# taz.de -- Football-Profiklub zum Verkauf: Nichts für arme Millionäre
       
       > Die Washington Commanders könnten in der National Football League bald
       > zum Verkauf stehen. Doch wer mag sich den Traditionsklub noch leisten?
       
 (IMG) Bild: NFL-Ritual vor Spielbeginn: Dyami Brown von den Washington Commanders muss durch den Nebel
       
       [1][Kevin Durant kann ziemlich gut Basketball spielen.] So gut, dass ihm
       die Brooklyn Nets im Moment jährlich nahezu 50 Millionen Dollar für seine
       Dienste zahlen. Aber selbst für einen solch reichen Menschen hat sich
       Durant ein allzu teures Hobby ausgesucht: Der NBA-Superstar möchte einen
       Football-Verein kaufen.
       
       Nicht irgendein Team allerdings, sondern die Washington Commanders. Die
       sind nicht nur der Lieblingsverein des in der US-Hauptstadt geborenen und
       aufgewachsenen Durant, sondern einer der traditionsreichsten Klubs der NFL.
       Allerdings ist Washington aktuell auch die am schlechtesten geführte
       Franchise in den großen US-amerikanischen Sportligen – und trotzdem kein
       Schnäppchen. „Ich würde sehr gern ein bisschen was von meinem Geld geben,
       um wenigstens einen Teil der Commanders zu besitzen“, sagte Durant einem
       Sportsender. Eine realistische Einschätzung. Denn das Vermögen des
       34-Jährigen wird zwar auf mehr als 200 Millionen Dollar geschätzt, der Wert
       des Klubs aus Washington aber auf mehr als 5 Milliarden Dollar.
       
       Als Käufer werden deshalb auch ganz andere Namen gehandelt. [2][Jeff Bezos]
       soll etwa Interesse haben. Aber selbst für den Amazon-Chef dürfte der Preis
       zu hoch sein. Noch gehören die meisten NFL-Teams einzelnen Milliardären
       oder reichen Familien, aber diese Zeiten gehen zu Ende. Der Erfolg des
       umsatzstärksten Sportunterhaltungsbetriebs der Welt frisst seine Urheber:
       Die Franchises werden immer unbezahlbarer, und so dürfte auch Bezos nur
       Teil eines neuen Besitzerkollektivs sein.
       
       Wenn er denn zum Zug kommt. Commanders-Eigentümer Dan Snyder hat zwar eine
       Anwaltskanzlei beauftragt, „finanzielle Transaktionen sondieren zu lassen“.
       Aber noch sind es Gerüchte, dass er tatsächlich verkaufen will. Und
       Wunschdenken: Denn der 58-jährige Snyder ist der mit Abstand unbeliebteste
       Klubeigner im US-Sport.
       
       ## Viele Klagen gegen den Klub
       
       Die Fans hassen ihn, weil die Mannschaft unter seiner Regie erfolglos ist.
       Die Ureinwohner hassen ihn, [3][weil er sich jahrelang gesperrt hat gegen
       die Umbenennung des Teams] von Redskins in Commanders. Die Lokalpolitik
       hasst ihn, weil er sie seit Jahren zu erpressen versucht, seinem Klub ein
       neues Stadion bauen zu lassen. Ja, selbst seine NFL-Milliardärkumpels
       hassen ihn, weil er schlecht für das Image der Liga ist.
       
       1999 kaufte Snyder die damaligen Redskins für 800 Millionen Dollar. Seitdem
       hat er die einstmals ruhmreiche Franchise verkommen lassen. Nicht nur dass
       die Kapazität des Stadions von 90.000 auf 64.000 reduziert wurde, weil die
       Zuschauer wegbleiben. Aktuell laufen mehrere Untersuchungen und Klagen
       gegen den Klub, erst in der vergangenen Woche eröffnete ein Staatsanwalt
       ein Verfahren gegen die Commanders. Es geht um toxische
       Arbeitsplatzatmosphäre, um sexuelle Belästigung und finanzielle
       Unregelmäßigkeiten. Mehrere Frauen haben Vorwürfe erhoben gegen leitende
       Angestellte des Klubs, Snyder selbst soll in seinem Privatjet eine Frau
       attackiert haben. Dauerkartenbesitzer sollen um Geld betrogen, Abrechnungen
       manipuliert und Steuern hinterzogen worden sein.
       
       Snyder darf sich seit einer ligainternen Untersuchung von 2020 nicht mehr
       einmischen ins Tagesgeschäft seines Klubs, das nun – zumindest offiziell –
       von seiner Ehefrau geführt wird. Aber angesichts der Abgründe fragen sich
       viele, warum er überhaupt 23 Jahre lang Eigentümer eines NFL-Klubs bleiben
       durfte. Glaubt man Berichten seriöser Medien, soll Snyder von
       Privatdetektiven Material hat sammeln lassen, um andere Besitzer und
       NFL-Chef Roger Goodell erpressen zu können. Niemand weiß, was in diesen
       Akten stehen könnte, aber die Liga hat solch eine Angst vor weiteren
       Schmutzkampagnen, dass sie den Besitzer der Commanders mit Samthandschuhen
       anfasst.
       
       Jetzt hoffen viele, dass Snyder sich zurückziehen und den Klub verkaufen
       wird. Auch Kevin Durant: „Als Fan bin ich begeistert, wenn die Commanders
       zum Verkauf stehen.“ Der Basketballprofi schätzt seine Chancen aber eher
       gering ein: „Die Franchise ist eine der lukrativsten in der ganzen NFL, es
       wird eine Menge Leute geben, die den Klub kaufen wollen.“
       
       9 Nov 2022
       
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