# taz.de -- Konflikt zwischen Kosovo und Serbien: Tödliche Angriffe im Nord-Kosovo
       
       > Kosovos Regierungschef macht Serbien für die Angriffe mutmaßlicher
       > serbischer Nationalisten verantwortlich. Auch ein Kloster ist Schauplatz
       > der Kämpfe.
       
 (IMG) Bild: Bewaffnete Polizisten nahe des Klosters, in dem sich die Militanten aufhalten, am 24. September
       
       Pristina afp | Im umstrittenen Norden des [1][Kosovo] ist es zu gewaltsamen
       Angriffen auf Polizisten gekommen, bei denen am Sonntag ein Beamter getötet
       wurde. Regierungschef Albin Kurti zufolge hielten die Auseinandersetzungen
       auch mehrere Stunden nach dem Tod des Polizisten weiter an. Der
       Ministerpräsident warf Serbien vor, „terroristische Attacken“ in der
       hauptsächlich von Serben bewohnten nördlichen Region des Kosovo zu
       unterstützen. Serbiens Präsident [2][Aleksandar Vucic] wies die
       Anschuldigungen umgehend zurück.
       
       Es gebe „mindestens 30 bewaffnete Profis, Soldaten oder Polizisten, die
       derzeit von unseren Polizeikräften umzingelt sind und die ich auffordere,
       sich zu ergeben“, beschrieb Regierungschef Kurti die Lage am
       Sonntagnachmittag vor Journalisten. Er zeigte Bilder von bewaffneten
       Männern, die sich offenbar im Hof eines Klosters verschanzten. Bei ihnen
       handele es sich „nicht um Zivilisten“, sagte Kurti.
       
       Nach Angaben der zuständigen Diözese hatten „maskierte Männer in einem
       gepanzerten Fahrzeug das Kloster Banjska“ gestürmt und gewaltsam das Tor
       aufgebrochen. Derzeit halte sich in dem Kloster „eine Gruppe von Pilgern“
       aus der serbischen Stadt Novi Sad zusammen „mit einem Abt“ auf, erklärte
       die Diözese. Zu ihrer Sicherheit hätten sich die Menschen in dem Gebäude
       eingeschlossen, während „bewaffnete Männer“ im Hof umherliefen, „wo Schüsse
       zu hören“ seien.
       
       Ein örtlicher Polizeibeamter bestätigte, dass der Schusswechsel weiterging:
       „Man kann bewaffnete Männer in Uniform sehen. Sie schießen auf uns und wir
       erwidern das Feuer.“
       
       ## Angriff auf Polizeipatrouille
       
       Am frühen Morgen waren bei einem Angriff auf eine Patrouille im Norden des
       Kosovo nach Behördenangaben ein Polizist getötet und ein weiterer verletzt
       worden. Die Polizeieinheiten seien mit „einem Arsenal von Schusswaffen,
       einschließlich Handgranaten und Panzerfäusten“ angegriffen worden, als sie
       sich einer Straßenblockade nahe der Grenze zu Serbien näherten, erklärte
       die Polizei. Regierungschef Kurti sprach von einem „Terroranschlag“. Er
       beschuldigte „Verantwortliche in Belgrad“, logistische und finanzielle
       Unterstützung „für das organisierte Verbrechen“ zu leisten.
       
       Kosovos Präsidentin Vjosa Osmani sprach von einem „Angriff“ auf ihr Land.
       Sie forderte die Verbündeten des Kosovo auf, das Land „in seinen Bemühungen
       um Frieden und Ordnung und die Wahrung der Souveränität über die gesamte
       Republik“ zu unterstützen. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell
       verurteilte im vormals Twitter genannten Onlinedienst X „den abscheulichen
       Angriff auf Polizeibeamte in Banjska im Norden des Kosovo“. Die
       Verantwortlichen müssten „vor Gericht gestellt werden“.
       
       Das Kosovo mit seiner mehrheitlich ethnisch-albanischen Bevölkerung hatte
       im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird aber von
       Belgrad bis heute als serbische Provinz betrachtet. Zu den rund 1,8
       Millionen Einwohnern des Kosovo zählen rund 120.000 Serben, die vor allem
       im Norden des Landes leben.
       
       Seit Monaten nehmen die [3][Spannungen] im Norden des Kosovo wieder zu. Ein
       Auslöser war, dass die Regierung in Pristina im Mai beschlossen hatte,
       ethnisch-albanische Bürgermeister in vier Gemeinden mit serbischer Mehrheit
       einzusetzen. Bei darauf folgenden Ausschreitungen wurden unter anderem mehr
       als 30 Soldaten der Nato-Friedenstruppe KFOR verletzt.
       
       24 Sep 2023
       
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