# taz.de -- Völkische Plattform in der AfD Berlin: Fackel statt Flügel
       
       > Der AfD-Abgeordnete Thorsten Weiß hat in Berlin offenbar eine Plattform
       > für die völkische Strömung gegründet. Beim ersten Treffen war Höcke zu
       > Gast.
       
 (IMG) Bild: Das „Idearium“-Treffen war wohl eine Neuauflage von 2017, als Höcke in Berlin Flügel-Leute besuchte
       
       Berlin taz | Fackeln funktionierten für Faschisten schon immer gut. Man
       denke an Mussolini, an NS-Fackelzüge oder den Neo-Faschismus von Italiens
       Wahlsiegerin [1][Giorgia Meloni und ihrer Fratelli d’Italia]. Ob das auch
       der Grund war, warum das „Idearium“ ausgerechnet eine Fackel nebst
       Schriftzug des Namens vor hellblau-weißem Hintergrund auswählte: unklar.
       
       Der Verdacht scheint jedenfalls nicht ganz abwegig: Der ehemalige Obmann
       des [2][offiziell aufgelösten rechtsextremen AfD-Flügels] Thorsten Weiß hat
       mit „Idearium“ laut dem eigenen Telegram-Kanal ein „Debatten-Netzwerk“
       gegründet. Weiß sitzt für die AfD Berlin im Abgeordnetenhaus und ist
       bekennender Höcke-Fanboy, sagte einst zum Kopf des damals noch
       existierenden Flügels, Björn Höcke: „Du bist unser Anführer, dem wir gerne
       bereit sind zu folgen.“ [3][Faschistische Anklänge vermutlich intendiert].
       Höcke selbst ist hinlänglich bekannt für seinen Hang zu
       Geschichtsrevisionismus, antidemokratische und rassistische Propaganda
       sowie immer offener zu Tage tretender Umsturzrhetorik.
       
       Höcke selbst saß dann beim Auftakttreffen des „Ideariums“ am Abend des 10.
       Oktobers mit Thorsten Weiß als erster Gast auf dem Podium. Reden sollte er
       zum „Heißen Herbst“. Es ging aber offenbar auch um das alte
       Neonazi-Moblisierungsthema Anti-Antifa: Breit grinsend posierten Höcke und
       Weiß zusammen mit Mitgliedern der Jungen Alternative mit einer offenbar
       erbeuteten Antifa-Flagge, die mit JA-Stickern beklebt war. Weiß und die
       JA-Mitglieder halten die Antifa-Flagge auf dem Bild verkehrt herum, so wie
       es auch Fußball-Ultras oder -Hooligans mit geklauten Fan-Utensilien von
       rivalisierenden Teams machen.
       
       Die Gründung des Netzwerks erklärt Weiß auf dem neuen Telegram-Kanal mit
       bisher gut 200 Followern so: „Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen
       sich Parteien entwickeln – sowohl personell als auch inhaltlich.“ Laut Weiß
       soll das „Format Idearium“ als „innerparteiliche Plattform“ dienen, „um
       strategische Fragen zu diskutieren, neuen Ideen Raum zu geben und
       konstruktive Kräfte in der AfD, die ihre Entwicklung fördern und
       voranbringen wollen, zusammenzubringen“. So wichtig die „Einheit nach
       außen“ sei, so notwendig sei „nach innen das offene Wort“, für eine stetige
       „programmatische und personelle Optimierung“. Teilnahmeberechtigt waren
       ausschließlich Mitglieder der AfD, wie Weiß zuvor schrieb.
       
       ## Die üblichen Verdächtigen
       
       Demgegenüber scheint das „Idearium“ vor allem eine neue Berliner Plattform
       für [4][die üblichen Verdächtigen der völkischen Strömung] zu sein. Denn
       angesichts der weiteren Gäste wirkte es eher wie ein Auffangbecken für
       ehemalige Flügel-Vertreter*innen oder solche, die als Flügel-nah gelten: So
       waren die Berliner Abgeordneten Jeanette Auricht, Gunnar Lindemann, Hugh
       Bronson, Harald Laatsch sowie Andreas Wild und Landesschiedsrichter Michael
       Adam vor Ort.
       
       Ebenso waren JA-Kader wie Anna Leisten und die Brandenburger Landeschefin
       Birgit Bessin sowie der Landtagsabgeordnete und Compact-Mitarbeiter Lars
       Günther zu Besuch. Bessin gilt als engere Vertraute des Rechtsextremisten
       [5][Andreas Kalbitz, der lange Zeit als der mächtigste Strippenzieher des
       Flügels galt, bis seine Mitgliedschaft jedoch annulliert wurde].
       
       20 Oct 2022
       
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