# taz.de -- Diversität Schwarzer Positionen: Von fragwürdigen Empfehlungslisten
       
       > Als unsere Autorin auf Social Media auf Empfehlungslisten von
       > PoC-Accounts stieß, fand sie das hilfreich. Bis sie sich selbst auf so
       > einer Liste fand.
       
 (IMG) Bild: Unser Autorin versteht sich als Teil Schwarzer Vielstimmigkeit – und wünscht sich Differenzierung
       
       Ich habe mir mein Leben so eingerichtet, dass ich nur selten die einzige
       Schwarze Person im Raum bin. Viele meiner ersten Bezüge zur Schwarzen
       Community in Deutschland fand ich über Social Media. Darum ist es mir
       besonders wichtig, auch dort weiter Schwarze Positionen, Themen und
       Debatten mitzubekommen.
       
       Neu auf Mastodon, schaue ich dort gerade, wem ich so folgen kann. Als
       Listen mit [1][Accounts Schwarzer Personen] geteilt wurden, fand ich das
       erst mal hilfreich. Bis ich selbst auf so einer Empehlungsliste stand und
       ein bisschen beleidigt war, Teil der Aufzählung zu sein.
       
       Die Menschen, die aufgezählt wurden, waren alle PoC – doch ich fand mich
       dort in einer Reihe mit Leuten, deren politische oder inhaltliche
       Positionen in vielen Punkten konträr zu meinen sind. Damit hat mir die
       Liste keinen Spaß mehr gemacht. Bei aller Sehnsucht nach Community: Es ist
       auch extrem nervig, ständig mit anderen Schwarzen in einen Topf geworfen zu
       werden. Ich finde es nicht zielführend und auch ein bisschen langweilig,
       wenn „die Person ist Schwarz und sie sagt Sachen“ das einzige Kriterium
       ist, um auf einer gemeinsamen Account-Liste, einem Podium oder in einem
       Sammelband zu landen.
       
       Oft genug saß ich bei Podiumsdiskussionen [2][im Theater] und dachte mir:
       Wenn es keinen Rassismus gäbe, dann würde mich nichts mit den
       Kolleg*innen verbinden. Wir haben andere Inhalte, eine andere Ästhetik,
       kommen aus unterschiedlichen Theaterschulen und wären uns in einer
       gerechten, rassismusfreien Theaterlandschaft nie über den Weg gelaufen.
       Diese Gesprächsrunde kann nur immer wieder um Rassismuserfahrungen kreisen.
       Wir haben uns sonst nichts zu sagen.
       
       ## Schwarze Menschen sind so divers wie weiße
       
       Ich möchte Schwarze Menschen nicht zusammenpacken, nur weil sie Schwarz
       sind. Ich bin gern Teil einer lauten Schwarzen Vielstimmigkeit: niemals
       alleine, sondern immer in solidarischen Zusammenschlüssen. Ich freue mich,
       wenn Menschen sich freuen, in mir eine Schwarze Verbündete gefunden zu
       haben. Aber wer mich einlädt oder bei mir reinfolgt, weil ich Schwarz bin,
       wird vielleicht enttäuscht sein von meinem Interesse an Stadtpolitik,
       meiner Vorliebe für laute Gitarrenmusik oder meiner Ablehnung von Spoken
       Word und dem [3][neuen Beyoncé-Album].
       
       Mein Insta besteht aus vielen Antirassismusposts, aber eben gemischt mit
       nerdy Theater-Content und Rezepten. Muss man mögen. Ich finde es wichtig,
       viele unterschiedliche Intersektionen zum Schwarzsein öffentlich
       repräsentiert zu sehen, aber es geht mir nicht darum, weitere
       Positionierungen in die Listen zu packen. Ich suche Interessen und
       Haltungen. Ich will nicht auf eine Liste mit Schwarzen cis Frauen mittleren
       Alters, sondern auf eine mit Schwarzen Punks
       
       Schwarze Menschen sind so divers wie weiße Menschen auch. Sie sind nicht
       nur unterschiedlich positioniert. Sie vertreten auch unterschiedliche
       politische Positionen und Ansichten. Lasst uns unsere Folgeempfehlungen mal
       individueller kuratieren.
       
       5 Dec 2022
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Dede Ayivi
       
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