# taz.de -- Behandlung von Menschen mit Behinderung: Bremer Zentrum macht dicht
       
       > Trotz der Vorwarnungen: Das Bremer Zentrum, an dem Erwachsene mit
       > geistigen oder schweren Mehrfachbehinderungen behandelt wurden, hat
       > dichtgemacht.
       
 (IMG) Bild: Schon lange demonstrieren Menschen für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
       
       Bremen taz | Nur gut ein Jahr war es geöffnet, nun hat es wegen
       Personalmangels dichtgemacht und steht mindestens vorübergehend keinen
       Patient*innen zur Verfügung: [1][das Medizinische Behandlungszentrum]
       für Erwachsene mit geistigen und/oder schweren Mehrfachbehinderungen (MZEB)
       in Bremen. Für die Betroffenen bedeutet das, vorerst keinen Ort mehr zu
       haben, an dem sie vor Ort oder in ihrem Zuhause über einen längeren
       Zeitraum beraten und behandelt werden – mit mehr Zeit und Expertise als in
       der normalen Versorgung.
       
       Anfang des Monats hatte der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen
       Vereinigung Bremen beschlossen, das MZEB zu schließen, sagt ein Sprecher
       der taz. Es gebe außerdem Gespräche, ob und wann das MZEB wieder öffnen
       könnte. Eigentlich wäre die sogenannte Ermächtigung für den Betrieb bis
       2025 gelaufen.
       
       Das Zentrum ist am Klinikum Mitte angesiedelt, einem Haus des städtischen
       Klinikverbunds Gesundheit Nord (Geno). Sprecherin Karen Matiszick nennt als
       Grund für die Entscheidung des Ausschusses, dass die ärztliche Leitung des
       Zentrums nach wie vor fehle. Diese ist seit ein paar Monaten krank. „Erst
       im Juli können wir die Stelle wieder voll besetzen“, sagt sie.
       
       Einen Nachfolger gebe es, aber eben erst ab dann. Aus Geno-Sicht sei es
       „feste Absicht“, dann wieder ganz normal zu öffnen. Dies habe man auch mit
       dem Zulassungsausschuss vereinbart. Sechs weitere Angestellte arbeiteten am
       MZEB, das zuletzt 44 Patient*innen behandelt hat.
       
       ## Landesbehindertenbeauftragter übt schwere Kritik
       
       Der Martinsclub betreut in Bremen Menschen mit Behinderung. Nico Oppel
       arbeitet dort als Fachleitung Wohnen. Das mit dem MZEB „etwas im Argen
       ist“, habe er bereits bemerkt. Schon vor Wochen hatten sich
       Landesbehindertenbeauftragter und Träger [2][über lange Wartezeiten
       beschwert]. Dass das MZEB jetzt dicht macht, sei ein „Schlag ins Gesicht“,
       sagt Oppel. Die Versorgung, gerade für Menschen mit komplexen
       Hilfebedarfen, für die man Zeit benötigt, sei ohnehin schwierig.
       
       Das MZEB „war ein guter Ort, für unsere Klientel und Mitarbeitende“, sagt
       Oppel. Letztere müssten für die Patient*innen schließlich Termine
       vereinbaren und diese dann „von Arzt zu Arzt begleiten, bis jemand eine
       Aussage treffen kann“. Im MZEB mit seinem multiprofessionellen Ansatz habe
       man in Ruhe geschaut, wo das Problem liegen könnte – entlastend, auch für
       die Betreuenden.
       
       Für einen seiner Klienten habe Oppel schon ewig einen Arzt gesucht. Schon
       bei Blutabnahmen habe dieser sich gewehrt. „Ein Kollege hat sich mal vor
       ihm Blut abnehmen lassen, um zu zeigen, dass es nicht so schlimm ist.“ Im
       MZEB habe der Klient dann plötzlich eine Untersuchung zugelassen und sogar
       selber einen zweiten Termin eingefordert. „Das ist jetzt extrem
       frustrierend. Da motiviert man jemanden, und jetzt gibt es das Angebot
       nicht mehr“.
       
       Als [3][„schweres Versäumnis“ und „Verstoß gegen geltendes Recht]“
       bezeichnet der Landesbehindertenbeauftragte Arne Frankenstein die
       Schließung. Er selbst habe bereits mehrfach auf Verbesserungen gedrängt.
       Zum Beispiel sei die Kooperation innerhalb des Klinikums Mitte mit anderen
       Abteilungen nicht ausreichend. Der Standort müsse nun zumindest geprüft
       werden, fordert Frankenstein. Auch, weil viele Patient*innen des MZEB
       „erhebliche psychiatrische Diagnosen“ haben. Die Politik müsse zudem die
       Mittel für ein besseres Konzept bereitstellen.
       
       Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) „schmerzt das Aus für das
       MZEB sehr“. Sie habe in den vergangenen Tagen bereits mit vielen
       Beteiligten gesprochen. „Bis spätestens zum Sommer muss gemeinsam mit
       diesen Beteiligten das bisherige Konzept überarbeitet werden. Die
       Einrichtung des MZEBs muss nachhaltig gewährleistet sein.“
       
       14 Dec 2022
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alina Götz
       
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