# taz.de -- Weihnachten für umme (12): Ein Schloss wird zur Wärmestube
       
       > taz-Adventskalender: Im Humboldt Forum gibt es in diesem Winter eine
       > Wärmestube. Es kommen vor allem diejenigen, denen das Geld zum Heizen
       > fehlt.
       
 (IMG) Bild: Prominenter Ort zum Aufwärmen: Im Humboldt Forum befindet sich die Wärmestube der Johanniter
       
       Die taz Berlin sucht in Zeiten von Inflation und Energiekrise Türchen für
       Türchen nach Wegen, wie es ganz ohne Geld etwas werden kann mit dem ach so
       besinnlichen Fest. 
       
       Wer vor dem [1][Berliner Schloss] – oder auch: Humboldt Forum – steht,
       denkt wohl kaum daran, dass dies ein Ort für wohnungslose und arme Menschen
       sein könnte. Im Gegenteil: Alles an der gefakten Bombast-Architektur atmet
       Geld und Größenwahn, alles im Inneren zielt auf bürgerliche
       Kulturbeflissenheit. Und doch gibt es hier seit dem 1. Dezember einen
       [2][„Ort der Wärme“], an dem „jede und jeder“ willkommen ist, wie es in der
       Broschüre der Johanniter heißt. Die Hilfsorganisation betreibt das Ganze.
       
       Täglich außer dienstags, wenn das Schloss geschlossen ist, bekommt man hier
       zwischen 14 und 18 Uhr Kaffee und Kuchen, kann im Warmen sitzen, etwas
       lesen oder sich im „Spendenladen“ bedienen. Das klingt etwas hochtrabend,
       eigentlich ist es nur ein Regal mit Pullovern, Wäsche, Hygieneartikeln.
       Aber man sollte nicht meckern, denn: Alles ist für umme.
       
       ## Dunkelgrau wie der Himmel
       
       Eine Woche nach der Eröffnung ist an diesem Nachmittag nicht viel los. Fünf
       Männer sitzen zumeist einzeln an den Café-Tischen, einer schläft im Sitzen.
       Es ist in der Tat warm, nur nicht sehr gemütlich. Das Mobiliar schwarz und
       modern-kühl, der Tresen, auf dem die Kaffee-Thermoskannen stehen und ein
       Glasschrank mit Kuchen, dunkelgrau wie der Himmel.
       
       Hinter dem Tresen steht Dietrich Heuer. Der langjährige [3][Mitarbeiter der
       Kältehilfe] der Johanniter kennt viele der Gäste, etwa die Hälfte seien
       „Stammkunden“ aus den Johanniter-Notunterkünften für Wohnungslose. „Anfangs
       kamen nur drei bis vier am Tag, aber die letzten beiden Tage waren es um
       die 20.“
       
       Bis 31. März dürfen sich hier, in der Südwest-Ecke des Schlosses, rechts
       vom Portal 3, nun all jene für ein paar Stunden erholen, denen das Leben
       nicht so gut mitspielt. „Die meisten unserer Gäste haben eine Wohnung“,
       betont Heuer, „aber sie haben durch Inflation und Energiekrise kein Geld
       zum Heizen“.
       
       „Hier bin ich zum zweiten Mal, die Atmosphäre ist hervorragend“, sagt ein
       Weißbärtiger, der seinen Namen nicht nennen will. Sonst hänge er tagsüber
       viel am Alex ab mit seinen wohnungslosen Freunden, er selbst habe aber eine
       Wohnung. Seine Antwort auf die Frage, ob er nicht mal in die Ausstellungen
       im Schloss gehen will, schließlich sind die meisten ebenfalls umsonst, ist
       kurz: „Nö.“
       
       12 Dec 2022
       
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