# taz.de -- Sport und Freizeit in Berlin: Keine schönen Ostern
       
       > Lange ist im Görlitzer Park nichts passiert. Dann kam die Turngemeinde in
       > Berlin (TiB) mit einem erfolgreichen Sportprojekt. Jetzt ist auch das
       > tot.
       
 (IMG) Bild: Hoffentlich nicht für immer: Keine Sportangebote mehr für Kids im Görlitzer Park
       
       Berlin taz | Die Wolken hängen tief, es weht ein eisiger Wind.
       Männergruppierungen, [1][die Cannabis zum Kauf anbieten]. Frauen mit
       Kinderwägen, ein paar Jogger – viel los ist im Görlitzer Park an diesem
       Mittwochmittag nicht. Aber die Osterfeiertage stehen vor der Tür. „Lass es
       ein paar Grad wärmer werden, dann ist hier die Hölle los“, prognostiziert
       Michael Schulze, Mitarbeiter des Kinderbauernhofs im Görli.
       
       Das Problem ist nur: Die im Park gelegene Sportanlage SpOrt 365 ist
       geschlossen. Basketball, Fußball, Tischtennis, Volleyball – alles seit
       Wochen dicht. Ausgerechnet im dicht besiedelten Friedrichshain-Kreuzberg,
       in dem es kaum öffentliche Sportstätten gibt. Und das alles, [2][weil sich
       das Bezirksamt mit der Turngemeinde in Berlin (TiB), Trägerin des
       Projekts], nicht einig geworden ist.
       
       Es war ein Leuchtturmprojekt: 30.000 Menschen, jung und alt, nutzten die
       Anlage in der Sommersaison 2022. Es war ein geschützter Raum. Auch Kinder,
       die um den Görli sonst aus Angst einen Bogen machen, kamen ganz allein in
       die betreute Anlage.
       
       50 Prozent öffentliche Nutzung, 50 Prozent für Sportvereine, das sei das
       Konzept gewesen, sagt TiB Vorsitzender Johannes Russ. Kostenlosen Sport für
       alle, allerdings unter der Voraussetzung, dass TiB temporär ein 1.600
       Quadratmeter großes Zelt auf dem Grundstück errichten könne. Das Zelt
       deshalb, um 365 Tage im Jahr im Görli öffentlichen- und Vereinssport machen
       zu können.
       
       Über die Hintergründe des Scheiterns gibt es zwei Sichtweisen: TiB sagt,
       man habe sich monatelang um eine baurechtliche Genehmigung für das Zelt
       bemüht, erforderliche Umwelt- und Artenschutzgutachten beigebracht. Nur
       durch Zufall habe man erfahren, dass man keine Genehmigung bekommen werde.
       Darum sei TiB gezwungen gewesen, den Vertrag außerordentlich und fristlos
       zu kündigen.
       
       [3][Der Bezirk] sagt, das Zelt sei nur ein Framing, baurechtlich handele es
       sich um eine Leichtbauhalle, die Fläche versiegele. An Bauten in
       Grünanlagen würden strenge Kriterien angelegt, sämtliche umweltrechtlichen
       Auflagen müssten erfüllt sein. TIB habe diese nicht erfüllt. Auch für einen
       Sportverein gäbe es keinen Sympathiebonus.
       
       Der aktuelle Stand ist nun der, dass der Bezirk einen anderen freien Träger
       sucht, der die Anlage übernimmt – möglichst einen, der von
       vereinsgebundenen Angeboten absieht.
       
       Die TiB sei bereit, die meisten Sportgeräte vor Ort zu belassen, sagte der
       Vorsitzende Russ dieser Tage zur taz. Aus buchhalterischen Gründen müsse
       man sie aber direkt an den Nachfolger übergeben. Wann das der Fall sein
       wird und die Anlage wieder offen ist, das liege nicht in der Hand der TiB.
       
       Nur den Kinderbauernhof gibt es noch als betreute Anlaufstelle im Park.
       Warum SpOrt 365 jetzt zu ist, „versteht niemand von uns“, sagt
       Bauernhofmitarbeiter Schulze. Seit 10, 12 Jahren sei SpOrt 365 das erste
       Projekt, das im Görli umgesetzt worden sei. „Richtig gut und unkompliziert
       haben die das gemacht“. Aus und vorbei. Schöne Ostern werden das.
       
       5 Apr 2023
       
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