de -- Protest in den Entsorgungsunternehmen: Die Angst vor dem Brand
       
       > Falsch entsorgt können Lithium-Batterien schnell zu einem Großbrand
       > führen. Angestellte von Entsorgungsbetrieben fordern Lösungen.
       
 (IMG) Bild: Falsch entsorgte Batterien sorgen für Angst unter den Entsorger*innen
       
       10 Uhr am Großen Stern: Eine Kolonne von 50 Fahrzeugen zieht sich über die
       Straße des 17. Juni. Es sind riesige Müllwägen, Containerwägen und
       Transporter, die in der Innenstadt demonstrieren wollen. Aufschriften wie
       „Batteriebrände verhindern, jetzt!“ hängen an den Wägen, daneben
       dramatische Bilder brennender Gebäude. Es ist die Angst vor solchen
       Bränden, die die Mitarbeiter*innen von Entsorgungsunternehmen
       beschäftigt – ausgelöst durch Lithium-Batterien im Hausmüll.
       
       Lithiumhaltige Batterien und Akkus sind praktisch, leistungsstark – und
       [1][leicht entflammbar]. In immer mehr Alltagsgegenständen wie
       E-Zigaretten, Airpods oder Kopfhörer werden sie verbaut, genutzt, und dann
       häufig im Hausmüll entsorgt. Eine gefährliche Situation für diejenigen, die
       später mit dem Müll zu tun haben: „Es kommt wöchentlich zu Bränden in Wägen
       oder Entsorgungsunternehmen“, erklärt Patrick Hasenkamp, Leiter eines
       Abfallwirtschaftsbetriebs in Münster.
       
       Verletzungen unter Entsorger*innen durch brennenden Batterien und Akkus
       sind bisher noch nicht bekannt, der finanzielle Schaden nach einem Brand
       können aber, so Hasenkamp, durchaus im Millionenbereich liegen. Vor allem
       kleine, private Unternehmen erhielten kaum noch Versicherungsschutz. Bei
       einem Brand trügen sie „das komplette Unternehmensrisiko“.
       
       Hasenkamp sitzt am Steuer eines großen Containerfahrzeugs, neben ihm
       Entsorgungsarbeiter Dieter Möllenkamp, der „Gott sei Dank“ selber noch
       keinen Lithium-Brand miterlebt habe. Laut hupend setzt sich die
       Wagenkolonne in Bewegung, fährt vom Tiergarten aus zum Brandenburger Tor
       und durch das Regierungsviertel, bevor es wieder zurück geht zum Großen
       Stern. Zwei Runden drehen die etwa 100 Demonstrierenden, dann sammeln sie
       sich in ihren leuchtend orangefarbenen Westen vor dem Brandenburger Tor.
       
       ## Kritik an Herstellern
       
       „Wir wissen, dass das Problem [2][größer wird] in den nächsten Jahren“, so
       Peter Kurth, Präsident des Bundesverbandes der Entsorger BDE und außerdem
       ehemaliger Berliner Finanzsenator. Schließlich würden immer mehr
       Lithium-Batterien verbaut werden. Deshalb ist eine zentrale Forderung des
       Protests, die Hersteller*innen [3][stärker in die Pflicht] zu nehmen.
       
       „Die Industrie stellt sich, was ihre Verantwortung angeht, bisher taub“,
       sagt auch Hasenkamp: „Weil sie bestimmte Produkte möglicherweise in
       Konsequenz gar nicht mehr produzieren und in den Verkehr bringen darf.“
       
       10 Oct 2023
       
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