# taz.de -- Parteitag des südafrikanischen ANC: Ramaphosa bestätigt, ANC zerrissen
       
       > Südafrikas Regierungspartei bestätigt trotz dubioser privater
       > Geldgeschäfte den Präsidenten Cyril Ramaphosa als Vorsitzenden und
       > Kandidaten.
       
 (IMG) Bild: Hat sich gegen alle Widersacher durchgesetzt: Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa
       
       Kapstadt taz | Südafrikas Präsident [1][Cyril Ramaphosa] bleibt
       Parteivorsitzender des African National Congress (ANC) und wird die Partei
       auch 2024 als Kandidat in den Präsidentschaftswahlkampf führen. Das
       entschied der ANC-Parteitag am Montag mit klarer Mehrheit.
       
       Doch der ANC ist zerrissen wie nie.
       
       Er begann bereits am Donnerstag, dem nationalen „Versöhnungstag“, wenig
       versöhnlich, sondern mit Krawallen: Ramaphosas Eröffnungsrede wurde
       mehrfach unterbrochen, vor allem von den rund 900 Delegierten aus
       KwaZulu-Natal, der Heimatprovinz des wegen Korruption 2018 entlassenen
       Ex-Präsidenten Jacob Zuma, der jetzt als „einfacher Delegierter“ von seinen
       Anhängern als Held begrüßt wurde.
       
       Noch am Vorabend hatte Zuma eine Anzeige gegen seinen Nachfolger Ramaphosa
       eingereicht, um dessen erneute Kandidatur zu verhindern. Gleichwohl weiß
       jeder in Südafrika, dass gegen Zuma selbst weiterhin mehr als 70 Verfahren
       wegen Korruption laufen, denen er sich bislang mit allen möglichen
       Verzögerungstaktiken entzogen hat.
       
       ## Korruptionsvorwürfe auf allen Seiten
       
       Zumas Anhänger riefen nun lauthals zwei Begriffe als Protest gegen
       Ramaphosa: „Load Shedding“ als Schlagwort für inzwischen nicht nur die
       Wirtschaft schädigende tägliche Stromausfälle von sechs Stunden und mehr –
       selbst wenn die viel mit mangelnder Instandhaltung unter Zuma zu tun haben.
       Auch Krankenhäuser, Schulen und viele mittelständische Betriebe treffen die
       Folgen hart.
       
       Und „Phala Phala“ als Beleg für dubiose private Geldgeschäfte von Ramaphosa
       auf seiner gleichnamigen Rinderfarm, wo mehr als eine halbe Million
       steuerlich nicht gemeldete US-Dollar in bar gestohlen worden waren, ohne
       dass es zu einer Anzeige kam. Der Untersuchungsbericht einer unabhängigen
       Kommission, die die Umstände geklärt haben wollte, wurde [2][von der
       ANC-Mehrheit im Parlament abgelehnt].
       
       So hilfreich eine klärende Offenlegung von Ramaphosa gewesen wäre, so
       bezeichneten viele internationale Medien sein Verhalten fälschlich als
       staatliche Korruption eines Präsidenten, der genau dagegen angetreten war.
       Was oder wer auch immer durch sein Schweigen geschützt werden sollte, so
       machte Ramaphosa doch in seiner Eröffnungsrede deutlich, dass die
       Empfehlungen der unabhängigen Kommission gegen „State Capture“ (Missbrauch
       staatlicher Gelder) von Richter Raymond Zondo umso konsequenter weiter
       umgesetzt werden müssten. Er selbst hat – anders als Jacob Zuma – mit der
       Kommission kooperiert und ist den Vorladungen gefolgt.
       
       Dies wiederum erzürnte einige seiner parteiinternen Gegner*innen noch
       mehr: Drei ANC-Prominente hielten außerhalb des Konferenz-Centers hielten
       eine Versammlung mit gut 100 Unterstützer*innen ab, in der sie
       Ramaphosa vorwarfen, ein „krimineller Diktator“ zu sein, den sie „bis zum
       Ende bekämpfen“ würden.
       
       ## Die Suche nach der Einheit
       
       Die Abtrünnigen waren der wegen Korruptionsanklagen entlassene ehemalige
       ANC-Generalsekretär Ace Magashule, dann der für die Pro-Zuma-Krawalle im
       Juli 2021 mit über 200 Toten mitverantwortliche Carl Niehaus, dessen
       ANC-Mitgliedschaft erst kürzlich gekündigt wurde – und schließlich die
       gegenwärtige Ministerin für Tourismus, Lindiwe Sisulu, deren eigene
       Präsidentschaftskandidatur bereits im Vorfeld an mangelnder Unterstützung
       gescheitert war.
       
       Um dem Motto des Parteitags „Einigkeit durch Erneuerung“ zu entsprechen,
       einigten sich die Delegierten in der Nacht auf Sonntag darauf, dass der
       neue Parteivorstand aus 7 statt bisher 6 Mitgliedern bestehen würde, davon
       mindestens drei Frauen. Und es soll zwei Vize-Parteivorsitzende geben,
       davon mindestens eine Frau.
       
       Für die Position des Parteivorsitzenden, der damit auch ANC-Kandidat als
       nächster Präsident Südafrikas bei den nationalen Wahlen 2024 sein würde,
       traten am Ende Cyril Ramaphosa und der ehemalige Gesundheitsminister und
       ebenfalls wegen Korruptionsverdacht 2021 entlassene Zweli Mkhize an.
       Immerhin hatten die Delegierten dreier von insgesamt neun Provinzen
       Südafrikas ihre Unterstützung für Mkhize bekannt gegeben.
       
       Spannend blieb es bis zuletzt: Dann aber erhielt Cyril Ramaphosa doch eine
       deutliche Mehrheit von 2.476 Stimmen gegenüber Zweli Mkhize mit 1.897.
       Durchaus positiv ist, dass der bisherige ANC-Schatzmeister Paul Mashatile
       zum stellvertretenden Pateivorsitzenden mit 2.178 Stimmen gewählt wurde,
       gerade weil er nicht zum Ramaphosa-Lager gerechnet wird. Beiden kann
       zugetraut werden, für die viel beschworene Einheit des ANC
       zusammenzuarbeiten.
       
       19 Dec 2022
       
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