# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Russische Artillerie tötet Zivilisten
       
       > Bei einem Angriff in der Region Cherson sind sechs Zivilisten gestorben.
       > Die Ukraine fordert weiter Taurus-Marschflugkörper von der
       > Bundesregierung.
       
 (IMG) Bild: Von russischen Raketen zerstört: ein Gebäude in Saporischschja am 10. August 2023
       
       ## Tote durch russischen Angriff bei Cherson
       
       Bei einem russischen Angriff auf zwei Dörfer in der südukrainischen Region
       Cherson sind nach Angaben der ukrainischen Regierung sechs Zivilisten
       getötet worden. Unter den Toten sei ein Baby, teilt Innenminister Ihor
       Klymenko mit. Im Dorf Schyroka Balka seien ein Paar, ihr 23 Tage altes Kind
       und ein weiterer Mann ums Leben gekommen. Der 12-jährige Sohn des Paares
       sei lebensgefährlich verletzt worden.
       
       Im Nachbardorf Stanislaw seien zwei weitere Menschen getötet und einer
       verletzt worden. Das Dorf sei zwölfmal von Artillerie getroffen worden,
       schreibt Klymenko auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. „Die Terroristen
       werden niemals freiwillig aufhören, Zivilisten zu töten“, erklärt der
       Innenminister und postet zwei Fotos von beschädigten Häusern. „Die
       Terroristen müssen gestoppt werden. Mit Gewalt. Sie verstehen nichts
       anderes.“
       
       Das ukrainische Militär hat im November den westlichen Teil der Oblast
       Cherson zurückerobert. Russische Truppen beschießen das Gebiet jedoch
       weiterhin regelmäßig von der anderen Seite des Flusses Dnipro aus. (rtr)
       
       ## 500 Kinder durch Angriffskrieg gestorben
       
       Dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind nach der fortlaufenden
       Zählung der ukrainischen Justiz mindestens 500 Kinder zum Opfer gefallen.
       Diesen Stand teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Sonntag in der
       Hauptstadt Kyjiw mit. Außerdem hätten fast 1.100 Kinder Verletzungen
       verschiedener Schwere erlitten, schrieb die Behörde auf Telegram. Sie wies
       darauf hin, dass die Zählung unvollständig sei. Es werde in der Kampfzone,
       in den von der Ukraine befreiten Gebieten wie auch in den von russischen
       Truppen besetzten Gebieten ermittelt und nach weiteren Fällen gesucht.
       
       Die [1][meisten getöteten und verletzten Kinder] gab es demnach in den
       frontnahen östlichen Gebieten Donezk und Charkiw, gefolgt von der
       Hauptstadtregion Kyjiw und Cherson im Süden. Jüngster bekannter Fall war
       ein achtjähriger Junge, der nach ukrainischen Angaben am Freitag bei einem
       Raketenangriff auf die Westukraine tödlich verletzt wurde.
       
       Die ukrainische Justiz dokumentiert Todesfälle und Verletzungen in der
       Zivilbevölkerung. Sie sammelt Material, das in späteren Prozessen als
       Beweise für mutmaßliche Kriegsverbrechen russischer Soldaten dienen könnte.
       (dpa)
       
       ## Erneut Explosionen an Krim-Brücke
       
       An der Brücke von Kertsch zwischen dem russischen Festland und der
       völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim gab
       es erneut Explosionen. Die russische Luftabwehr habe mehrere feindliche
       Raketen abgeschossen, teilte der von Moskau eingesetzte Statthalter der
       Halbinsel, Sergej Aksjonow, auf Telegram mit. „Die Krim-Brücke ist nicht
       beschädigt“, schrieb er.
       
       Die Angaben zu den Ereignissen auf der Krim lassen sich nicht unabhängig
       überprüfen. Allerdings wurde der Autoverkehr über das 19 Kilometer lange
       Bauwerk vorübergehend eingestellt. Russland machte die Ukraine für die
       Attacken verantwortlich. [2][Die Ukraine hat schon mehrfach die Brücke
       angegriffen.]
       
       Die russischen Streitkräfte haben außerdem nach Angaben des
       Verteidigungsministeriums in Moskau mindestens drei ukrainische Drohnen
       über dem Westen Russlands abgeschossen. Eine Drohne sei über der Oblast
       Kursk abgefangen und zerstört worden, zwei weitere über der Oblast
       Belgorod. Kursk und Belgorod grenzen beide an die Ukraine. Deren Führung
       nimmt üblicherweise nicht Stellung zu Angriffen auf russisches oder von
       russischen Truppen besetztes Gebiet.
       
       Ein ukrainischer Drohnenangriff auf der Krim in der Nacht zum Samstag galt
       laut einem Medienbericht unterdessen einem Logistikstützpunkt der
       russischen Truppen in der Nähe von Jewpatorija im Westen der Halbinsel. Bei
       dem nächtlichen Angriff seien 17 Drohnen zum Einsatz gekommen, berichtete
       das Internetportal Ukrajinska Prawda am Samstagabend unter Berufung auf
       Quellen beim ukrainischen Geheimdienst SBU.
       
