# taz.de -- herzensort: Wie soll ich Tschüss sagen?
       
       Die Tür zur Wohnung, in der ich aufgewachsen bin, kann ich bald nicht mehr
       aufschließen. Meine Eltern ziehen aus meinem Zuhause aus. Also atme ich
       diesen Zuhausegeruch aus Sisalteppich und angebratenem Knoblauch beim
       Betreten des Flurs extra tief ein.
       
       Wenn ich meine Füße im Sommer ein letztes Mal ins Meer halte, winke ich zum
       Abschied und rufe „bis bald“. Aber das geht in diesem Fall nicht, bald
       wohnt hier eine andere Familie. Wie soll ich also Tschüss sagen?
       
       Ich möchte mit meinem Bruder noch einmal Milchreis aus der Tüte kochen, der
       uns damals so oft angebrannt ist. Die Küchentür zuknallen, sodass sich der
       durch meine pubertären Wutanfälle entstandene Riss noch ein Stück weiter
       zieht. Und vielleicht noch eine auf dem Balkon rauchen, auf dem ich an
       meinen ersten Zigaretten zog?
       
       Als ich noch Zuhause wohnte und nachts oft nach ein paar Bier zu viel
       wiederkam, änderte mein Vater irgendwann den Code an der Haustür in mein
       Geburtsjahr. So wollte er sichergehen, dass ich in jedem Zustand in mein
       Bett finde. Immerhin diese vier Ziffern bleiben. Sophie Fichtner
       
       29 Jul 2023
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sophie Fichtner
       
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