# taz.de -- Deutscher Erfolg bei der Darts-WM: Viel mehr geht nicht
       
       > Trotz des Scheiterns im WM-Halbfinale schreibt Gabriel Clemens deutsche
       > Darts-Geschichte. Nun kann er sich in der Weltspitze etablieren.
       
 (IMG) Bild: Nicht weltmeisterlich: Gabriel Clemens (l.) wirft noch nicht so genau wie Michael Smith
       
       Am Ende hat es nicht gereicht. Gabriel Clemens, [1][„The German Giant“],
       hat zwar als erster Deutscher überhaupt das Halbfinale einer Darts-WM
       erreicht und in demselben noch den einen oder anderen deutschen Rekord
       aufgestellt. Aber das Halbfinale selbst war für ihn, bislang die Nummer 25
       der Welt, Endstation. „Bully Boy“ Michael Smith, hernach zum dritten Mal
       Finalist [2][einer Weltmeisterschaft], war einfach zu stark für den
       Deutschen, der immerhin im „Order of Merit“, der Weltrangliste, weit nach
       vorne gespült wird, nämlich bis auf Rang 19.
       
       6:2 hieß es am Ende relativ deutlich für Smith; mithalten konnte Clemens
       nur bis zum 2:2. Woran lag es? Clemens, mit 39 Jahren sieben Jahre älter
       als Smith, schraubte sein grundsolides Spiel in diesem Halbfinale zwar
       noch einmal weiter nach oben. Der Unterschied zur absoluten Weltspitze
       zeigte sich aber in den „High Finishes“, von denen Smith nicht weniger als
       sechs warf. Clemens schaffte es hingegen nicht ein einziges Mal, einen Wert
       von 100 oder mehr auszuwerfen. Auch sein „average“, also sein
       durchschnittlicher Wurfwert, konnte nicht an den von Smith heranreichen.
       
       Trotzdem bleibt die WM 2023 für den Saarländer ein voller Erfolg. So weit
       hatte es bislang noch kein Deutscher bei dem wichtigsten und
       prestigeträchtigsten aller Darts-Turniere geschafft. Der Clou war dabei
       natürlich der Sieg über [3][den exzentrischen Weltranglistenersten Gerwyn
       Price] aus Wales, der allerdings von sich selbst und anderen ziemlich
       überschätzt wird. Seinen Platz an der Sonne wird Price an den Weltmeister
       2023 abgeben.
       
       Unvergesslich bleiben wird sein Auftritt mit Schallschutzkopfhörern bei der
       verdienten 1:5-Niederlage gegen den saarländischen Sportler des Jahres
       2020. Price ist bei den Fans im „Ally Pally“, dem Londoner Austragungsort
       Alexandra Palace, aufgrund seines Gebarens seit jeher nicht gut gelitten.
       Clemens dagegen versprühte stets eine angenehme, sympathische Aura. Die
       Wahl des Oasis-Songs „Wonderwall“ als Einlaufmusik trug das ihrige dazu
       bei, dass der „German Giant“ insgesamt gut ankam.
       
       ## Top 4 auf anderem Niveau
       
       Ob das Erreichen des Halbfinals für ihn die gläserne Decke bleibt, wird
       sich in diesem Jahr herausstellen müssen. Neben Schindler und vielleicht
       Hempel bildet Clemens die deutsche Pfeilspitze im Darts; um zu den Top 4
       der Welt aufzuschließen, braucht es noch einen Schritt über das grundsolide
       Spiel hinaus. Michael Smith und Michael van Gerwen spielen da ein deutlich
       anderes Niveau. Möglich ist, sich mit den gestürzten Ex-Weltmeistern Price
       und Wright dauerhaft auf den folgenden Plätzen zu etablieren. Gabriel
       Clemens ist das durchaus zuzutrauen.
       
       Für das deutsche Darts und den Spartensender Sport1 ist Clemens Erfolg
       natürlich ebenso einer. Einen Boris-Becker-Effekt wird es allerdings nicht
       geben, denn der Boom dieser Fernseh-, Konzentrations- und
       Präzisionssportart, die von der Kneipe in die großen Hallen fand, hat in
       Deutschland im Grunde eh schon nie geahnte Höhen erreicht. Mehr geht so
       schnell nicht.
       
       Die Zeiten, in denen man aus dem Nichts Weltmeister werden kann wie zuletzt
       Rob Cross 2018, sind ebenso vorbei wie die, sich kontinuierlich nach oben
       zu steigern – es gibt unterhalb der Top 4 eine zu hohe Dichte an sehr guten
       Spielern, auch wenn Profis wie Stephen Bunting oder Dave Chisnall es
       diesmal nicht so weit gebracht haben wie Clemens. Der Saarländer wird wie
       Freund und Konkurrent Martin Schindler aber in jedem Fall dazugehören. Und
       das ist doch auch schon mal was.
       
       Was jetzt nach dieser WM folgt, sind zahlreiche Turniere, wie sie in aller
       Undurchschaubarkeit hintereinander irgendwo stattfinden. Premier League,
       Masters, UK Open, you name them. Volle Hallen, viel Bier, viel Karneval,
       das Fernsehen meist live dabei, aber alles nicht von dem Niveau der WM im
       „Ally Pally“. Wir schalten dann zur Weihnachtszeit wieder ein. Alle Jahre
       wieder.
       
       3 Jan 2023
       
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