       Nach vorläufigen Angaben seien „Dutzende von Besatzern“ getötet oder
       verletzt worden. Auch Ausrüstung sei zerstört worden. Das genaue Ausmaß der
       Schäden werde aber noch untersucht. Auch die Angaben lassen sich nicht
       verifizieren.
       
       In der Nacht zum Samstag war Berichten zufolge über Teilen der Krim die
       Flugabwehr aktiviert worden. Nach Angaben des russischen
       Verteidigungsministeriums hatte das Militär 20 ukrainische Drohnen
       abgewehrt. Das Ministerium behauptete, es habe weder Opfer noch Schäden
       gegeben. (rtr/dpa)
       
       ## Ukraine macht Druck wegen Taurus-Raketen
       
       Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat in der Debatte um die
       [3][Lieferung von deutschen Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine] den
       Druck auf die Bundesregierung erhöht und deren Bedeutung für eine
       schnellere Beendigung des Krieges unterstrichen. „Die Ukraine braucht
       Taurus-Raketen, um mehr Leben ukrainischer Soldaten und Zivilisten zu
       retten und um die Befreiung ihrer Gebiete zu beschleunigen und den Krieg
       schneller zu beenden“, sagte Kuleba der „Bild am Sonntag“. „Die Formel ist
       einfach: Eine größere Reichweite der Raketen bedeutet eine kürzere Dauer
       des Krieges“, fügte er hinzu.
       
       Mit der Waffe könne die Ukraine „die russischen Besatzungstruppen auf
       ukrainischem Boden weit über die Frontlinie hinaus erreichen, ihre Logistik
       stören und Kommandozentralen und Munitionsdepots zerstören“, sagte Kuleba
       weiter.
       
       Die Bundesregierung prüft derzeit eine Lieferung der
       Taurus-Marschflugkörper, hat aber offiziell bislang keine Entscheidung
       darüber getroffen. Laut Medienberichten dringt das Kanzleramt auf eine
       Reduzierung der Reichweite der Flugkörper, um das Risiko ukrainischer
       Angriffe auf Ziele in Russland zu verringern. (afp)
       
       ## Wagner-Söldner bekommen kein Geld mehr von Russland
       
       Die [4][russische Söldnergruppe Wagner] wird nach britischen Erkenntnissen
       vermutlich nicht mehr vom russischen Staat finanziert und muss sich
       verkleinern. Ziel sei es, Personalkosten einzusparen, teilte das
       Verteidigungsministerium in London am Sonntag mit und bezog sich auf das
       tägliche Bulletin des Militärgeheimdienstes.
       
       Es sei realistisch, dass das Präsidialamt in Moskau die Wagner-Söldner
       nicht mehr finanziere. „Wenn der russische Staat Wagner nicht mehr zahlt,
       sind die belarussischen Behörden der zweitplausibelste Zahlmeister“, hieß
       es weiter. Dies würde allerdings die Ressourcen von Belarus belasten. Dort
       bilden derzeit Wagner-Söldner belarussische Soldaten aus. (rtr)
       
       ## Rheinmetall liefert Aufklärungsdrohnen
       
       Nach Munition, Panzern, Flugabwehr und Militär-Lastwagen wird der
       Rüstungskonzern Rheinmetall bald auch Drohnen in die Ukraine liefern. Ein
       entsprechender Auftrag sei erteilt worden, sagte ein Firmensprecher am
       Sonntag in Düsseldorf. Zuvor hatte die „Bild am Sonntag“ berichtet. Die
       Auslieferung werde bis Jahresende erfolgen, das Auftragsvolumen nannte er
       nicht.
       
       Es handelt sich um „Luna NG“-Aufklärungsdrohnen, die nicht bewaffnet sein
       werden. Sie können mehrere Hundert Kilometer weit fliegen und die
       Kommunikation des Feindes abhören oder stören. Auch Lkw, die zum
       Bodentransport genutzt werden, werden geliefert.
       
       Der Auftrag kommt von der Bundesregierung, die damit das von Russland
       angegriffene Land unterstützt. Der größte deutsche Rüstungskonzern, dessen
       Auftragsbücher so voll sind wie noch nie, lieferte bereits umfangreiche
       Militärgüter oder arbeitet daran. Unlängst wurde bekannt, dass er alte
       Leopard-Panzer von einer belgischen Firma kaufte und diese auf Vordermann
       bringen will, damit rund 30 davon fronttauglich sind. Außerdem will
       Rheinmetall direkt mit Kyjiw einen Vertrag abschließen, um in der Ukraine
       eine Kampfpanzer-Fabrik zu bauen. (dpa)
       
       ## Russisches Flugzeug bei Training abgestürzt
       
       In der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad ist offiziellen Angaben
       zufolge ein russisches Kampfflugzeug beim Training abgestürzt. „Die
       Besatzung des Flugzeugs kam ums Leben“, teilte das russische
       Verteidigungsministerium laut der Agentur Interfax mit. Um wie viele
       Insassen es sich handelte, war zunächst unklar. Auch die genaue
       Absturzstelle wurde nicht genannt. Die Maschine vom Typ Suchoi Su-30 sei
       über unbewohntem Gebiet geflogen, als technische Probleme aufgetreten
       seien, hieß es. (dpa)
       
       13 Aug 2023
       
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