# taz.de -- Fußball-WM der Frauen: Gitanas werden immer sichtbarer
       
       > Olga Carmona, Torschützin im WM-Finale, ist Romni, heißt es. Doch so
       > selten sind Sinti und Roma im Spitzensport nicht.
       
 (IMG) Bild: Olga Carmona voller Stolz mit der WM-Medaille
       
       Fakali wird die Federación de Asociaciones de Mujeres Gitanas abgekürzt.
       Und dieser Verband der spanischen Romnja hat Grund, der Frauen-Nationalelf
       zu gratulieren. [1][Olga Carmona], Kapitänin, Torschützin und ganz großer
       Star der Weltmeisterinnen, gilt nämlich als Romni, Angehörige des Volkes
       der Roma.
       
       Vollends bestätigt ist diese Information nicht. Vor allem von Carmona gibt
       es keine Äußerung hierzu, aber etliche spanische Medien und Roma-Verbände
       teilen diese [2][Information] voller Stolz mit. „Spanien ist vielfältig,
       und jeden Tag gleicht sein Bild auch mehr und mehr den unterschiedlichen
       Menschen, die wie wir hier leben“, schreibt Fakali auf Twitter. Dabei
       steht das Motto „gitanas visibles“, sichtbare Gitanas. Es ist die in
       Spanien übliche Eigenbezeichnung für Roma und Romnja.
       
       Olga Carmonas Vater war während der WM gestorben, sie selbst hat es erst
       nach ihrem Finaltriumph erfahren. Sie stammt aus Sevilla, hatte anfangs
       Flamenco getanzt und geschwommen und ist über ihre Brüder zum Fußball
       gekommen. Was sie im Profifußballzirkus zudem heraushebt, ist, dass sie
       auch kurz vor dem Abschluss als Sportwissenschaftlerin ist.
       
       Roma und Sinti sind zwar gar nicht so selten im Spitzensport, aber nur
       wenige bekennen sich offen dazu, Angehörige dieser oft immer noch
       angefeindeten Minderheit zu sein. In Spanien berühmt ist noch Jesús Navas,
       2010 Fußballwelt- und 2012 Europameister. Wie Olga Carmona stammt er aus
       Sevilla und ist Gitano.
       
       ## Sie haben Angst
       
       Dass es wenige offen lebende Roma und Sinti im Profisport gibt, sorgt für
       Gerüchte, auch innerhalb der Community. Immer werden Namen von Weltstars
       genannt. Von dem 2021 verstorbenen [3][Gerd Müller] ist es immer wieder zu
       lesen – belegt ist jedoch nur, dass er in seiner Jugend freundschaftlichen
       Kontakt zu Sinto-Familien hatte.
       
       [4][Walter Laubinger], der 1987 mit dem Hamburger SV den DFB-Pokal gewann,
       ist Sinto. Und [5][István Pisont], der in der Bundesliga für Eintracht
       Frankfurt spielte, sagte einmal: „Ich bin der einzige Spieler, der sich in
       Ungarn zu den Roma bekannt hat.“ Er kenne auch viele andere Spieler, aber
       die würden es nicht sagen: „Sie haben einfach Angst.“
       
       22 Aug 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Spanien-triumphiert-im-WM-Halbfinale/!5952069
 (DIR) [2] http://www.roma-service.at/dromablog/?p=69319&fbclid=IwAR2NLLGWX1_gBKFQtvqAsmiYH46bpN8fnz8FXlOyheZMnbz3TUOOX8EBcE4
 (DIR) [3] /Gerd-Mueller-der-FC-Bayern-und-die-CSU/!5643686
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martin Krauss
       
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