# taz.de -- Abaya-Verbot an französischen Schulen: Der Anfang vieler neuer Debatten
       
       > Das Verbot des Ganzkörper-Gewandes Abaya ist eine politische
       > Gratwanderung: entschlossene Verteidigung des Laizismus oder Ende der
       > Toleranz?
       
 (IMG) Bild: Frankreichs Bildungsminister Gabriel Attal (3.v.l.) will das Tragen von Abayas an Schulen verbieten
       
       Er habe entschieden, erklärt der französische Erziehungsminister Gabriel
       Attal. Sein Bedarf, Entschlossenheit und Autorität auszustrahlen, ist
       offensichtlich. Das entspricht einem politischen Wunsch vor allem der
       Rechten in Frankreich, die sich über Krawalle und Respektlosigkeiten von
       Jugendlichen und erst recht über Provokationen muslimischer Extremisten
       ärgert. Ihnen will Attal entgegenkommen. Er grenzt sich damit von seinem
       Multikulti-Vorgänger Pap Ndiaye ab. Das Thema der religiös motivierten
       Gewänder in den Schulen bietet sich dafür an.
       
       Attal hofft, mit seinem Auftreten der allgemeinen Tendenz entgegenzuwirken,
       die derzeit der autoritären, vehement antimuslimischen extremen Rechten
       Wählerstimmen zutreibt. Doch nicht nur ganz rechts wird sein [1][Verbot der
       Abaya] in der Schule wohlwollend kommentiert. Die meisten Schulleitungen
       sind froh, endlich eine klare Regel zu haben. Umgekehrt riskiert Attal,
       einen endlosen Glaubenskrieg auszulösen, wie ihn Frankreich nach dem ersten
       [2][Verbot islamischer Kopftücher] vor dreißig Jahren erlebt hat.
       
       Genügt im Streitfall der Dialog nicht? Braucht es wirklich gesetzliche
       Verbote und Strafen wie Ausschluss, um in der Schule die Religionsferne zu
       verteidigen? Ist es nicht sogar ein Zeichen der Schwäche eines Staates,
       wenn dieser so gereizt auf Provokationen reagiert? Diese Kontroverse
       spaltet quer durch die politischen Lager. Auch links wird gestritten: Was
       für die einen die Wahrung der Grundwerte der Republik ist, stellt für
       andere schlicht „Islamophobie“ dar.
       
       Dem Minister fiel die Entscheidung bestimmt nicht leicht. Denn es ist eine
       politische Gratwanderung, in der Reaktion auf die unbestrittene
       Herausforderung der Republik durch religiöse Maximalforderungen den Ton und
       das Maß zu finden. Wo endet in der Laizität die Toleranz? Wo muss im Namen
       des Neben- und Miteinanders auf [3][vorgegebene Glaubensgebote] Nein
       gesagt werden? Es stellen sich so viele Fragen, dass Attals Urteil im
       Streit um die Abayas weniger als Antwort, sondern als Ausgangspunkt der
       Debatte dienen wird.
       
       29 Aug 2023
       
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