# taz.de -- Abtreibungsverbot in Malta: Einen Schritt voran
       
       > Malta hat eines der striktesten Abtreibungsverbote weltweit. Jetzt will
       > das Land Abbrüche erlauben – wenn die Gesundheit der Mutter in Gefahr
       > ist.
       
 (IMG) Bild: Demonstration gegen Maltas Abreibungsrecht im September in der Hauptstadt Valletta
       
       Valletta dpa | Malta will mit einer Gesetzesänderung Ärzten Abtreibungen
       erlauben, wenn die Gesundheit der Mutter in ernsthafter Gefahr ist. Die
       entsprechenden Zusätze sollen in der kommenden Woche im Parlament vorgelegt
       werden, erklärte Gesundheitsminister Chris Fearne am Mittwoch. Das kleinste
       EU-Land würde damit letztendlich sein [1][Pauschalverbot für Abtreibungen]
       beenden.
       
       In Malta führen Ärzte bereits jetzt Schwangerschaftsabbrüche durch, wenn
       ein Risiko für das Leben der Frau besteht. Streng genommen verstößt das
       gegen das Gesetz und den Ärzten drohen dafür bis zu vier Jahre Haft. Auch
       Mütter, die dazu einwilligen, können dafür ins Gefängnis gehen.
       
       Die Gesetzesänderung würde Klarheit schaffen und jegliche Gefahr für Mütter
       und Ärzte, hinter Gittern zu landen, beseitigen. Eine Abtreibung ist damit
       möglich, wenn für das Leben der Frau ein Risiko besteht oder ihre
       Gesundheit in „ernsthafter Gefahr“ ist.
       
       Was genau als „ernsthafte Gefahr“ einzustufen ist, werden laut Fearne die
       Gesundheitsbehörden in Richtlinien festlegen. Die maltesische Gruppe
       Doctors for Choice (Ärzte für eine Wahl) begrüßte die Gesetzesänderung als
       „Schritt in die richtige Richtung“. Sie kritisierte aber, dass sie nicht
       weit genug gehe, weil Abtreibungen nach einer Vergewaltigung, bei Inzest
       oder bei vor der Geburt diagnostizierten Krankheiten oder Gendefekten
       weiter illegal blieben.
       
       Der Fall einer US-Amerikanerin im Sommer veranlasste die Gesetzgeber zur
       Nachbesserung. Die Frau befand sich damals in Malta, als klar wurde, dass
       ihr ungeborenes Kind nicht lebensfähig sein würde. Für die Abtreibung
       musste sie allerdings nach Spanien reisen. Die Geschichte ging
       international durch die Medien, woraufhin eine Gruppe von Ärzten eine
       Überarbeitung des Abtreibungsverbotes per Petition verlangte.
       
       17 Nov 2022
       
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