# taz.de -- Deutschlands China-Strategie: Geschätzter Geschäftspartner
       
       > Während Deutschland seinen Umgang mit China neu ausrichtet, bricht
       > Pekings Außenhandel ein. Groß ist die Abhängigkeit von Europas Märkten.
       
 (IMG) Bild: Schwieriges Beziehungen: Der chinesische Premier Li Qiang bei Kanzler Olaf Scholz im Juni
       
       Peking taz | Natürlich ist es kein Zufall, dass die Bundesregierung
       [1][ihre erste China-Strategie] ausgerechnet beim Berliner Merics-Institut
       vorgestellt hat: Die Denkfabrik ist vor mehr als zwei Jahren von der
       chinesischen Regierung mit Sanktionen belegt worden, seither dürfen die
       Forscherinnen und Forscher nicht mehr in die Volksrepublik einreisen. So
       gesehen steht der Ort sinnbildlich für das schwieriger gewordene Verhältnis
       zwischen Berlin und Peking.
       
       China ist nicht mehr nur Partner, sondern auch systemischer Rivale – die
       Botschaft aus Deutschland wurde natürlich auch 8.000 Kilometer östlich
       vernommen. In Peking ist das seit über einem Jahr geplante Papier der
       Bundesregierung ein allzu vertrautes Thema. Wann immer zuletzt deutsche
       Delegationen die chinesische Hauptstadt besuchten, fragten sie zuerst nach
       dem aktuellen Stand der China-Strategie. Und auch über die zuvor in
       deutschen Medien geleakten Details wussten die Parteikader bestens
       Bescheid.
       
       Gleichwohl wurde den aus Deutschland angereisten Wirtschaftsvertretern und
       Politikern in China bis zuletzt der rote Teppich ausgerollt. Das hat vor
       allem mit der angespannten wirtschaftlichen Lage im Reich der Mitte zu tun.
       Europa ist für China schließlich wichtigster Handelspartner. Unter den
       EU-Staaten liegt Deutschland sogar klar auf Platz eins. Auch da sich
       [2][die chinesischen Beziehungen zu den USA] seit Jahren verschlechtern, so
       die verbreitete Erkenntnis in Peking, will man es sich nicht auch noch mit
       den Europäern verscherzen.
       
       ## Wirtschaftserholung nach Corona bleibt bisher aus
       
       Die am Donnerstag veröffentlichten Wirtschaftszahlen haben den Ernst der
       Lage noch mal deutlich gemacht: Der Außenhandel Chinas ist im Vergleich zum
       Vorjahr um mehr als zwölf Prozent eingebrochen. Die Lieferungen nach
       Deutschland sind sogar um 15 Prozent gesunken. Die chinesischen
       Exportunternehmen leiden unter der schwachen globalen Nachfrage.
       Gleichzeitig stagniert der Binnenkonsum noch immer. Die erhoffte
       Wirtschaftserholung nach der Corona-Öffnung bleibt in China bislang
       weitgehend aus.
       
       Hinzu kommt die erratische und zunehmend ideologische Politik von
       Staatschef Xi Jinping. Sie sorgt dafür, dass auch die internationalen
       Geldgeber fernbleiben. Laut der Analyse-Firma Rhodium verzeichnete China im
       ersten Jahresquartal lediglich 20 Milliarden Dollar an ausländischen
       Direktinvestitionen – 2022 waren es noch fünfmal so viel. Gleichzeitig
       verlassen derzeit die Superreichen in Scharen das Land: Die
       US-Beratungsfirma Henley & Partners schätzt, dass im laufenden Jahr über
       13.500 chinesische Millionäre ihrer Heimat den Rücken kehren werden.
       
       Vor diesem Hintergrund wären die Machthaber in Peking also gut beraten, die
       von der deutschen Bundesregierung formulierte Kritik in der China-Strategie
       ernstzunehmen. Doch zumindest nach außen hin möchte man sich keinerlei
       Blöße geben. „Deutschland steht derzeit vor vielen Herausforderungen, und
       es ist wichtig, die Ursachen anzugehen. Aber eines ist sicher: Keines der
       Probleme wird von China verursacht. Und eine Partnerschaft mit China ist
       Teil der Lösung“, kommentierte etwa Wang Lutong, Generaldirektor für
       europäische Angelegenheiten im Außenministerium.
       
       Wang zählt dabei noch zu den gemäßigten Stimmen. In den kommenden Tagen
       dürften sich vermehrt auch die nationalistischen Hardliner des
       Parteiapparats zu Wort melden. In sozialen Netzwerken reagiert der
       Internet-Mob vor allem mit Zynismus und Hass auf die neue China-Strategie:
       Die deutschen Politiker werden etwa als „Hunde der Vereinigten Staaten“
       diffamiert, andere rufen zum Boykott deutscher Autos auf.
       
       Dabei fällt die China-Strategie noch deutlich diplomatischer aus, als es im
       ursprünglichen Entwurf vorgesehen war. Einige Äußerungen, etwa in Bezug auf
       Chinas militärische Drohungen gegenüber Taiwan und
       Menschenrechtsverletzungen, wurden zuletzt deutlich entschärft – sehr zur
       Enttäuschung der Zivilgesellschaft.
       
       13 Jul 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.auswaertiges-amt.de/blob/2608578/2b2effbc0886ef7ae0b22aaeacf199be/china-strategie-data.pdf
 (DIR) [2] /US-Finanzministerin-Yellen-in-China/!5945910
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fabian Kretschmer
       
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