# taz.de -- Läufer Haftom Welday will zu Olympia: Schnelle Laufbahn
       
       > Haftom Welday ist innerhalb von wenigen Jahren einer der besten deutschen
       > Marathonläufer geworden – dabei mochte er das Laufen als Kind gar nicht.
       
 (IMG) Bild: Schnell in vielerlei Hinsicht: Haftom Welday beendet den Berlin-Marathon 2022 als bester Deutscher
       
       Hamburg taz | Sein großes Ziel: Olympia 2024. Dafür muss er die 42,195
       Kilometer noch eine Minute schneller laufen. Haftom Welday ist sich sicher,
       er schafft das. Er ist einer der schnellsten deutschen Läufer, dabei hat
       die Karriere des 33-Jährigen gerade erst begonnen. Das ist ungewöhnlich
       spät für einen Leichtathleten.
       
       Innerhalb von wenigen Jahren hat sich der 1,76 Meter große Mann nach vorne
       gekämpft. Hinter Welday liegt ein schwerer Weg bis zu dem Punkt, an dem er
       jetzt ist. So hatte er als Kind überhaupt nichts mit dem Laufen zu tun – im
       Gegenteil: „Damals habe ich das Laufen gehasst,“ erzählt er lachend. Er ist
       im Norden Äthiopiens aufgewachsen, träumte als kleiner Junge von einem
       eigenen Laden: „Meine Mutter besaß einen kleinen Kiosk und da habe ich ihr
       lange geholfen.“
       
       Es kam anders: 2014 musste der damals 24-Jährige [1][die Region Tigray]
       wegen eines Krieges verlassen – gekämpft wurde dort auch bis vor einigen
       Monaten wieder. Welday begab sich auf die gefährliche Flucht durch die
       Sahara und über das Mittelmeer. Seine neue Heimat wurde Pattensen in
       Niedersachsen – und brachte ihn mangels gutem [2][ÖPNV-Angebot] zum
       Laufsport. „Dass ich schnell laufen kann“, [3][schreibt er auf seiner
       Internetseite], „merkte ich, als ich drei Kilometer rennen musste, um einen
       Bus zu kriegen.“ Weldays erster Erfolg: das Deutsche Sportabzeichen, das
       ihm Friedrich Weber vom TSV Pattensen im Sommer 2015 abnahm – und dabei
       schnell Weldays Talent entdeckte. Daraufhin begann der Athlet mit dem
       regelmäßigen Lauftraining und ersten Wettkämpfen.
       
       Seit Dezember 2021 wohnt er mit seiner Frau und den drei Kindern in
       Hamburg. Und er fand Unterstützung für seine sportlichen Ambitionen: Der
       „Laufladen“ half mit der Vermittlung von Spenden und Sponsoren, ein
       ehrenamtliches Team hat sich gebildet. „Alle glauben an mich und ich will
       zeigen, dass ich es schaffen kann und dass ich alles gebe.“
       
       ## Training mit dem Idol
       
       Seit Mai befindet er sich in Äthiopien im Höhentrainingslager. Vor ihm
       liegt ein wichtiger internationaler Wettkampf: die WM in Budapest am 27.
       August. Die Olympianorm von 2:08:10 Stunden hat er klar vor Augen, aber es
       geht ihm auch um etwas anderes: „Ich will vor allem weitere Erfahrungen
       sammeln, denn für mein Ziel von Olympia 2024 ist es wichtig, bei
       internationalen Wettkämpfen mit der Elite mitzulaufen.“ Nervös sei er
       nicht, das betont Welday, er freue sich, „bei der WM für Deutschland
       antreten zu können“.
       
       Seit September 2022 ist er deutscher Staatsangehöriger, [4][ein paar Tage
       danach lief er in Berlin] persönliche Bestzeit und deutsche Jahresbestzeit
       – und knackte mit 2:09:06 Stunden die WM-Norm. Im November wurde er in den
       Bundeskader des Deutschen Leichtathletik-Verbands aufgenommen.
       
       Welday liebt das Laufen: „Wenn ich das nicht tue, dann fühle ich mich nicht
       wohl“, sagt er. Und wirkt immer noch erstaunt: „Als ich mit dem Laufen
       angefangen habe, hätte ich niemals gedacht, dass ich jetzt als Profi
       unterwegs sein kann.“ 2019 war er noch als Fan zum Berlin-Marathon
       gefahren, um sein Idol Kenenisa Bekele für ein Selfie abzufangen – es
       klappte. Nun trainieren beide schon mal zusammen, in Äthiopien.
       
       Zeit für andere Dinge bleiben dem 33-Jährigen kaum. Wenn er nicht im
       Trainingslager ist, sondern zu Hause in Hamburg, hat er mittlerweile ab und
       zu einen besonderen Nachwuchs-Trainingspartner: seinen 11-jährigen Sohn
       Matheus. „Wir laufen ein lockeres Training und kurze Strecken auch mal
       zusammen, oder aber er begleitet mich mit dem Fahrrad durch Hamburg – das
       sind dann meistens so 25 bis 30 Kilometer.“
       
       5 Aug 2023
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Emily Kietsch
       
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