# taz.de -- Pantone-Farbe des Jahres: Free Magenta!
       
       > Die US-Firma Pantone hat ihren „Viva Magenta“-Ton zur Farbe des Jahres
       > ausgerufen. Aus Protest haben Künstler zur Demokratisierung der Farben
       > aufgerufen.
       
 (IMG) Bild: Außen: Pantone-Farbe Viva Magenta und innen: Farbwert Viva Meh-genta
       
       Viva Magenta“ ist der „unkonventionelle Ton in einer unkonventionellen
       Zeit“, er ist „mutiger und angstloser Rotton“, der „ein neues Signal der
       Stärke“ demonstriert und ein „freudiges und optimistisches Feiern“ und
       „rebellischen Geist“ repräsentiert. Was sich liest wie eine Parodie auf
       Marketing, das den Zeitgeist zum Kunden machen will, ist echte Werbung. Sie
       stammt vom US-amerikanischen Farbkonzern Pantone, der damit seine von ihm
       ausgerufene [1][„Farbe des Jahres 2023“] bewirbt.
       
       Sicher, die politische Besetzung der Farben ist alt: Rot war der
       Kommunismus, braun waren die Nazis. Es ist naheliegend, dass in einer Welt,
       die von sich behauptet, postideologisch zu sein, eine Farbe mit
       Aufmüpfigkeit assoziiert werden soll, die eher an zuckriges Plastik als an
       Revolution erinnert. Auch wenn sie besser mit „Himbeergeist“ als mit
       „rebellischem Geist“ getroffen wäre.
       
       Aber das ist dem in Farben und Phrasen investierenden Unternehmen, das sich
       „Pantone Color Institute“ nennt, egal. Seit der Jahrtausendwende ruft es
       die Farbe des Jahres aus, was nicht weiter interessant wäre, würden nicht
       Mode, Kunst, Innen-, Industrie- und Grafikdesigner darauf reagieren.
       
       ## Gegen die Monopolisierung
       
       Aber nun herrscht Krieg im Farbspektrum. Gegen die Monopolisierung der
       Farben gibt es Widerstand. Einer der Auslöser: Wer künftig Bilddateien mit
       Adobe Photoshop öffnet, wird statt Farben oft Schwarz sehen. Es handelt
       sich dabei um die von Pantone hergestellten Farben. Und die gibt es bald
       nur noch dann, wenn man ein Extra-Abo bei dem Unternehmen abschließt.
       
       Der britische Künstler Stuart Semple hat danach zur Befreiung der Farben
       von ihrer Kommerzialisierung aufgerufen. Extra dafür hat er den Farbton
       „Viva Meh-Genta“ kreiert. Diesen stellt er ohne Copyright allen zur
       Verfügung. Außerdem hat er [2][angekündigt, eine neue Bewegung zu gründen],
       die jedes Jahr eine demokratische Variante, die „Volksfarbe des Jahres“
       wählen soll.
       
       Es sei an der Zeit, die Diktatur der „Big Colour“ zu stoppen, die uns
       diktiere, wo wir den Zugang zu Farben herbekommen und welchem Trend wir
       folgen. Stuart Semple wiederum verweist dann auf [3][seine Homepage, wo man
       seinen Magenta-Ton kaufen könne,] als Akt gegen „Big Colour“, wie er die
       Farbindustrie in Anlehnung an „Big Pharma“ nennt. „Wenn wir diese Schlingel
       stürzen wollen, brauche ich so viele von euch wie möglich auf dieser
       Reise.“
       
       Semple ist als Aufrührer bekannt. Er führte 2016 den Protest gegen den
       Künstler Anish Kapoor an, der behauptete, das schwärzeste Schwarz der Welt,
       Vantablack, hergestellt zu haben. Um gegen die Monopolisierung des
       Materials in der Kunst zu demonstrieren, bot Semple das „pinkeste Pink“ zum
       Verkauf an. Anish Kapoor aber verbot er, die Farbe zu kaufen: „Wir erinnern
       uns alle an die Kinder in der Schule, die ihre Farbstifte nicht teilen
       wollten. Am Ende blieben die ohne Freunde. Anish kann sein Schwarz
       behalten. Aber der Rest von uns wird mit dem Regenbogen spielen.“ Solange
       sich Semples Jugendbewegung nicht das Motto „Magentisiert Euch“ gibt, bin
       ich dabei.
       
       9 Jan 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.pantone.com/eu/de/artikel/color-of-the-year/what-is-viva-magenta
 (DIR) [2] https://www.instagram.com/p/ClwxMxAL5TF/
 (DIR) [3] https://culturehustle.com/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Doris Akrap
       
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