# taz.de -- Auswirkung der Zinserhöhung auf Italien: Meloni will nicht Truss sein
       
       > Der Zinssprung durch die EZB engt die Spielräume von Italiens
       > Regierungschefin weiter ein. Ihre Europakritik ist vor allem eines:
       > simple Rhetorik.
       
 (IMG) Bild: Nur 45 Tage im Amt? Das dürfte Italiens Premierministerin Georgia Meloni verhindern wollen
       
       Am Mittwochabend bestand Giorgia Melonis Regierung auch die
       Vertrauensabstimmung im Senat und ist damit endgültig im Amt. Doch am
       Donnerstag bekam die neue Ministerpräsidentin, die sich schon mit hohen
       Energiepreisen, galoppierender Inflation und drohender Rezession
       herumschlagen muss, gleich das nächste Problem auf den Tisch: [1][die von
       der EZB verfügte erneute Zinserhöhung um ganze 0,75 Prozent] auf 2 Prozent.
       
       Für Italien ist diese Nachricht keine Kleinigkeit. Immerhin betragen die
       Staatsschulden 150 Prozent des BIP – in der Eurozone steht nur Griechenland
       schlechter da. Schon jetzt muss das Land gegenüber den deutschen
       Staatstiteln einen Spread, einen Zinsaufschlag von über 2 Prozent zahlen,
       während zum Beispiel Spanien und Portugal mit nur 1 Prozent davonkommen.
       
       Damit werden Melonis Handlungsspielräume noch enger. Ihr ist bewusst, dass
       von den Anlegern als finanzpolitisch lax bewertetes Handeln ihrer Regierung
       bestraft würde – und dass dann Zinsen und Spread weiter wachsen würden.
       Meloni dürfte sich noch sehr gut an 2011 erinnern: Damals wurde die
       Regierung unter Silvio Berlusconi, der sie als Ministerin angehörte, durch
       den schnellenden Zinsabstand gegenüber Deutschland weggefegt.
       
       In [2][ihrer Regierungserklärung] beschwerte sich die
       Neu-Ministerpräsidentin denn auch über die EZB. Deren Zinserhöhung werde
       „von vielen als gewagt betrachtet und riskiert, auf den Kredit, der
       Unternehmen und Familien gewährt wird, durchzuschlagen“.
       
       Dennoch versprach Meloni bei allem verbalen Protest gegen die Geldpolitik
       der EZB zugleich haushaltspolitisches Wohlverhalten – ihre Regierung werde
       sich an den Stabilitäts- und Wachstumspakt halten, erklärte sie. Ihr
       bleibt gar nichts anderes übrig, wenn sie Italien an den Finanzmärkten
       nicht als unsicheren Kantonisten erscheinen lassen will. Eines nämlich ist
       wohl sicher: Einen Negativrekord wie den von Liz Truss mit ihren nur 45
       Tagen Amtszeit dürfte Meloni kaum einstellen wollen.
       
       27 Oct 2022
       
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