# taz.de -- Kapitol-Ausschuss in den USA: Kongress empfiehlt Trump-Anklage
       
       > Der Untersuchungsausschuss zum Sturm auf das Kapitol im Januar 2021
       > spricht sich für eine Anklage Trumps aus. Das letzte Wort haben aber
       > andere.
       
 (IMG) Bild: Demokrat Bennie Thompson, Vorsitzender des U-Ausschusses, nach der Sitzung am Montag
       
       Washington taz | Der US-Untersuchungsausschuss zum Angriff auf das Kapitol
       am 6. Januar 2021 hat in seiner wahrscheinlich letzten öffentlichen
       Anhörung endlich das verkündet, worauf viele Menschen fast zwei Jahre lang
       gewartet haben. Die Mitglieder des Ausschusses haben sich einstimmig dafür
       entschieden, dem US-Justizministerium eine Empfehlung auszusprechen, welche
       vorsieht, Ex-Präsident Donald Trump für seine Rolle beim Sturm auf das
       Kapitol strafrechtlich zu verfolgen. Dies verkündete der demokratische
       Abgeordnete Jamie Raskin während der nur etwas mehr als 60-minütigen
       Anhörung am Montag in Washington.
       
       „Der Untersuchungsausschuss ist davon überzeugt, dass mehr als genug
       Beweise existieren, um Ex-Präsident Donald Trump wegen seiner Rolle beim
       gewalttätigen Aufstand gegen das US-Kapitol strafrechtlich zu verfolgen“,
       sagte Raskin.
       
       Der Untersuchungsausschuss, der aus sieben Demokraten und zwei
       Republikanern besteht, verkündete insgesamt vier potenzielle Anklagepunkte
       gegen Trump, die an das Justizministerium weitergeleitet werden sollen.
       
       Bei den Anklagepunkten handelt sich um Behinderung eines offiziellen
       Verfahrens, Verschwörung zum Betrug an den Vereinigten Staaten,
       Verschwörung zur Falschaussage sowie Unterstützung und Anstachelung zu
       einer Gewalttat.
       
       Während der Anhörung wurde nochmals veranschaulicht, wie Trump und dessen
       Mitstreiter nichts unversucht ließen, um den Wahlsieg des Demokraten Joe
       Biden in letzter Sekunde doch noch zu verhindern. Auch mehr als zwei Jahre
       nach seiner Wahlniederlage behauptet der frühere Fernsehstar und
       Immobilienunternehmer noch immer, er habe die Wahl nur aufgrund von
       Wahlbetrug verloren. Mehr als 60 Gerichtsverfahren haben jedoch bewiesen,
       dass es bei der Wahl im November 2020 zu keinem großangelegten Wahlbetrug
       gekommen war.
       
       Das schlechte Abschneiden von Kandidaten, die Trumps Lüge vom
       großangelegten Wahlbetrug auch im Vorfeld der US-Kongresswahlen im letzten
       Monat als Wahlkampfthema nutzten, hat gezeigt, dass diese widerlegbaren
       Falschaussagen in der US-Bevölkerung immer weniger Anklang finden.
       
       ## Trump im Zentrum der „Big Lie“-Theorie
       
       „Ich denke, dass nach fast zwei Jahren endlich eine Zeit der Reflexion und
       Abrechnung gekommen ist. Wenn wir als eine gesetzestreue und demokratische
       Nation weiter bestehen wollen, dann darf so etwas nie wieder passieren“,
       sagte der demokratische Abgeordnete und Leiter des Untersuchungsausschusses
       zum 6. Januar Bennie Thompson.
       
       Der Ausschuss, der spätestens am 3. Januar 2023 aufgelöst werden wird, hat
       während der vergangenen 18 Monate mehr als 1.000 Interviews geführt, zehn
       öffentliche Anhörungen abgehalten und mehr als eine Million Dokumente
       gesammelt.
       
       Dies und die aufgezeichneten Aussagen von Dutzenden von Trumps engsten
       Vertrauten haben gezeigt, dass der Ex-Präsident im Zentrum der
       Verschwörungstheorie stand, die als „Big Lie“ bekannt wurde und das
       Vertrauen von vielen Menschen in das amerikanische Wahlsystem zutiefst
       erschüttert hatte.
       
       „Wenn das Vertrauen zerbrochen ist, dann ist es auch unsere Demokratie.
       Donald Trump hat das Vertrauen zerbrochen“, sagte Thompson während der
       Anhörung.
       
       [1][Trump, der seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2024 bereits
       bekannt gegeben hat], zeigte sich wie erwartet wenig beeindruckt vom
       Untersuchungsergebnis des Ausschusses. Auf seinem eigenen sozialen Netzwerk
       Truth Social sagte er, diese unechten Anklagepunkte seien bereits während
       seines zweiten [2][Amtsenthebungsverfahrens] behandelt worden. Der
       US-Senate hatte ihn damals freigesprochen.
       
       Doch im Gegensatz zu damals liegt Trumps politische und auch private
       Zukunft diesmal nicht in der Hand von politischen Unterstützern oder
       Gegnern, sondern allein bei der US-Justizbehörde. Justizminister Merrick
       Garland ernannte Jack Smith im vergangenen Monat als leitenden
       Sonderermittler für alle Untersuchen in Bezug auf Trump.
       
       „Ich habe vor, die mir zugeteilte Untersuchung und jegliche
       Strafverfolgung, die daraus resultieren sollte, unabhängig und in der
       besten Tradition des US-Justizministeriums durchzuführen“, erklärte Smith
       im November.
       
       ## Nächster Schritt Anklage?
       
       Neben der Empfehlung zur strafrechtlichen Verfolgung für Trump am Montag
       veröffentlichte der Untersuchungsausschuss auch die Namen von fünf
       republikanischen Abgeordneten, die eine Aussage während der Untersuchung
       trotz Strafandrohung verweigert hatten.
       
       Sollte das US-Justizministerium den Empfehlungen des
       Untersuchungsausschusses nachgehen und Anklage gegen Trump erheben, dann
       drohen dem Ex-Präsidenten eine langjährige Gefängnisstrafe sowie ein
       Verbot, jemals wieder ein öffentliches Amt zu bekleiden.
       
       20 Dec 2022
       
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