# taz.de -- Wissenschaft und Politik: Ruf nach nationalen Expertenpanels
       
       > Was bedeuten die Krisenzeiten für wissenschaftliche Politikberatung?
       > Forschungsvertreter haben darüber diskutiert – im Bundestag.
       
 (IMG) Bild: Welche Schlüsse zieht die Politik daraus? Forschung zum Klimawandel bei der Mission Mission MOSAiC 2019
       
       Berlin taz | Um Ratschläge an die Politik ist die Wissenschaft generell
       nicht verlegen. Das Ausmaß der Expertengremien ist immens; die praktische
       Nutzung ihrer Expertisen dagegen vergleichsweise gering. Wie sich
       [1][wissenschaftliche Politikberatung] verbessern ließe, war am Mittwoch
       Thema eines öffentlichen Fachgesprächs im Forschungsausschuss des Deutschen
       Bundestages. Gehört wurden der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, der
       größten deutschen Forschungsorganisation, Otmar Wiestler, und der
       Generalsekretär des Wissenschaftsrates, Thomas May.
       
       Einig waren sich beide Seiten, dass die aktuellen Krisenlagen einen
       intensiveren Austausch zwischen Wissenschaft und Politik nötig machen.
       „Schon mit der Covid-19-Pandemie haben wir eine Krise erlebt, die sowohl
       eine globale als auch eine systemische Krise ist – mit enormen Auswirkungen
       auf viele verschiedene Teilsysteme unserer Gesellschaft“, stellte May fest.
       Dies verlange auch auf anderen Feldern wie etwa dem [2][Klimawande]l nach
       mehr systemarer Analyse und langfristiger Handlungsorientierung. Leider sei
       es zurzeit aber so, dass nach Wahrnehmung des Wissenschaftsrates sich die
       Ansätze zur Krisenlösung im politischen Bereich in erster Linie „auf Fragen
       der Finanzierung und der Finanzierungszuständigkeit“ reduzierten. Das sei
       den Herausforderungen nicht angemessen.
       
       Helmholtz-Chef Wiestler konnte der [3][Coronakrise] das Positivum
       abgewinnen, dass hier ein dauerhafter Expertenrat eingerichtet wurde, der
       die Bundesregierung in allen Aspekten der Pandemiebewältigung
       kontinuierlich begleitete. „Aber die grundlegende Debatte über die Zukunft
       des Gesundheitssystems in Deutschland steht uns erst noch bevor“, wandte
       Wiestler ein. Das Gleiche gelte für die Riesenbaustelle der
       Energieversorgung, bei der aktuell noch die Auswirkungen von Putins
       Ukrainekrieg zu schultern sind. Klima, Mobilität und digitale
       Transformation seien weitere Problemlagen.
       
       Wiestlers Vorschlag war, für diese Megathemen „nationale Expertenpanels“
       einzuberufen, die mit den besten Wissenschaftlern der jeweiligen
       Fachgebiete zu besetzen wären. Herauskommen müsste beispielsweise ein
       „nationaler Energieplan“ zur langfristigen Entwicklung von Forschung und
       Infrastruktur, wie ihn etwa der US-Bundesstaat Kalifornien besitze. Als der
       amerikanische Physik-Nobelpreisträger Steven Chu im September Gast bei der
       Helmholtz-Jahrestagung war, habe er sich gewundert, dass Deutschland noch
       längst nicht über eine solche Energiestrategie verfüge, berichtete
       Wiestler.
       
       Womöglich kommen die nationalen Expertenpanels auf einem Umweg zum Einsatz.
       Die Grünen-Abgeordnete Anna Christmann machte in der Ausschusssitzung den
       Vorschlag, für die sechs Forschungsmissionen der „Zukunftsstrategie“ der
       Bundesregierung solche Gremien einzuberufen. „Beratung und
       Entscheidungsvorbereitung könnten damit enger zusammen gebracht werden“,
       meinte Christmann.
       
       Zwei „Fliegen“ der Politikberatung könnten so elegant mit einer Klappe
       geschlagen werden.
       
       14 Nov 2022
       
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